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Avantgarde-Legende spielt mit dem Voodoo Club in der Sputnikhalle

Boa und die Beatles

Münster

Mit seiner zwischen Pop und Avantgarde angesiedelten Musik ist die vom Dortmunder Musiker Ernst Ulrich Figgen gegründete Band Philip Boa & The Voodooclub seit Anfang der 1980er Jahre national und international erfolgreich. Das jüngste Album erschien im August 2012 – und wurde zum erfolgreichsten in der fast 30-jährigen Bandgeschichte. Mit Boa (alias Figgen), der im kommenden Jahr 50 wird und in dieser Woche live in der Sputnikhalle auftreten wird, sprach WN-Redakteur Martin Kalitschke.

Martin Kalitschke

Seit drei Jahrzehnten pflegt Philip Boa mit Erfolg sein Image als Avantgarde-Musiker. Am Samstagabend spielt er in der Sputnikhalle. Foto: kal

Philip Boa, Sie haben Ihr neues Album in den weltberühmten Abbey Road Studios aufgenommen. Kam da Ehrfurcht auf?

Boa: Das hat sich dort alles sehr verändert, die Studios atmen keine Beatles-Luft mehr. Überall Security, das war zum Teil überhaupt nicht entspannend dort.

Mögen Sie die Musik der Beatles?

Boa: Die waren genial. Ihre früheren Stücke imponieren mir nicht, aber das Spätwerk bis zum Ende ist einfach nur faszinierend. Dass sie von der CIA beobachtet wurden, weil sie gegen den Vietnam-Krieg waren, zeigt, dass Musik so viel mehr sein kann als nur Unterhaltung – wie man heute ja auch bei Pussy Riot sieht.

Dass Musik politisch sein kann, beeindruckt Sie?

Boa: Das fordere ich sogar ein. Meine eigene Musik würde ich nie für etwas rein Kommerzielles hergeben, das würde mein Herz brechen. Und es kotzt mich an, wenn das einige meiner Kollegen machen. Ich bin halt jemand, der gerne seine Meinung sagt. Leider geht das immer mehr verloren.

Sie leben in Malta.

Boa: Ein paar Wochen im Jahr. Ich hatte dort Leute kennengelernt, die ein Studio haben, jetzt mache ich da selber mit. Rammstein haben dort ihr zweites Album aufgenommen.

Sie werden als Avantgarde-Musiker bezeichnet. Was ist heute Avantgarde?

Boa: Keine Ahnung, wer Avantgarde wie definiert. Ich wollte einfach einen eigenen Stil kreieren und nicht so klingen wie die anderen. Ob das nun Avantgarde ist oder nicht, kann ich schwer beurteilen.

Welche Bands beeindrucken sie aktuell?

Boa: Ich lese relevante Zeitschriften wie den NME und höre mich natürlich viel um. Musik, die mein Leben verändert hat, habe ich allerdings in letzter Zeit nicht gehört. Wer mir trotzdem gefällt? Die Vaccines, Get well soon. . .

Sonst niemand?

Boa: Vor den meisten Bands, die bekannt sind, habe ich keinen Respekt. Bands, die sich nur noch dem TV anbiedern – über die kann ich nur lachen. Ich selbst halte mich da lieber im Hintergrund. Dafür kann ich aber auch stolz in den Spiegel sehen. Ah, jetzt fällt mir noch eine tolle Band ein. Unsere Vorgruppe Orph. Die Jungs sind bis jetzt noch in Ordnung. Und die Botaniker, die sind auch stark.

Erinnerungen an Münster?

Boa: Ich stamme aus Dortmund, da kenne ich die Stadt natürlich. Wir hatten mal einen Gitarristen und Crew-Leute aus Münster. Wir haben dort schon einige gute Konzerte gespielt. Das letzte im Metropolis war super. Ich spiele unglaublich gerne in alten Kinos.

Sie werden 2013 50. Welche Pläne haben Sie?

Boa: Demnächst werde ich ein Buch mit gesammelten Essays, Gedanken und Blogs herausgeben. Und danach noch ganz schnell ein Album machen, schließlich läuft es gut im Moment. Ich habe total viel Energie. Danach werde ich mein Werk verwalten und so Dinge machen wie Kraftwerk, die kürzlich sieben Mal hintereinander in der Düsseldorfer Kunsthalle aufgetreten sind. Jeden Abend war ausverkauft. Die Idee hatte ich übrigens schon vor acht Jahren.  

Samstag, 20 Uhr, Sputnikhalle, Hawerkamp.

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