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Wolfgang Vogel

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Berlin – Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel war einer der wenigen Menschen, der in der Zeit des Kalten Krieges den Traum von der Freiheit verwirklichen konnten. Er war die letzte Hoffnung für viele Ausreisewillige aus der DDR und auch für einige Spione.

Als Anwalt mit besten Beziehungen zur SED-Führung und auch zur Bundesregierung in Bonn verhandelte Vogel seit Anfang der 60-er Jahre den Freikauf von 33.000 Häftlingen aus DDR-Gefängnissen und die Übersiedlung von mehr als 250.000 DDR-Bürgern in den Westen. Seinen Lebensabend verbrachte er zusammen mit seiner Ehefrau Helga in Oberbayern, wo er am Donnerstag im Alter von 82 Jahren starb.

Ohne Vogel lief zwischen Deutschland Ost und West nur wenig in Fragen der Menschlichkeit. Nach eigener Erinnerung wirkte er auch in „150 Fällen beim Austausch von Agenten zwischen Ost und West“ mit. Auch der über der damaligen Sowjetunion abgeschossene US-Pilot Gary Powers kam mit seiner Hilfe frei: Vogel führte für die Sowjetunion die Verhandlungen über die Freilassung ihres in den USA inhaftierten Top-Agenten Rudolf Abel. 1962 wurde Abel gegen Powers ausgetauscht.

Seit dem Mauerbau 1961 – zuletzt im Rang eines „persönlichen Beauftragten“ des DDR-Staats- und Parteichefs Erich Honeckers - versuchte Vogel die humanitären Probleme zwischen beiden deutschen Staaten zu lösen. Er handelte dabei nach der von der DDR-Regierung vorgegebenen Devise „Menschliche Erleichterungen gegen harte D-Mark“. Pro Häftling zahlte die Bundesrepublik von 1977 an rund 96 000 Mark. 1985 wurde Vogel Professor an der SED-Kader-Hochschule für Recht und Verwaltung.

Nach der Wende kam der Anwalt selbst auf die Anklagebank. 1992 begannen Ermittlungen wegen des Verdachts der Erpressung. Der Vorwurf lautete, Vogel habe ausreisewillige DDR-Bürger unter Druck gesetzt, ihre Häuser an Günstlinge des SED-Regimes abzugeben. Ein Staatsanwalt sah in Vogel gar „den größten Menschenhändler unseres Jahrhunderts“. Die Gerichte folgten dem nicht. Nach neunjähriger Verfahrensdauer sprach ihn der Bundesgerichtshof endgültig frei. Vogel selbst stand zu dem, was er tat: „Meine Wege waren nicht weiß und nicht schwarz. Sie mussten grau sein.“

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