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Zuschuss zum Kühlschrank? – Bund erwägt Bonus

Martin Ellerich

Münster/Berlin - Zum nächsten neuen Kühl- oder Gefrierschrank tut der Bund demnächst eventuell 150 Euro hinzu – wenn das neue Hausgerät ganz besonders sparsam ist. Entsprechende Pläne werden derzeit intensiv im Wirtschaftsministerium beraten.

Das Ziel: Alte, stromschluckende Haushaltsgeräte sollen durch sparsame der Effizienzklasse „A++“ ersetzt werden. „Ich gehe davon aus, dass der Zuschuss kommt“, sagte am Dienstag Holger Krawinkel, Experte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, unserer Zeitung, „und wir werden gegenüber der Politik auf das Tempo drücken.“

Die Kühlschränke in deutschen Haushalten sind im Durchschnitt etwa 14 Jahre alt, Gefriergeräte sogar 17 Jahre. Aber eine mittelgroße Gefrier/Kühlkombination des Baujahrs 1990 braucht 560 Kilowattstunden (kWh) im Jahr, erläutert Werner Scholz, Geschäftsführer der Hausgeräteabteilung im Elektroindustrie-Verband ZVEI. Ein modernes Gerät der Stufe „A++“ nur 180 kWh.

„Das macht auf der Stromrechnung 70 Euro im Jahr aus“, sagt Scholz. Trotzdem hätten die „A++“-Geräte nur einen Marktanteil unter fünf Prozent, sagt Scholz. Viele Verbraucher greifen mit Blick auf den – zum Beispiel für unsere Kühl/Gefrierkombi um rund 300 € – geringeren Preis zu vermeintlich ebenfalls verbrauchsgünstigen Geräten der Stufe „A“. Doch ein „A“-Gerät braucht immer noch 335 kWh Strom. „Ein zeitlich befristetes Impulsprogramm, um dem Markt einen Push zu geben“, wünscht sich Scholz daher. Der ZVEI wirbt seit zwei Jahren für den Zuschuss, der auch den heimischen Herstellern nützen würde. Sie bauen hierzulande vorrangig „A++“-Geräte.

Doch Scholz bekommt Unterstützung von Verbraucherschützer Krawinkel. Der verweist nämlich auf die Erfahrungen mit solchen Aktionen in Italien. Dort sei der Anteil der effizientesten Geräte im Verkauf zwischen 2006 und 2008 von zehn auf 40 Prozent gestiegen. Und Industrie- und Handel hätten den Zuschuss angesichts der starken Konkurrenz auch nicht auf den Endpreis aufgeschlagen, zerstreut Krawinkel eine Befürchtung von Skeptikern. Das Angebot an effizienten Geräten sei zudem stark gestiegen.

„Das Geld ist da“, gibt sich Scholz mit Blick auf eine befristete Aktion zuversichtlich. Im Wirtschaftsministerium berät nämlich derzeit eine Expertengruppe „Pepp“, wie die Einnahmen aus dem Emissionshandel ausgegeben werden sollen. Für diesen Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten, an dem die Stromerzeuger beteiligt sind, zahlen über die Stromrechnung auch die Verbraucher. Der Bonus würde rund 200 Millionen € im Jahr kosten – und die Verbraucher würden auf diesem Wege einen Teil „ihres“ Geldes zurückbekommen.

Noch ist der Zuschuss nicht beschlossen, aber Wirtschafts- wie Umweltminister sollen den Plänen positiv gegenüberstehen. Und angesichts der Wahlen im nächsten Jahr stehen die Chancen für das Projekt aus Sicht von Experten nicht schlecht.

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