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Wirtschaftsexperten an Schulen? - Keine gute Idee

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Wenn Spitzenkräfte aus der Wirtschaft die Zeit finden, in den weiterführenden Schulen Informationen aus erster Hand über ihre eigene Arbeit, die grundsätzlichen Bedingungen in einer globalisierten Wirtschaft, die soziale Verantwortung, die Tücken der alltäglichen Routine oder die Herausforderungen durch Unwägbarkeiten und Konkurrenz zu vermitteln - gut! Aber der Vorschlag von Bildungsministerin Annette Schavan geht weit über diesen Austausch hinaus. Sie möchte durch Experten aus der Wirtschaft den Lehrermangel an den Schulen eindämmen. Und das ist keine gute Idee.

Denn der Vorschlag lässt Realitätssinn vermissen. Zum einen können es sich Unternehmen gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise kaum leisten, ihre besten Kräfte abzustellen, um konsequent Unterricht zu erteilen. Es ist schon zu hoffen, dass die bestehenden Kooperationen zwischen Firmen und Schulen aufrecht erhalten werden können und nicht dem Rotstift und Personalabbau zum Opfer fallen werden.

Zum anderen ist wahrlich nicht jeder Ingenieur auch ein guter Pädagoge, der sein Fachwissen strukturiert und interessant vermitteln kann. Ganz zu schweigen davon, dass der Umgang mit Jugendlichen ein ganz anderer Stress ist als jener im Berufsalltag mit Erwachsenen. Wäre das Unterrichten so einfach und für die Wirtschaftsfachleute so lukrativ, gäbe es längst eine Flut von Seiteneinsteigern. Die ist aber trotz der intensiven Kampagne beispielsweise in NRW ausgeblieben.

Der Lehrermangel ist nicht zu leugnen und erfasst immer mehr Fächer. Viele Eltern registrieren die Entwicklung mit wachsendem Ärger, die verantwortlichen Politiker lassen überzeugende Konzepte vermissen. Einige Bundesländer suchen ihr Heil nicht in der vermehrten Ausbildung von Lehrern, sondern vorrangig in der Abwerbung aus anderen Bundesländern. Das Grundübel wird so nicht ausgemerzt.

Das Problem zeigt erneut die Grenzen des Föderalismus auf. Die engagierte Bundesministerin ist für das Problem nicht zuständig. Die Landesminister befinden sich eher in Konkurrenz zueinander. Ein Konsens über den raschen Ausweg ist deshalb nicht in Sicht. Wer muss es ausbaden? Lehrer und Schüler.

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