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Wo die Muskeln weinen

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Die meisten fangen im Schulzirkus Feuer. So war es auch bei Katrin Hauf und Philipp Thimm. Die beiden waren Teilnehmer eines Jugendzirkus in Frankfurt. Ganz schnell stand für sie fest: „Wir wollen Artist werden.“

Ihren Traum haben die zwei umgesetzt – nach dem Abitur. Im Sommer schließen sie die Ausbildung an der Staatlichen Schule für Artistik in Berlin ab. Dann dürfen sie sich offiziell staatlich geprüfter Artist nennen. Diesen Abschluss gibt es nur an der Schule in Prenzlauer Berg – sonst nirgends in Deutschland.

Wer wie Katrin und Philipp den Artisten-Traum umsetzen will, der muss hart an sich arbeiten. Jedes Jahr werden nur wenige Schüler aufgenommen. Sie müssen sich einem strengen Auswahlverfahren stellen. Nur die besten schaffen die Aufnahmeprüfung.

Wer zu den Auserwählten gehört, dem stehen anstrengende Ausbildungsjahre bevor. Auf dem Stundenplan stehen vier Jahre lang nicht nur Jonglieren und Turnen, sondern auch Mathe, Englisch und weitere Hauptfächer.

„Bei uns weinen die Muskeln“, sagt Ronald Wendorf. Er ist künstlerischer Leiter an der Schule und weiß, dass viele Schüler dem Druck nicht standhalten. Sie stellen sich das Artistenleben meist viel angenehmer vor. Aber es gehört neben Talent auch jede Menge Disziplin und Ausdauer dazu. Blasen an den Händen, Muskelkater in Armen und Beinen: All das müssen die angehenden Artisten erdulden.

Die jüngsten Schüler sind zwischen 14 bis 16 Jahre alt und haben die achte Klasse abgeschlossen. Untergebracht sind sie im schuleigenen Internat. Wer durchhält, ist am Ende Artist und hat den Realschulabschluss oder das sogar Abitur in der Tasche: „Von einem Artisten wird erwartet, dass er nicht nur seinen Körper beherrscht“, sagt Lehrerin Gudrun Schmidt.

Zunächst steht eine Grundausbildung in den wichtigsten artistischen Disziplinen auf dem Stundenplan. Die Schüler lernen auf dem Drahtseil zu laufen, zu jonglieren, sie machen Akrobatik und lernen die Technik für Handstandnummern. Zum Ende spezialisiert sich jeder Schüler.

Katrin und Philipp haben sich für Hand-auf-Hand-Akrobatik entschieden. Sie treten bereits vor Publikum auf. Ihr Traum ist wahr geworden – durch Fleiß und trotz Schwielen an den Händen.

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