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Filmrezensionen

Zwischen Wien und Tschechien umherirren

Hans Gerhold

Die Wiener Yuppies Sebastian (August Diehl, „Die Fälscher“) und Alex (Michael Ostrwoski) gehen dem Hobby des „Slumming“ nach, ziehen als Slum-Touristen nachts durch billige Absteigen, Bierbeisel und traurige Trinkstuben und erfinden Geschichten um die Loser, denen sie begegnen.

Aus einer Laune heraus entführt Sebastian den sich durch Wien krakeelenden Dichter Franz Kallmann (Paulus Manker), der sich ins Koma gesoffen hat, bringt ihn über die Grenze und lässt ihn ohne Ausweis und Geld auf einer Bank vor dem Bahnhof einer tschechischen Stadt liegen.

Während Kallmann auf der Odyssee nach Wien, immer nah am Erfrieren, beeindruckende Überlebensqualitäten entwickelt, geht Sebastians ohnehin lose Beziehung zur naiven Lehrerin Pia (Pia Hierzegger) in die Brüche. Sie, die Sebastians Scherz nicht rechtfertigen kann, macht sich auf, Kallmann zu suchen.

Eine bitter schwarzhumorige österreichische Komödie um entwurzelte Personen, die durch eine verrohte Umwelt und kalte Gesellschaft treiben. Zum frösteln machenden Eindruck tragen die blaustichigen und schneematschigen Bilder von Martin Gschlacht bei. Regisseur Manker spielt den Penner mit Wucht, Diehl den aalglatten Yuppie beim perversen „soziologischen Feldversuch“. Eine böse Parabel.

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