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Zugriff in der Frühmaschine – Terrorverdächtige festgenommen

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Köln – Der Zugriff erfolgte unauffällig und unspektakulär. Als die Sicherheitskräfte am Freitagmorgen um 6.55 Uhr am Kölner Flughafen in die startbereite Maschine der KLM einstiegen, warteten gut 40 Passagiere an Bord der Fokker auf den Abflug nach Amsterdam. Die Sicherheitskräfte nahmen zwei Passagiere unter Terrorverdacht fest. „Die beiden Männer waren unbewaffnet und leisteten keinen Widerstand“, sagte Flughafensprecher Walter Römer einige Stunden nach der Aktion. Es habe keinerlei Tumulte an Bord gegeben. Niemand kam zu Schaden. Die Lage am Airport blieb ruhig.

Der Verdacht gegen die mutmaßlichen Terroristen ist ernst: Die 23 und 24 Jahre alten Männer wollten sich laut Ermittlern möglicherweise am „Heiligen Krieg“ („Dschihad“) und an möglichen Anschlägen beteiligen. Die offenbar bereits seit längerem beobachteten Verdächtigen hätten sogar schon ihre Abschiedsbriefe hinterlegt, bestätigte das Landeskriminalamt.

Der Somalier und der in Somalia geborene Deutsche wurden mitsamt ihrem Gepäck zum Verhör dem Landeskriminalamt übergeben. „Die ganze Aktion im Flugzeug ist ruhig und unspektakulär über die Bühne gegangen, es dürfte am Flughafen kaum jemand etwas davon mitbekommen haben“, meinte Airport-Sprecher Römer. Alle Reisenden mussten die Maschine allerdings kurzzeitig verlassen, um ihre Koffer zu identifizieren. „Das ist aber absolute Routine, das würde auch passieren, wenn zum Beispiel ein Tourist im Ferienflieger plötzlich sagt: „Ich will hier raus“.“ Mit rund 80 Minuten Verspätung startete die Maschine schließlich nach Amsterdam – ohne die Terrorverdächtigen an Bord, die bereits auf dem Weg nach Düsseldorf zum LKA waren.

Was genau die beiden Männer planten und wo sie möglicherweise zuschlagen wollten, wurde am Freitag nicht bekannt. Auch die genauen Umstände des Zugriffs blieben im Dunklen. NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) sagte im WDR, die Hintergründe müssten durch die Vernehmungen erst noch ans Licht gebracht werden. Deutlich wurde dagegen am Freitag erneut, dass die Wachsamkeit der Sicherheitsbehörden bei Anzeichen für islamistischen Terror besonders hoch ist.

Erst jüngst hatte Bundesverfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm der dpa gesagt, die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus sei groß, auch in Deutschland. Es gebe eine Zunahme „von Strukturen, Gruppierungen und Einzelpersonen“, denen man Anschläge zutrauen müsse. Beispiele aus London, Madrid oder auch das versuchte Kofferbomben-Attentat in Köln hätten gezeigt, „dass bei den Anschlägen größtmöglicher Schaden angerichtet werden soll, um die terroristische Botschaft zu vermitteln“.

Mitarbeiter und Reisende am Flughafen selbst hatten dagegen am Morgen nichts bemerkt. „Ich habe nichts Auffälliges gesehen – komisch ist nur, dass hier so viele Reporter und Fernsehleute rumlaufen“, staunte ein Reisebüro-Beschäftigter in der Abflughalle. Eine Touristin aus Stuttgart sagte: „Es ist nicht so, dass ich mich jetzt nicht mehr sicher fühlen könnte beim Fliegen wegen Terroristen – ich hätte eher Angst, dass mal eine Maschine wegen technischer Fehler runterkommt.“

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