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Special: Kommunalwahl Mettingen

Zu Gast bei Helmut Kellinghaus - Bürgermeister mit Torinstinkt

Oliver Langemeyer

<1>Mettingen. Routiniert lässt Helmut Kellinghaus den Ball auf seinem Fuß tanzen. Auch wenn er nicht mehr aktiv Fußball spielt, sein Ballgefühl hat er nicht verloren. Dabei ist es schon ein paar Jahre her, dass der heutige Bürgermeister für den VfL Eintracht Mettingen stürmte. Alte Zeitungsartikel, die der 60-Jährige in einer Mappe abgeheftet hat, berichten von seiner Treffsicherheit. Vor allem seine Freistöße waren gefürchtet – ein Bürgermeister mit Torinstinkt.

Zielbewusst kandidiert der Mettinger auch nach nunmehr zehn Jahren als Bürgermeister bei den Kommunalwahlen am 30. August zum dritten Mal für das Amt. Einen Mitbewerber hat er diesmal nicht. Wie schon bei den vergangenen Wahlen habe er zuvor seine Frau Ulla und seine erwachsenen Kinder Andre (35), Michael (33) und Nicole (30) gefragt, ob er noch einmal antreten soll. „Mach das ruhig“, lautete das einstimmige Votum. „Bei so einem Job braucht man vor allem eine Frau, die voll dahinter steht, die Verständnis hat“, sagt Kellinghaus. Denn als Bürgermeister ist er oft abends und am Wochenende unterwegs.

Deshalb weiß der 60-Jährige die Zeit mit der Familie, zu der mit der fünfjährigen Lena und dem vier Monate alten Luca inzwischen zwei Enkelkinder gehören, besonders zu schätzen. Sohn Andre wohnt mit seiner Familie direkt nebenan. Wenn die Enkeltochter zu Besuch ist, spielt Helmut Kellinghaus mit ihr häufig „Cowboy und Indianer“ im Garten. In seiner Freizeit hält er sich ohnehin viel in den heimischen Anlagen auf.

Häufig sitzt er dann im großzügigen Wintergarten seines Hauses am Höveringhausener Kirchweg. „Hier“, antwortet der Bürgermeister spontan auf die Frage nach seinem Lieblingsplatz in Mettingen. An diesem Ort mit herrlichem Blick aufs Liethofer Tal könne er nach den vielen Terminen und der Arbeit im Rathaus sehr gut auftanken. In Mettingen gebe es aber noch viele andere schöne Orte, erzählt der gelernte Diplomverwaltungswirt. Besuchern empfehle er grundsätzlich, sich Zeit zu nehmen. Denn das Tüöttendorf habe unter anderem mit seinen Kirchen und dem Schultenhof eine Menge zu bieten. Nach der Ortskernsanierung sei zudem ein lebendiges Zentrum mit einer guten Mischung alter und moderner Bausubstanz entstanden. Kellinghaus: „Mettingen ist ein Ort der Begegnung geblieben.“

Der Verwaltungschef steht am Zaun der Weide, die auch zum Anwesen gehört. „Rudi“, ruft er ein paar Mal laut. Und Rudi hört gut. Wenig später kommt das Pony gemächlich angetrabt. Dafür bekommt er einen Apfel aus dem Garten. „Das Pony gehört meinem Sohn“, erzählt Kellinghaus. Der habe es für Lena besorgt.

Der Job als Bürgermeister mache ihm nach wie vor viel Spaß. „Ich bin kein bisschen amtsmüde“, sagt er. Begegnungen mit Menschen schätzt er dabei ganz besonders. Bereut habe er es bislang keineswegs, dass er mit 50 Jahren, damals als Leiter des Amtes für Liegenschaften in der Stadtverwaltung Ibbenbüren, die Herausforderung annahm, Bürgermeister von Mettingen zu werden. Obwohl es nicht nur gute Erinnerungen gibt. Die Schließung des Hauses Telsemeyer und die Ankündigung des Bistums Münster, nicht die Trägerschaft für die Kardinal-von-Galen-Schulen zu übernehmen, zählt Kellinghaus zu den bislang schwierigsten Situationen während seiner Amtszeit.

„Beides hat sich aber positiv entwickelt.“ Im Haus Telsemeyer ist jetzt das Rathaus untergebracht. Außerdem gibt es dort wieder eine Gastronomie mit Hotelbetrieb. Die KvG-Schulen seien mittlerweile ebenfalls wieder auf der sicheren Seite, betont Kellinghaus. Schlaflose Nächte habe es aber auch gegeben, räumt er ein. Stichwort Hallenbad: Die mehrfache Schließung des Bades unter anderem aufgrund schlechter Wasserwerte nach der Sanierung habe ihm Kopfzerbrechen bereitet.

Letztlich überwiegen die guten Erinnerungen: Überwältigt sei er vor fünf Jahren vom Ergebnis seiner Wiederwahl gewesen, gibt Kellinghaus zu. Mehr als 77 Prozent der Mettinger stimmten damals für ihn. So viel Vertrauen, das habe ihn sehr gefreut. Jetzt will er noch weitere sechs Jahre im Rathaus am Ball bleiben.

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