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Zwei Deutsche im Gespräch - Wut in Mannschaftskreisen

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London - José Mourinho hat sich nach der Trennung vom FC Chelsea auf eine millionenschwere Abfindung mit seinem früheren Arbeitgeber geeinigt. Das bestätigte der Fußball-Club am Freitag. Über die Höhe wurde offiziell nichts bekannt. Laut britischen Medienberichten könnte sie bis zu 30 Millionen Euro betragen. Mourinho hatte bei den Londonern, die er zu zwei Meister- und drei Pokalsiegen führte, noch einen Vertrag bis 2010.

„Ich bin sehr stolz auf meine Arbeit“, sagte Mourinho, „ich denke, meine Entscheidung im Mai 2004, nach England zu kommen, war exzellent. Es war eine schöne und erfahrungsreiche Periode in meiner Karriere.“

Spekulationen um Nachfolge

Derweil überschlagen sich die Spekulationen um die Nachfolge des Portugiesen auf dem Trainerstuhl des FC Chelsea. Neben Jürgen Klinsmann, Ex Madrid-Coach Fabio Capello, Italiens Weltmeister-Trainer Marcello Lippi und dem Holländer Guus Hiddink ist nun offenbar auch Christoph Daum im Gespräch. Nach Informationen des Kölner "Express" hat der FC Chelsea beim Kölner Coach schon angefragt.

Wut in Mannschaftskreisen

Während der von Mourinho aus dem Champions-League-Kader gestrichene Michael Ballack die Situation aus dem Krankenstand relativ entspannt betrachten kann, sind seine fast ausschließlich von Mourinho nach London geholten Kollegen tief berührt.

Mitten in der Saison zeigen sich bei der von Russen-Milliardär Roman Abramowitsch zusammengekauften Elitetruppe Auflösungserscheinungen. Den Tränen nahe, aufgebracht und sauer reagierte vor allem Stürmer-Star Didier Drogba auf den Fortgang seines Förderers.

Verteidiger Ricardo Carvalho sprach Klartext: „Ein sehr trauriger Tag für mich und das Team. Ich hatte ein tolles Angebot von Real Madrid, aber bin geblieben, wegen Mourinho“, sagte der Portugiese. Florent Malouda, der erst im Sommer zum Verein gekommen war, schlug in die gleiche Kerbe: „Ich bin wegen Mourinho zu Chelsea gegangen.“ Spätestens im kommenden Sommer steht Chelsea wohl ein Spieler-Exodus bevor.

Der derzeit verletzte englische Mittelfeldstar Frank Lampard, der ein sehr enges Verhältnis zum portugiesischen Coach unterhielt, hatte schon früher sein Bleiben mit Mourinho verknüpft. Sein möglicher Abschied würde wiederum Ballacks Situation deutlich verbessern. Michael Essien und Paulo Ferreira denken angeblich ebenfalls über einen Abschied nach, und die „Meuterei“ (Daily Mirror) könnte sich noch ausweiten.

"Seine drei Jahre waren wie eine Fußball-Oper"

Unterdessen kommentierte die konservative britische Tageszeitung "Times" den Abgang Mourinhos am Freitag folgendermaßen:

„Nichts charakterisierte Mourinhos Leben beim FC Chelsea so sehr wie sein Abgang. Keine Spur von Gewimmer, er verließ den Club mit wagnerischem Fortissimo. Seine drei Jahre bei Chelsea waren wie eine Fußball-Oper, und sein Charisma reichte weit über das Spielfeld hinaus. Er selbst interessierte viele, die für Fußball gar nichts übrig haben. Er war der erfolgreichste Manager in der Geschichte des FC Chelsea, fünf Trophäen in drei Jahren. Doch Clubbesitzer Roman Abramowitsch wollte bei allem ein Wörtchen zu viel mitreden. Für Mourinho war er ein Eindringling auf seinem Spielfeld, und für den stolzen Trainer war das nicht zu akzeptieren. Es wird nicht leicht sein, den schillernden Mourinho zu ersetzen, es droht eine Öde an der Stamford Bridge.“

Mourinho selber zeigte sich schon wieder bereit für neue Aufgaben. „Ich warte auf Anrufe. Ich möchte das Leben genießen, aber ich möchte arbeiten“, sagte er. Tottenham Hotspur und spanische Vereine sollen Interesse haben. Nach einer Online-Umfrage des Boulevardblatts „The Sun“ sprachen sich zudem 80 Prozent der Leser für Mourinho als Ersatz für den englischen Nationaltrainer Steve McClaren aus.

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