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Politik Inland

Wird der Doppel-Jahrgang aufgesplittet?

Dorle Neumann

Münster/Düsseldorf. Das Problem ist ernst: Im Sommer 2013 drängen die Schüler, die derzeit in den Klassen 8 und 9 der Gymnasien sitzen, gleichzeitig an die Universitäten und auf den Ausbildungsmarkt. Die Lösungsidee klingt bestechend: Um die Chancen der Schüler zu verbessern, soll der Abiturjahrgang aufgesplittet werden.

An einigen Gymnasien im Land wird deshalb derzeit heftig diskutiert, ob denjenigen, die noch nach dem „alten“ System und neun gymnasialen Jahren ihren Abschluss machen, nicht schon spätestens im März das Abiturzeugnis in die Hand gedrückt werden soll. Damit sie sich beispielsweise schon zum Sommersemester für einen Studienplatz bewerben können.

Was auf den ersten Blick Charme hat, wird von einigen Experten auf den zweiten Blick als schwierig bezeichnet. Barbara Kols-Teichmann von der Landeselternschaft der Gymnasien erklärt: „Das ist eine Forderung der Landeselternschaft schon vor etwa drei Jahren gewesen.“ Doch das Schulministerium habe den Vorschlag nach kurzer Erwägung verworfen. Gleichwohl äußert sie Verständnis für die Universitäten: „Sie fahren 150 Prozent Lehrlast bei 100 Prozent Ausstattung“.

An der Ablehnung des Vorschlags hat sich im Schulministerium bislang nichts geändert. Dessen Sprecher Thomas Breuer verwies gegenüber unserer Zeitung vor allem auf die Einrichtung des Zentralbiturs und die veränderten Strukturen an den Universitäten und Fachhochschulen durch die Bachelor- und Master-Studiengänge, die zumeist zum Wintersemester starten. „Wir sehen auch nicht die Notwendigkeit – schließlich hat NRW die Anzahl der Studienplätze erheblich ausgeweitet und neue Fachhochschulen geschaffen“, gibt er zu bedenken. Zudem stehe man im engen Dialog mit den Arbeitsgebern und Ausbildungsbetrieben, „damit es auch dort nicht zu Engpässen kommt“.

Im Schulausschuss oder in der schwarz-gelben Koalition ist dieser neue Vorstoß der Basis bislang noch nicht Thema gewesen, betont die Sprecherin des Schulausschusses, Ingrid Pieper-van Heiden (FDP). Mit einer Bewertung hält sie sich deshalb zurück: „Das muss ich erst einmal sacken lassen . . .“

Wasser auf die Mühlen der umtriebigen Gymnasien wäre ein Blick nach Bayern. Denn dort wird – als eine von mehreren Maßnahmen – der doppelte Jahrgang im Jahr 2011 geteilt. Die G9-Schüler erhalten dort trotz des Zentralabiturs schon im Februar oder März ihre Abschlusszeugnisse. „Damit sie sich fürs Sommersemester bewerben können“, wie der Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, Ludwig Unger, unterstreicht. Das gehe eben doch noch in einer Reihe von Studiengängen. Im Zuge dieser Maßnahme habe man sogar dem Bundesfamilienministerium die Zusage abgerungen, dass der Anspruch auf Kindergeld nicht erlischt – auch wenn einige Monate zwischen dem Abschluss und dem Studienanfang liegen könnten.

Die nordrhein-westfälische Regierung dürfte mit gespanntem Interesse gen Süden nach München schauen, ob sich das Vorhaben auch tatsächlich in der Praxis umsetzen lässt . . .

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