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„Die anonymen Romantiker“

Zwei Chaoten - füreinander geschaffen

Gian-Philip Andreas

Sie sind füreinander geschaffen: Jean-René ist ein Schokoladenfabrikant kurz vor dem Bankrott. Seine ungelenken Umgangsformen gehen auf pathologische Schüchternheit zurück. Angélique ist eine begnadete Chocolatière: Nach ihren Pralinen verzehren sich alle Schoko-Gourmets, doch auch sie ist schlimme Sozialneurotikerin: Wird sie gelobt, kippt sie um. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landet sie ausgerechnet als Vertreterin in seiner Firma. Bis sich alles doch noch fügt, müssen die beiden mehrfach ziemlich komisch anein­andergeraten. Schon das Dinner, zu dem Jean-René Angélique auf

Anraten seines Psychiaters ausführt, läuft auf sehr exzentrische Weise aus dem Ruder, als er ständig durchgeschwitzte Hemden auf der Toilette wechselt und sie derweil seine vorbereiteten Gesprächskärtchen liest ...

Regisseur Jean-Pierre Améris erzählt diese schön klemmige Neurotiker-Romanze zwar etwas zu nostalgisch-altmodisch, und auch das Finale nach knappen 80 Minuten nimmt eine etwas zu prompte Wendung zum Guten, doch die beiden Hauptdarsteller sind zum Niederknien: die reizend unbeholfene Isabelle Carré (aus Ozons „Rückkehr ans Meer“) und der begnadete Stoffel Benoît Poelvoorde, der sich derzeit auch in „Nichts zu verzollen“ auslebt. Amüsant und auch rührend.

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