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Zeichen der Versöhnung

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Ein bewegender Tag: Obwohl der Besuch Barack Obamas in Deutschland nur ein kleiner Akt einer großen außenpolitischen Gesamtinszenierung war, hat sein Auftritt in Dresden und in Buchenwald weit mehr als coole staatsmännische Routine ausgestrahlt. Obama hat seinem Ruf als besonnener, intelligenter und gleichzeitig menschlicher US-Präsident alle Ehre gemacht.

Der Plan war klar: Erst der „Kern“ der Reise, eine Rede an die Muslime in Kairo einschließlich „harter Worte“ an Israel in Sachen Nahost-Frieden, danach von Buchenwald aus ein versöhnliches Zeichen Richtung Jerusalem. Die Erinnerung an Zerstörung und Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche passt in diese teils schmerzhafte, teils stolze Selbstvergewisserung der transatlantischen Geschichte ebenso wie die Feiern zum 65. Jahrestag der Invasion der Alliierten in Frankreich.

Bei diesem 48-Stunden-Marathon blieb wenig Zeit für persönliche Begegnungen mit Bürgern, die sich die Deutschen so gewünscht hätten. Doch angesichts der schwierigen innenpolitischen Lage in den USA kann es sich Obama nicht leisten, durch pompöse Auftritte im Ausland - womöglich in Berlin - seine leidenden Landsleute zu verärgern. Er wird andernorts gebraucht.

Man mag sich trefflich darüber streiten, ob visionäre Reden und ein glaubwürdiges Auftreten reichen, um die Welt zu verändern. Viele Konfliktherde lassen eine friedliche Welt ohne Atomwaffen in naher Zukunft nicht in Sicht kommen.

Doch wer glaubt, Obama wäre wegen seiner Botschaft der Versöhnung ein weltfremder Idealist, irrt. Einer muss den Anfang machen.

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