Indie-Pop

Starke Stimme: Sophia Kennedys «Monsters»

In den USA geboren, in Hamburg als Künstlerin groß geworden: Sophia Kennedy balanciert mit experimentierfreudiger Popmusik lässig zwischen den Welten. Ihr zweites Album erfüllt viele Hoffnungen.

dpa

Sophia Kennedy balanciert lässig zwischen den Welten. Foto: Ben Jakon

Berlin/Hamburg (dpa) - Dass Musik aus Deutschland im trendbewussten US-Onlinemagazin «Pitchfork» besprochen wird, kommt selten genug vor. Wenn dort dann auch noch Lobesworte wie «bezaubernd» oder «kraftvoll» fallen, ist das so etwas wie ein Ritterschlag.

Die Wahl-Hamburgerin Sophia Kennedy hatte schon mit ihrem Debüt von 2017 bei den Indiepop-Experten abgeräumt - man darf also gespannt sein, was nun mit dem noch mutigeren, noch besseren Nachfolger passiert.

Selten hört man hierzulande eine so ambitionierte, lässig mit den besten Songwriterinnen aus aller Welt konkurrierende Platte wie «Monsters». Irgendwo zwischen der US-Vorzeigemusikerin Annie Clark alias St. Vincent, der Irin Róisín Murphy und Tash Sultana aus Australien lässt sich Kennedy einordnen. Das auf dem Berliner Label City Slang erschienene Werk verschmilzt prächtige Pop-, Jazz- und Soul-Melodien, Samples und Soundeffekte, Streichersätze, vertrackte Rhythmen und virtuosen Gesang - eine 47-minütige Wundertüte.

Insbesondere die tolle Stimme der vor bald 32 Jahren in Baltimore/Maryland geborenen Musikerin erhält auf «Monsters» eine noch strahlendere Bühne als vor vier Jahren. Von glockenheller Klarheit bis in dunkle Gesangsabgründe - es gibt keine Tonlage, die Sophia Kennedy hier nicht perfekt ausleuchtet. Wenn sie dann im zentralen Stück «I'm Looking Up» Englisch und Deutsch reimt («Please give me a sign/ich bin so allein»), kann man sich ihrem Charme kaum noch entziehen. Das groovige, im tiefen Alt gesungene «Up» lenkt derweil magisch auf eine momentan nur imaginäre Club-Tanzfläche.

«Oft hat man homogene Alben, auf denen jedes Lied von der gleichen authentischen Person gesungen wird, und das ist auch wunderbar», sagte Kennedy dem «Rolling Stone» (Mai-Ausgabe) über ihren Anspruch. «Aber mir geht es um etwas Anderes. (...) Manchmal möchte ich, dass man denkt, die Stimme, die da kommt, ist sehr alt oder aus einer Geisterwelt getreten.» Die cineastischen Arrangements ihrer neuen Lieder und die herausragende Produktion von Mense Reents (Die Goldenen Zitronen) dürften ein Übriges tun, um nun auch «Monsters» zum Kritikerliebling zu machen.

© dpa-infocom, dpa:210506-99-495657/3

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