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Streitthema im Wahlkampf

Das müssen Sie zur Diskussion um die Lastenrad-Förderung wissen

Münster

Lastenräder erobern nach und nach die Straßen in Deutschland. Jetzt fordern die Grünen eine verstärkte Förderung – auch für private Haushalte. Der Vorschlag erntet von Union, FDP und den Linken Kritik.

Von Lina Probst

Was sind die Vor- und Nachteile von Lastenrädern?

2020 war der Verkehrssektor nach Energiewirtschaft und Industrie der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland: insgesamt 146 Millionen Tonnen CO2. Die Verkehrswende ist demnach ein Kernelement zur Bewältigung der Klimakrise. Lastenräder könnten zur Reduzierung von CO2-Emissionen im Verkehr beitragen, indem gewerbliche und private Transportwege zunehmend vom Auto auf das Lastenrad verlagert werden.

Jedoch ist die Infrastruktur bisher vielerorts nicht auf die Fahrräder ausgelegt. Sprich: Die Radwege sind oft nicht breit genug. Denn Lastenfahrräder sind aufgrund ihrer Transportvorrichtungen sehr breit und können, sofern sie mit Elektroantrieb ausgestattet sind, sehr schnell werden. Außerdem sind sie nicht gerade günstig: Modelle ohne elektrische Raffinessen kosten bereits circa 1500 Euro. Je hochwertiger das Rad, desto höher wird am Ende auch der Preis.  

Welche Lastenräder werden zurzeit vom Bund subventioniert?

Derzeit fördert der Bund E-Lastenfahrräder, sogenannte Lastenpedelecs, und Lastenanhänger mit Elektromotor. Gemäß den Kriterien des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) müssen die Räder eine Nutzlast von mindestens 120kg transportieren können. Sie dürfen maximal 25 km/h fahren und müssen über fest installierte Transportmöglichkeiten verfügen. Nicht gefördert werden Lastenräder, die für den Personentransport konzipiert sind (z.B. Rikschas).

Wer darf einen Förderantrag für ein Lastenrad stellen?

Antragsberechtigt sind laut dem BAFA private Unternehmen (auch Freiberufler), Unternehmen mit kommunaler Beteiligung, Kommunen, Öffentliche Einrichtungen (z.B. Hochschulen), sowie Vereine und Verbände. Der Bund zahlt keine Fördergelder an Privatpersonen.

Es gibt jedoch auch kommunale Förderungsprogramme. So vergab die Stadt Münster in der Vergangenheit auch Förderungen an Privatpersonen. Das Förderprogramm für Lastenräder wurde jedoch innerhalb der Haushaltsberatungen 2021 von Grünen, SPD und Volt eingestellt. In Münster können Lastenräder aber auch kostenlos oder alternativ gegen eine Spende ausgeliehen werden.

Welche Kaufprämie fordern die Grünen?

Der Grünen-Politiker Sven-Christian Kindler forderte im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) eine Förderung von Lastenfahrrädern mit jeweils 1000 Euro. Dies sei wichtig, um die Verkehrswende voranzutreiben. Kindler sprach sich dafür aus nicht nur Firmen, Kommunen und Vereine, sondern auch Privatpersonen den Zugang zu Förderungsmitteln zu ermöglichen. Unterstützung bekam er dabei von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, so die dpa. Auch im Wahlprogramm der Grünen taucht die Bezuschussung für die „Anschaffung von Job- und Lastenrädern sowie S-Pedelecs“ auf. Konkrete Zahlen werden dort jedoch nicht genannt.

Was kritisieren Union, FDP und Linke an dem Vorschlag der Grünen?

Lastenrad statt Lieferwagen? Diese Idee leuchtet nicht allen ein. Paul Ziemiak, Generalsekretär der CDU, bezeichnete den Vorschlag der Grünen auf Twitter als „abstrus“ und „weltfremd“. Als Beispiel führt er an, dass Handwerker aufgrund ihrer umfassenden Arbeitsmaterialien kaum ein Fahrrad für ihren Arbeitsweg nutzen könnten.

Auch Oliver Luksic, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, übte Kritik. Statt den „Förderdschungel“ aus Subventionen für Lastenfahrräder auszuweiten, sei es wichtig „gezielter“ zu fördern. Linke-Fraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali verwies laut dpa darauf, dass Lastenfahrräder eher in Städten als auf dem Land genutzt werden. Für die Verkehrswende brauche es vielmehr einen „konsequenten Ausbau des Nahverkehrs“ und niedrigere Ticketpreise im ÖPNV.

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