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„Wir sind tief betroffen“

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Münster - Es ist eine leidige Angelegenheit, wenn private Daten dort auftauchen, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben. So geschehen beim Münster-Marathon e.V., der auf der DVD-Dokumentation des vergangenen Marathons versehentlich auch die Anmeldedaten inklusive der Teilnehmernamen, Adressen und Bankverbindungen kopierte und an etwa 3500 Teilnehmer verschickte. Unser Redaktionsmitglied Jürgen Beckgerd sprach darüber mit Michael Brinkmann, Vorsitzender des Münster Marathon.

Herr Brinkmann, lässt sich der Schaden beziffern, der durch die Datenpanne entstanden ist?

Michael Brinkmann: Zunächst einmal: Hier handelt es sich um einen menschlichen Fehler, der uns sicherlich nicht noch einmal passieren wird. Das ist schon ein recht hoher Geldbetrag, der uns fehlt. Wir mussten eine neue DVD erstellen, versenden und die Rückantworten finanzieren.

Welche unmittelbaren Gefahren beispielsweise hinsichtlich der Konten-Sicherheit bestehen?

Brinkmann: Mit der Kenntnis von Bankverbindungen kann keiner etwas anfangen. Wenn man mal vergleicht, welche sensiblen Daten anderswo kursieren . . . Aber ich will gar nichts relativieren und die Tragweite des Fehlers keineswegs schmälern. Schön ist die Angelegenheit sicher nicht und wir sind tief betroffen.

Bedauern Sie im Nachhinein, dass die Spanne von der Entdeckung bis zur Information der Betroffenen - immerhin zwei Monate - so lange gedauert hat?

Brinkmann: Von der Entdeckung bis zur Aufforderung des Austausches sind wegen der Weihnachtsfeiertage und der Neuproduktion der DVD vier Wochen vergangen. Danach haben wir mit der Landesdatenschutzbehörde eine Wartezeit von sechs Wochen vereinbart, die am Wochenende abgelaufen wäre. Wegen der Veröffentlichung in den Medien haben wir allerdings heute bereits das avisierte Schreiben an alle Läuferinnen und Läufer verfasst.

Wann hatten Sie denn erstmals von der Panne erfahren?

Brinkmann: Mitte Dezember. Um die Anmeldedateien sehen zu können, musste man den Explorer anklicken und die unterste Datei war nur mit einem speziellen Programm zu öffnen. Nachdem wir das erkannt hatten, haben wir sofort einen Rechtsanwalt eingeschaltet und Selbstanzeige erstattet. Ein Bußgeldverfahren droht uns nicht, da wir sofort reagiert haben und der entstandene menschliche Fehler sofort nachvollziehbar war. Die Landes-Datenschutzbeauftragten hatte uns mit Schreiben vom 4.1. empfohlen, zunächst die versandten DVDs im Rahmen einer Rückholaktion zurückzufordern, ohne auf den konkreten Anlass hinzuweisen. Das haben wir auch gemacht mit dem allgemeinen Text: Die alte DVD beinhaltet eine Fehlfunktion, die zu Schäden führen kann.

Würden Sie im Nachhinein sagen, dass das die richtige Strategie war?

Brinkmann: Ich wüsste nicht, wie wir das hätten anders machen sollen. Das Prozedere war aber mit der Datenschutzbeauftragten abgesprochen.

Wie viele DVDs sind denn nach der Rückholaktion noch im Umlauf?

Brinkmann: Schwer zu sagen. An die 2000 sind zurückgeschickt worden. Wie viele exakt verschickt wurden, lässt sich nicht mehr genau sagen. Wir hatten den Versand noch nicht abgeschlossen und sofort gestoppt.

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