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Ypsilanti und Palin - Die Gier nach der Macht war zu groß

wn

Ein rabenschwarzes Jahr für die Verfechter der These, dass Frauen die bessere Politik machen, geht zu Ende. Zwei prominente Beispiel haben in diesem Jahr ausgesprochen glücklos agiert – sie scheitern in erster Linie an ihrer Beratungsresistenz.

Andrea „Dilettanti“ stolpert vordergründig über vier Dissidenten – in Wirklichkeit aber über sich selbst. Zu groß ist augenscheinlich ihre Gier nach Macht. Zuerst verteufelt sie die Linken, um die Wähler nicht zu verprellen. Dann werden sie von ihr auf der verzweifelten Suche nach einer noch so kleinen Mehrheit heftig umgarnt. Beim ersten Widerstand durch die couragierte SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger weicht sie zurück, um dann doch einen zweiten Anlauf zu nehmen. Verbissenheit statt Vernunft.

Ihr Wahlversprechen, sich nicht von der Linken auf den Stuhl des Ministerpräsidenten hieven zu lassen, ist schnell vergessen. Sie wirbt auf Regionalkonferenzen für eine rot-grüne Koalition mit knallroter Duldung, lässt sich bei mehreren Probeabstimmungen den Rückhalt der Fraktion bestätigen. Mit ihrem Namen verbindet sich aber nicht nur der Vorwurf des Wählerbetrugs, sondern seit dem 3. November auch das grandiose Scheitern in den eigenen Reihen. Am Ende liegt ein traditionsreicher SPD-Landesverband in Trümmern.

Der Umgang mit dreien der vier Abweichler, Carmen Everts, Silke Tesch und Jürgen Walter, schlägt zudem hohe Wogen. Die SPD in Hessen beschneidet ihnen die Mitgliedsrechte – und muss nach einigen Tagen einen Rückzieher machen, weil der Landeswahlleiter und einige Verfassungsrechtler davor warnen, dass der Schritt verfassungswidrig ist. Kritiker werfen der SPD wenig demokratischen Umgang mit Andersdenkenden in den eigenen Reihen vor.

Auch die US-Republikanerin Sarah Palin erweist sich letztlich als Klotz am Bein ihrer Partei. Sie ist jung und ehrgeizig, sie ist telegen, trägt eine randlose Brille – Parallelen zwischen Andrea Ypsilanti und der Gouverneurin des US-Staats Alaska, die so gern Vizepräsidentin geworden wäre, sind unübersehbar.

Palins größtes Handikap ist ohne jeden Zweifel ihre erschütternde Naivität. Über die Rolle des Vizepräsidenten weiß sie zu wenig, Afrika hält sie für ein Land, auf einen plumpen Radioscherz fällt sie prompt herein. Und in Zeiten finanzieller und wirtschaftlicher Turbulenzen, die viele ihrer Landsleute zwingen, den Gürtel enger zu schnallen, leistet sie sich eine Wahlkampf-Garderobe für 150 000 Dollar aus der Parteikasse. Sie wird zur Zielscheibe aller populären US-Comedy-Shows. Die aparte Verpackung kann auf Dauer aber nicht verstecken, dass der Inhalt wenig Substanz hat.

Nach der verheerenden Wahlschlappe schieben die republikanischen Wahlkampfmanager vor allem ihr die Schuld in die Schuhe. Sie schildern Palin im US-Sender Fox News als unzuverlässige „Diva“, eitel und beratungsresistent.

Am Wahlabend steht sie eisern lächelnd auf der Bühne des Hotels in Phoenix neben John McCain, als dieser in einer würdevollen Rede seine Niederlage erklärte und sehr respektvolle Worte für Obamas historischen Sieg findet. US-Medien zufolge kann McCain im letzten Moment verhindern, dass Palin selbst auch eine Rede hält.

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