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Zweifel an Sommers Erfolgsstory

Wilfried Goebels

Düsseldorf. An den 6400 nordrhein-westfälischen Schulen werden pro Jahr drei Millionen Unterrichtsstunden mehr erteilt als im Jahr 2005. Schulministerin Barbara Sommer verwies auf die zusätzliche Einstellung von 4000 Lehrern gegen Unterrichtsausfall.

Außerdem müssten heute alle Veranstaltungen an Schulen außerhalb des Unterrichts stattfinden, sagte die CDU-Politikerin Donnerstag in Düsseldorf. Wegen der Erkrankung von Lehrern sei Unterrichtsausfall aber nicht gänzlich zu vermeiden.

Während die beiden Regierungsparteien CDU und FDP von einer Erfolgsgeschichte sprechen und Sommers Amtsvorgängerin Ute Schäfer (SPD) wegen der damals noch fünf Millionen ausgefallenen Schulstunden zur „Königin des Unterrichtsausfalls“ erklären, wehrt sich die Ex-Ministerin. Nach Schäfers Berechnungen sind zurzeit 5800 Lehrerstellen in Nordrhein-Westfalen unbesetzt – deshalb glaubt die SPD-Politikerin aus Ostwestfalen der positiven Ausfall-Statistik des Ministeriums auch nicht.

Der Streit dreht sich um die Vertretungsstunden. Grünen-Expertin Sigrid Beer kritisiert, dass nur die Hälfte der ausgefallenen Unterrichtsstunden gemäß Stundenplan vertreten werden. So würden an Realschulen 48 Prozent und an Gymnasien 52 Prozent des Ersatzunterrichts durch fachfremde Lehrer erteilt. Die Grünen-Abgeordnete Barbara Steffens legt nach. „Wenn Klassen sich bloß mit irgendwelchen Sachen beschäftigen, statt nach Hause geschickt zu werden, dann ist das Unterrichtsausfall und nichts anderes.“

CDU-Schulexperte Klaus Kaiser hält das für ein Ablenkungsmanöver der früheren rot-grünen Koalition. CDU und FDP hätten den Unterrichtsausfall in nur drei Regierungsjahren in den Griff bekommen, rechnet Kaiser mit der alten Regierung ab. CDU-Experte Bernhard Recker aus Ahlen betont, dass Nordrhein-Westfalen den Unterrichtsausfall auf zwei Prozent halbiert hat. „Das ist der geringste jemals gemessene Ausfall in diesem Land.“ Laut Landesrechnungshof seien im Jahr 1998 noch 10,6 Prozent aller Unterrichtstunden in NRW ausgefallen – an einer Hauptschule sogar 20,7 Prozent.

FDP-Schulexperte Ralf Witzel legt den Finger in eine andere Wunde. Um den Unterricht überhaupt einigermaßen sicherzustellen, habe die SPD-Ministerin in ihrem Amtszeit „Vorgriffsstunden“ für Lehrer eingeführt, die jetzt von den Pädagogen abgefeiert würden. Konsequenz: „Wir zahlen heute die Zeche für diese rot-grüne Politik.“

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