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Die RAF-Debatte

Wird Fall Buback neu aufgerollt?

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30 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegried Buback durch die RAF gibt es überraschend neue Hinweise auf die bis heute unbekannten Täter. Zu dem Terror-Kommando gehörten die RAF-Mitglieder Günter Sonnenberg und Stefan Wisniewski, sagte der ehemalige Terrorist Peter-Jürgen Boock dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Boock ging davon aus, dass Wisniewski die tödlichen Schüsse auf Buback und seine zwei Begleiter abgegeben hat. Der noch inhaftierte ehemalige Terrorist Christian Klar, der derzeit auf eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten hofft, sei nicht der Todesschütze gewesen.

Bislang galt als gesichert, dass neben Christian Klar die inzwischen freigelassenen Terroristen Günter Sonnenberg und Knut Folkerts für das Buback-Attentat verantwortlich waren. Wisniewski war damit nicht in Verbindung gebracht worden. Er wurde wegen des RAFAttentats auf den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt und 1999 wieder freigelassen.

Laut „Spiegel“ ist auch unsicher, ob der wegen des Buback-Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte Folkerts an der Tat wirklich beteiligt war. Dem Bundeskriminalamt liege seit 17 Jahren eine Aussage der Ex-RAF-Angehörigen Silke MaierWitt vor, nach der Folkerts am Tattag in Amsterdam gewesen sei.

Dass Wisniewski der Todesschütze gewesen sein soll, wird dem „Spiegel“-Bericht zufolge auch durch eine Aussage der Ex-Terroristin Verena Becker bestätigt, die dem Bundesamt für Verfassungsschutz seit mehr als 20 Jahren vorliege. Danach soll Sonnenberg das Motorrad gefahren haben, von dessen Rücksitz aus angeblich Wisniewski in den Wagen von Buback gefeuert hat. Klar soll im Fluchtwagen auf seine beiden Komplizen gewartet haben. Laut „Spiegel“ haben die Sicherheitsbehörden ihre Erkenntnisse zum Schutz ihrer Informanten nicht zur Verwendung in Gerichtsverfahren freigegeben.

Als Reaktion auf den Bericht forderten Politiker von CDU, FDP und Grünen in der „Welt am Sonntag“ neue Untersuchungen zum BubackAttentat. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte: „Wenn Behörden seit Jahren über genaue Tathergänge Bescheid wussten, diese aber nicht der Justiz zur Verfügung gestellt haben sollten, würde das eine juristische und politische Aufarbeitung erforderlich machen.“ Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach stellte fest: „Mord verjährt nie. Die neuen Informationen müssen Anlass dazu sein, den gesamten Fall neu zu untersuchen.“

Für die Grünen sagte Christian Ströbele: „Wenn die Justiz damals tatsächlich von den entlastenden Aussagen wusste, hat sie unverantwortlich gehandelt. Dann sind damals Menschen für etwas angeklagt und verurteilt worden, obwohl Beweise gegen deren Tatbeteiligung vorlagen. Das muss auch heute noch Konsequenzen haben.“

Boock bestätigte, dass er es war, der Bubacks Sohn Michael in den vergangenen Tagen über den Tathergang im April 1977 informiert hat. „Ich wollte Michael Buback erzählen, dass nicht Klar seinen Vater erschossen hat“, sagte er dem „Spiegel“. Klar habe möglicherweise das Fluchtfahrzeug besorgt und gefahren, aber weder die Ausbildung noch die Fähigkeit besessen, vom Motorrad aus die Schüsse auf Buback und seine Begleiter abzugeben: „Zum Beispiel konnte Klar keine schweren Motorräder fahren, hatte keine Ausbildung an Maschinenpistolen oder Sturmgewehren und war an der vorbereitenden Planung im Spätsommer 1976 im Jemen nicht beteiligt, da war er noch gar nicht Mitglied der RAF.“

Buback hatte nach den Gesprächen mit Boock gesagt, er persönlich sehe keinen Grund mehr, warum Klar länger als Brigitte Mohnhaupt in Haft sein solle. Diese war im März nach 24 Jahren Haft vorzeitig entlassen worden. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte am Samstag in Karlsruhe der dpa, eine Vernehmung des Buback-Informanten sei demnächst geplant. Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ hat die Bundesanwaltschaft auch Michael Buback als Zeugen geladen.

Hinterbliebene der beiden ebenfalls 1977 getöteten Begleiter des Generalbundesanwalts distanzierten sich im „Focus“ von Michael Buback. Karin Göbel, die Tochter des beim dem Attentat ermordeten Fahrers Wolfgang Göbel, sagte dem Magazin, Klar habe von dem Attentat gewusst, sei dabei gewesen und habe bei dem Dreifach-Mord geholfen. „Daher gehört er auch lebenslang eingesperrt – wirklich lebenslang.“

Auch Marga Wurster, die Witwe des Beamten Georg Wurster, der Buback begleitet hatte, sagte, es sei egal, wer geschossen habe. Sie sei gegen eine Begnadigung, weil Klar bei dem Buback-Attentat dabei gewesen sei. "Der wollte doch, dass keiner überlebt."

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