125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Ahlen
Als bei Karl die Halle glühte

Ahlen. Diesen Weiberfastnachtsabend im Jahr 2005 werden viele Wehrleute nicht vergessen. Während viele 100 Bürger in Stadthalle, Kettelerhaus, Kolpinghaus und zahllosen kleineren Veranstaltungsorten feierten, rückten nach Einbruch der Dunkelheit die ersten Einsatzkräfte zum Vatheuershof. Die erste Meldung „Rauchentwicklung bei der Firma Karl“ erschien noch verhältnismäßig unspektakulär gegenüber dem, was sich an diesem Abend noch entwickeln sollte . . .

Mittwoch, 03.09.2008, 17:02 Uhr

Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrfahrzeuge war es nur eine helle Wolke, die aus dem Dach der großen Halle quoll. Mit einem Schlag breitete sich kurz darauf eine einzige Feuerwalze über den gesamten oberen Gebäudeteil aus. Die Flammen schlugen mindestens zehn Meter hoch in den schwarzen Abendhimmel, so dass die Männer des ebenfalls aus Vorhelm anrückenden Löschzuges den Feuerschein schon kilometerweit vor sich sahen.

Die Lagerhalle des Betriebes Karl GmbH (Rohrreinigung, TV-Inspektion, Containerdienst, Daten- und Aktenvernichtung) an der Straße Auf dem Toelen im Gewerbegebiet Vatheuershof brannte völlig nieder. Der Schaden – das war bereits nach flüchtiger Schätzung des fassungslosen Firmenchefs Janof Karl – bewegte sich in Millionenhöhe.

Er selber saß noch im Büro, als nach eigener Schilderung plötzlich das Licht erlosch. Die Mitarbeiter hatten den Betrieb längst verlassen. Janof Karl wollte ebenfalls bald Feierabend machen, als auch er von seinem Fenster aus den Qualm aus der Halle steigen sah.

Die alarmierte Feuerwehr gab Vollalarm. Das heißt: Sämtliche Löschzüge rückten zur Brandstelle aus, auch die aus den Ortsteilen Vorhelm und Dolberg. 80 bis 100 Feuerwehrkräfte waren am Ende im Einsatz, der von Wachleiter Walter Wolf geführt wurdde. Die Flammen erfassten rasend schnell das gesamte Dach aus leicht brennbarem Material, das schon nach kurzer Zeit einstürzte. Die Tore schmolzen unter der enormen Hitze wie Butter.

Aus allen verfügbaren Rohren und umfassend von allen Seiten wurden den Flammen bis zu drei Kubikmeter Wasser pro Minute entgegengeschleudert. Von der Drehleiterbühne aus schickten die Wehrmänner etwa 2000 Liter Wasser pro Minute direkt durch die zerstörte Dachkonstruktion in die Flammenhölle hinein, die immer wieder neue Nahrung in den riesigen Papiermengen und Ölen fand und meterhohe Feuersäulen nach oben schleuderte. Auch Schaummittel wurden eingesetzt.

Mehrmals mussten die „Blauröcke“ in Deckung gehen, wenn Eternitplatten mit lautem Knall platzten. Wie Geschosse flogen Teile umher. Polizei und Feuerwehr hielten allzu Neugierige weiträumig von der Einsatzstelle fern.

Ein Öltank direkt an der nördlichen Seite der 50-mal 25 Meter großen Halle wurde mit Löschwasser gekühlt. In dem Gebäude explodierten auch mehrere Gasflaschen. Ein nagelneuer Spülwagen, der erst eine Stunde vor Ausbruch des Feuers in die Halle gefahren worden war, wurde ein Raub der Flammen, ebenso die Papierballenpressen.

Um Schäden an der Kläranlage durch den Abfluss zu großer Mengen verunreinigten Löschwassers zu verhindern, schloss das Abwasserwerk sämtliche Schieber auf dem Weg vom Einsatzort dorthin.

„Wir sind auf jeden Fall gestärkt aus diesem Einsatz hervorgegangen“, sagte Walter Wolf später im Namen der gesamten Wehr. Lobende Worte ließ er auch von Kreisbrandmeister Karl-Ludwig Hoer ausrichten.

(Bericht der „AZ“ von Freitag, 4. Februar 2005)

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