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Filmrezensionen

Zaubern, nicht zaudern

Hans Gerhold

Ein Mythos. der globale Wünsche und Bedürfnisse bündelt sowie Ängste und Hoffnungen transparent macht, ist Harry Potter schnell geworden – ein Äquivalent zu den Märchen der Brüder Grimm und dramaturgisch vom Film beeinflusst. Der Film hat Potters dunkle Illusionswelt dank der Möglichkeiten digitaler Kompositionen in eine Fantasy-Welt überführt, die sich auch dem Nichtkenner der Romane erschließt. Bei all dem hat der Film Vorteile gegenüber den Vorlagen: Was sich in Taten zeigt, muss nicht erklärt werden.

Erfreulich, dass die Reihe Entwicklungen zeigt. In „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist er verspielt, begeisterungsfähig, Quidditch-eifrig, in „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ übermütig, sich seiner Fähigkeiten bewusst. Ein erster Bruch zeigt sich in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“: Da wird die Hauptfigur mit den Tiefen des Unterbewusstseins konfrontiert, mit Tod, Tabu, Trauer und Vorahnungen, die zum Krieg führen werden.

In „Harry Potter und der Feuerkelch“ setzen Pubertät und Interesse für Mädchen ein. In „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ tritt eine neue Qualität hinzu: Harry, der der Geheimgesellschaft des Phoenix beitritt, gründet eine geheime Gruppe – den politischen Untergrund gegen ein Ministerium, das die Gefahr nicht sehen will. Der politische Impetus ist erwacht.

Wenn er jetzt noch Karl Marx liest, heißt es bald glatt: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Also zaubern, nicht zaudern.

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