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Zum Schießen: Borstenvieh wird im Münsterland intensiv bejagt

Elmar Ries

Münsterland - Jetzt nur noch darauf warten, dass die Landwirte die letzten Stängel Mais von ihren Äckern holen, und der Frost den Herbst aus dem Wald treibt, so dass die Bäume kahl werden. Dann kann die Jagd beginnen.

Wildschweine als echte Plage? So weit würde Dr. Hermann Hallermann dann doch nicht gehen. Allerdings: Dass es im Münsterland einerseits zu viel Schwarzwild gibt, und das Borstenvieh andererseits längst nicht mehr nur in der Davert zu Hause ist, sondern sich seit Jahren anschickt, die Region zu erobern, das sieht der Jurist, Jäger und Vize-Präsident des NRW-Jagdverbandes auch so. „Ja, es gibt zu viele Wildschweine“, sagt Hallermann darum. Und präsentiert die Lösung nur einen Satz später: „Wir müssen die Tiere intensiv bejagen.“

Vor allem die Bauern hören das mit Erleichterung. Nicht nur, weil die Rotten jedes Jahr üppige und ärgerliche Wildschäden verursachen. „In ei­ner Veredlungsgegend wie der unseren haben wir natürlich Angst davor, dass uns das Schwarzwild Seuchen in die Mastställe trägt“, sagt Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes.

Wie groß die Population in der Region ist, weiß niemand. Schließlich sind Wildschweine äußerst scheu und nachtaktiv. In der Saison 2009/2010 belief sich die Jagdstrecke in NRW auf rund 21 500 erlegte Tiere. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 43 000. „Das ist ein Beleg dafür, dass wir den Bestand in der Vorsaison ordentlich dezimiert haben“, erklärt Hallermann.

In vier Wochen beginnt die neue Saison. Auch hier gilt die vom nordrhein-westfälischen Jägerpräsidenten Jochen Borchert ausgegebene Parole: Den „Wildschweinen wieder kräftig zu Leibe zu rücken“. Im Klartext heißt das: Den Bestand radikal dezimieren und dabei etwas zu tun, was auch gestandenen Jägern nicht unbedingt leicht fällt: massiv die Frischlinge genannten Jungtiere zu schießen.

„Die Reproduktionsrate bei Wildschweinen liegt bei 300 Prozent“, sagt Peter Markett, der als Berufsjäger für den Davert Hochwildring zuständig ist. Und der Nachwuchs könne schon nach vier Monaten wieder eigenen Nachwuchs zeugen.

Damit lässt sich zwar die Größe der Population erklären, nicht aber die Tatsache, dass die Tiere inzwischen überall zu finden sind. Das liegt - die Bauern hören es nicht so gern: Auch am intensiven Mais-Anbau. Die oft zusammenhängenden Maisfelder sind fürs Schwarzwild ein gedeckter Tisch und bieten zudem hervorragend Deckung.

Wildschweine intensiv bejagen: Da fängt das Problem schon an. Das Wie müssen Jäger, die ihr liebes Jägerleben lang vor allem Hasen, Fasane und Enten geschossen haben, erst lernen. „Mit der klassischen Ansitzjagd, bei der ein Jäger einsam und alleine auf dem Hochsitz hockt, bekommen wir das Schwarzwild-Problem keinesfalls in den Griff“, sagt Hallermann.

Effektiver und darum halt nötig seien revierübergreifende „Drückjagden“, so heißen die Treibjagden beim Schalenwild. Im Davert-Hochwildring, der im Herzen des Münsterlandes liegt und 15 000 Hek­tar umfasst, wird das seit schon geraumer Zeit praktiziert. „Mit durchschlagenden Erfolg“, sagt Peter Markett, der Revierjagdmeister.

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