1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Zurück im Rampenlicht: SPD glaubt vor NRW-Landtagswahl an ihre Siegeschance

  6. >

Zurück im Rampenlicht: SPD glaubt vor NRW-Landtagswahl an ihre Siegeschance

unserem Redaktionsmitglied Frank Polke

Dortmund - Sigmar Gabriel steht im Foyer des Goldsaals der Westfalenhalle. Er bahnt sich vorsichtig seinen Weg in die Halle, geht an den Ausstellungsständen der Post, des Sparkassenverbandes oder des Transportunternehmens UPS vorbei. Nicht stehenbleiben, einfach weitergehen.

Gabriel grinst genüsslich, als am Samstag der Beifall der Genossen aufbrandet. Ein Händeschütteln mit Vorgänger Müntefering, dem „lieben Franz“, ein kurzer Plausch mit dem ewig coolen Ex-Finanzminister Steinbrück - der Bauchpolitiker Gabriel weiß genau die Macht der Bilder einzuschätzen.

Ihm, der seit fünf Monaten eher unscheinbar im Amt agiert, schenken die Berliner Regierung und vor allem die NRW-CDU gleich mehrere Vorlagen. Der 51-Jährige hält sich denn auch nicht zu lange auf mit Höflichkeiten: „Herr Rüttgers beruft sich stets darauf, entweder nichts zu wissen oder sich an nichts erinnern zu können.“

Beides sei gleich schlimm. Und für den SPD-Boss, der nicht immer der Versuchung widerstehen kann, das Niveau leicht nach unten zu durchbrechen, steht schnell fest. „Dem falschen Fuffziger darf man ein so wichtiges Amt wie das des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten einfach nicht mehr anvertrauen.“

Kopfnicken auf dem Podium, Kopfnicken beim gut gelaunten DGB-Landeschef Guntram Schneider, Jubel gar bei den Delegierten. Die Jusos und die Falken recken Schilder hoch, „NRW: Nicht-Rüttgers-Wählen“ steht da drauf. Endlich wieder Optimismus und die Aussicht, wenigstens in die Nähe eines Wahlsieges kommen zu können nach fünf Jahren sehr freudloser Opposition in Düsseldorf.

Und der Niedersachse bedient diese Sehnsucht der Genossen nicht ungeschickt. Anders als Kraft schont er Rüttgers nicht. Der soll „nie wieder den Namen Johannes Rau im Munde führen“ nach all den Affären und Skandälchen der vergangenen Monate. Die SPD sei sauber und überhaupt der einzig wahre Anwalt der kleinen Leute.

Nach einer halben Stunde wechselt Gabriel - immerhin Chef der noch größten Oppositionspartei - dann in die Bundespolitik. „Die FDP versorgt in Berlin ja gerade alle Leute mit Posten. Die schlechtesten kommen ins Entwicklungshilfeministerium von Dirk Niebel. Das ist die Bad Bank der FDP.“ Überhaupt die Bundesregierung. Ohne Sozialdemokraten klappe es einfach nicht.

Philipp Rösler sei ein Gesundheitsminister, der die gesetzliche Krankenversicherung den Lobbyisten zum Fraß vorwerfe. Und Angela Merkel keine präsidiale Kanzlerin, sondern die Geschäftsführerin einer Nicht-Regierungs-Organisation. Doch am häufigsten fällt der Name Guido Westerwelle. Gabriel nennt den Außenminister einen „Radikalen“, der mit seiner Kritik am Hartz-IV-Missbrauch gegen das Grundgesetz und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts verstoße. „So einen hätten wir früher nicht in den öffentlichen Dienst gelassen.“

Gabriel will die alten Agenda-Wunden heilen. „Viele haben bei den letzten Wahlen nur mit der Faust in der Tasche SPD gewählt. Es soll wieder Freude machen, uns zu wählen“, ruft er zum Abschluss. Noch ein paar Fotos mit Kraft. Danach schreitet er dem Ausgang zu. Händeschütteln und ein Interview am Ausgang. Kein anderes Bild, kein anderes Gespräch.

Startseite