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Von Überhangmandaten bis zur Fünf-Prozent-Klausel

Das bedeuten Erst- und Zweitstimme bei der Bundestagswahl

Münster

Zwei Stimmen hat jeder Wähler bei der Bundestagswahl 2021 am 26. September. Doch welche Stimme ist bedeutender? Und wann gibt es Überhang- oder Ausgleichsmandate? Wir geben einen Überblick.

In 299 Wahlkreisen wird am 26. September abgestimmt. Foto:
  • Am 26. September findet die Bundestagswahl 2021 statt.
  • Alle Deutschen, die am Wahltag älter als 18 Jahre sind, sind wahlberechtigt.
  • Jeder Wähler hat bei der Bundestagswahl zwei Stimmen - nämlich Erst- und Zweitstimme.

Bei der Bundestagswahl 2021 am 26. September hat jeder Wähler zwei Stimmen. Aber welches politische Gewicht haben Erst- und Zweitstimme? Und wann gibt es Überhang- oder Ausgleichsmandate? Wir geben einen Überblick.

Welche Bedeutung hat die Erststimme?

Mit der Erststimme wählt man den Direktkandidaten oder die Direktkandidatin im Wahlkreis. In den Wahlkreisen können auch unabhängige Bewerber antreten. Gewählt ist der Bewerber oder die Bewerberin mit den meisten Stimmen. Dabei reicht die einfache Mehrheit: Der Bewerber muss nicht die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinen.

Es gibt 299 Wahlkreise, in denen durchschnittlich 250.000 Menschen leben. Alle 299 Gewinner der Wahlkreise ziehen sicher in den Bundestag ein. So ist sichergestellt, dass jede Region im Bundestag vertreten ist. Vereinfacht kann man sagen, dass rund eine Hälfte der Abgeordneten über die Erststimme und die andere Hälfte über die Zweitstimme in den Bundestag kommt.

Welche Bedeutung hat die Zweitstimme?

Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie viele Sitze die Parteien im Bundestag erhalten. Mit der Zweitstimme entscheidet sich der Wähler für eine bestimmte Partei und deren Landesliste. Und so sind auf dem Wahlzettel unter dem Namen der Partei auch die ersten fünf Kandidaten der Landesliste aufgeführt. Die Parteien haben meist viele Monate vor der Wahl die Landeslisten aufgestellt. Die Zweitstimmen für eine Partei zählen aber grundsätzlich nur, wenn die Partei mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhält.

Vereinfacht gesagt, kommt die zweite Hälfte der Abgeordneten über die Zweitstimme ins Parlament. Nach der Vergabe der ersten 299 Sitze an die Wahlkreissieger werden die weiteren Mandate für die Parteien anhand der Reihenfolge der Politiker auf den verschiedenen Landeslisten verteilt – gemäß des Stimmenanteils in den jeweiligen Ländern.

Wird mit der Zweitstimme der Kanzler gewählt?

Zumindest nicht direkt. Zwar heißt es oft, die Zweitstimme ist Kanzlerstimme, aber mit der Zweitstimme wählt man eine Partei – und nicht den Kanzlerkandidaten. Die Fraktionen im Bundestag bilden dann später eine Koalition. Und letztlich wählt der Bundestag dann den Kanzler oder die Kanzlerin.

Was sind Überhangmandate?

Alle 299 Sieger der Wahlkreise kommen in den Bundestag. Und zwar auch dann, wenn einer Partei nach dem Zweitstimmenergebnis eigentlich weniger Sitze im Parlament zustehen. In solchen Fällen spricht man von Überhangmandaten. Damit die Größe der Fraktionen im Bundestag trotzdem dem Zweitstimmenanteil entspricht, werden im Gegenzug Ausgleichsmandate für andere Parteien geschaffen.

Was sind Ausgleichsmandate?

Wenn Parteien aufgrund der gewonnenen Direktmandate mehr Sitze im Parlament erhalten als ihr laut Zweitstimmenergebnis zustehen, bekommen auch andere Parteien Sitze dazu, die über die Landesliste verteilt werden. Man spricht dann von Ausgleichsmandaten. Die zunehmende Zahl von Überhang- und Ausgleichsmandaten hat zu einer Aufblähung des Bundestags geführt. Das soll dazu führen, dass sich das Verhältnis der abgegebenen Stimmen in der Kräfteverteilung des Bundestages widerspiegelt.

Was ist die Fünf-Prozent-Klausel?

Parteien kommen grundsätzlich nur in den Bundestag, wenn sie mehr als fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten. Damit soll verhindert werden, dass zu viele kleine Parteien in den Bundestag einziehen und damit eine Mehrheitsbildung erschwert wird. Die Gewinner der Direktmandate in den Wahlkreisen erhalten auch dann einen Sitz, wenn ihre Parteien an der Fünfprozenthürde scheitern. Landet eine Partei bei 4,9 Prozent, sind ihre Stimmen verloren.

Gibt es Ausnahmen von der Fünf-Prozent-Klausel?

Sollte eine Partei bei den Zweitstimmen die Fünf-Prozent-Hürde verpassen, aber mindestens drei Wahlkreise gewinnen, wird sie trotzdem bei der Verteilung der Sitze nach Zweitstimmen berücksichtigt. Diesen Sonderfall gab es aber erst einmal: In den 90er Jahren profitierte die PDS, die Vorgängerpartei der heutigen Partei Die Linke.

Was ist eine Landesliste?

Nur Parteien können Landeslisten einreichen. Je höher ein Bewerber auf einer Landesliste steht, umso größer ist für ihn die Chance, auch in den Bundestag einzuziehen. Die Parteien können in allen Bundesländern oder auch nur in einzelnen Ländern Listen aufstellen. (-sb-)

Über alle weiteren Nachrichten rund um die aktuelle Wahl informieren wir Sie auf der Sonderseite zur Bundestagswahl 2021 auf wn.de.

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