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Sozial-integratives Boxsport-Projekt

Zwei Mädels boxen sich durch

Maria Meik

Münster - Volle Kraft voraus: Das einzigartige Konzept des Box-Projekts verlangt Disziplin und Ausdauer - und beschert durch Einsatz und Fleiß schulische und sportliche Erfolge, die jungen Menschen runtergehen wie Butter. Ihnen Anerkennung bringen und Perspektiven eröffnen. Auch wenn alles vertrackt erscheint. Im Boxring lernen sie fürs Leben. Für ein verantwortungsvolles und respektvolles Miteinander, bei dem mögliche Aggressionen durch Bewegung von vornherein weggeboxt werden.

Und dafür sorgen der Augenarzt Dr. Ulrich Thelen, Vereinschef vom Telekom Post Sportverein, der mit Betriebswirt Farid Vatanparast dieses Projekt möglich machte. Der Ex-Boxprofi ist Trainer, Lehrer, Freund sowie Vaterersatz für manche Heranwachsende aus Problemvierteln mit Migrationshintergrund oder Gewaltbereitschaft. Wer aus der Spur gekommen ist und bei Farid Vatanparast ankommt, der kriegt seine zweite Chance.

Mit einer Betreuung, in der Sportliches, Pädagogisches und Schulisches den Mix ausmachen. Und davon profitieren 36 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 19 Jahren im Vereinsheim am Schifffahrter Damm. Doch die vorwiegend ehrenamtliche Tätigkeit braucht dringend finanzielle Unterstützung, damit Jugendliche nicht auf der Strecke bleiben und stark werden fürs Leben. Dabei wird auf die Spendenbereitschaft der WN-Leser gesetzt.

Gymnasiasten, Real-, Haupt- und Förderschüler oder Jugendliche in der Berufsvorbereitung kommen hier zusammen, um Schularbeiten zu machen. Um zwei Stunden intensiv zu lernen. Englisch, Bio, Mathe, Vokabeln, Vorbereitung auf Klassenarbeiten - die Ehrenamtlichen um Farid Vatanparast setzen alles dran, ihre Schützlinge fit für die Schule und die Zukunft zu machen. Der Einsatz fruchtet.

Einige der Jugendlichen haben bei Wettbewerben Bestleistungen im Ring erbracht und Pokale eingeheimst. Wie Shiba Esmailpour (17) und Darlene Jörling (16). Sie holten für den Telekom Post SV im Sommer die deutschen Meistertitel. Einfach spitze: Anfang November kehrte Darlene als Vize-Europameisterin in der U-17-Klasse mit der Silbermedaille aus dem französischen Calais zurück. Auch Shiba war qualifiziert. „Doch dann kam Schulisches dazwischen“, lacht Esmailpour, die auf dem Annette-Gymnasium die Klasse 12 besucht, während Darlene es von der Realschule aufs Geschwister-Scholl-Gymnasium schaffte. Die erfolgreichen Box-Mädels nehmen weiter am Förderunterricht teil, von dem sie begeistert sind. „Boxen ist zum Ausgleich zur Schule irre gut. Es ist mehr als Sport, es ist eine Lebensphilosophie und der Gruppenzusammenhalt wie in einer Familie“, sagt Shiba Esmailpour. Was sie hier gelernt hat? Antwort: „Mir Ziele zu setzen. Vorher war das nicht so. Und jetzt habe ich Boxen und Lernen vor Augen.“

Auch Darlene Jörling findet es klasse, in Gemeinschaft zu lernen. „Und Boxen macht mir Spaß. Man lernt immer etwas Neues“, erzählt die pokalverwöhnte Darlene, die Vatanparast als einen guten Trainer bezeichnet. Warum? Antwort: „Er macht Mut und verlangt Leistung.“

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