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Elektrischer Kleinbus von VW

Im Test: Hat der ID Buzz mit dem Bulli noch etwas gemeinsam?

Berlin (dpa-infocom)

Touchscreen statt Pril-Blumen, Elektromotor statt Flower-Power: VW bringt nun endlich den ID Buzz heraus und schreibt die Bulli-Historie in die elektrische Zukunft fort. Wie gut ist den Wolfsburgern die Zeitreise gelungen?

Von dpa

Wie schon der Bulli soll auch der ID.Buzz für ein Gefühl von Freiheit stehen. Mit ihm bringt VW die erste Elektro-Generation seines legendären Kleinbusses heraus. Foto: Volkswagen AG/dpa-mag

VW dreht bei der Elektromobilität jetzt am großen Rad. Und das kann man nicht nur auf die mehr als zehn Milliarden Euro beziehen, die der Konzern in dieser Dekade in die Mobilitätswende steckt. Denn als bislang größtes Modell aus dem Modularen Elektrobaukasten MEB kommt bald der ID Buzz in den Handel.

Fünf Jahre nach der gefeierten Studie geht er im Sommer in Serie und soll im Herbst zu Preisen ab zunächst etwa 63.000 Euro ausgeliefert werden. Erst 2023 sinkt die Hürde für den Einstieg mit einem Basismodell auf etwa 55.000 Euro. Oder man kauft den Cargo für Handel, Handwerk und Gewerbe für etwa 45.000 Euro in Fahrt - muss dann aber auf Fenster und Sessel im Fond verzichten. Außerdem will VW den E-Bulli auch als California herausbringen.

Außen Flowerpower, innen Flatscreen

Mit dem elektrischen Enkel des legendären Bulli wollen die Niedersachsen nicht nur die grüne Zukunft ansteuern, sondern auch an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen. Wie in Flowerpower-Manier haben sie die Studie daher an den Stränden Kaliforniens präsentiert.

Auch wenn in Zeiten des digitalen Fortschritts nicht allzu viel vom Flair der Pril-Blumen und Beach Boys übriggeblieben ist, so hält der ID Buzz das Erbe des Bullis doch in Ehren. Nicht umsonst hat er wie das Original aus den 1950ern ein extra großes VW-Logo am Bug, das ihm zusammen mit den Schweinwerfern das Gesicht von damals verpasst. Die Hinterbänkler greifen in die Halteschlaufen von Käfer und Co. Und selbst der Heckantrieb ist nach drei Generationen Pause mit dem E-Motor zurückgekehrt.

Innen dagegen ist von der Nostalgie nicht mehr viel zu spüren. Das Cockpit ist dasselbe wie in allen anderen ID-Modellen: Es hat keine Tasten mehr, sondern dafür einen großen Touchscreen, viele Sensorfelder und eine verständige Sprachsteuerung. Nur der Schaltknauf ist vom kleinen Bildschirm hinter dem Lenkrad an die Lenksäule gewandert, wo er sich auch besser erreichen lässt. Ein Manko bleibt jedoch: Weil wichtigen Touchleisten die Beleuchtung fehlt, wird die Bedienung im Dunkeln erschwert.

Hippie-Feeling hat überlebt

Aber all das ist vergessen, wenn der Bulli erst einmal Fahrt aufnimmt. Denn tatsächlich packt einen im ID Buzz das Freiheitsgefühl der 60er Jahre. Man thront hoch über der Straße und lässt die Gedanken bis nach Kalifornien schweifen. Natürlich hört man nur ein leises Summen statt des lauten Boxer-Brummens von einst.

Wer keine seligen Erinnerungen hat, der freut sich einfach an der ruhigen, geschmeidigen Fahrt, an all den Assistenzsystemen und am kleinen Wendekreis. Weil die Vorderräder stärker einschlagen können als beim Verbrenner, braucht der Bulli nur 11 Meter für einen U-Turn. Gemessen am konventionellen Multivan fühlt er sich damit so handlich an wie ein Golf. Und auch Parkhäuser verlieren ihren Schrecken.

Nicht ganz so frei wie Fahrer und Beifahrer auf dem Bock dürften sich die Hinterbänkler fühlen. Zwar gibt es mehr Platz als in jedem anderen elektrischen VW. Aber auf der konventionellen Rückbank kommt man sich eher vor wie im Touran als im T7 - selbst wenn man die zwei Hälften der Bank verschieben kann. Doch VW will bald nachlegen: Wenn der ID Buzz nächstes Jahr von 4,70 auf 5,00 Meter wächst, dann gibt es auch eine dritte Sitzreihe und auf Wunsch die klassischen Captain Chairs.

Immer noch nicht der Schnellste

Auch beim Antrieb tut sich etwas: Zum Start verkauft VW nur eine Variante mit 150 kW/204 PS, einer 77-kWh-Batterie und gut 420 Kilometer Reichweite. Später gibt es eine Allrad-Variante mit 299 kW/406 PS und eine Spar-Version mit gut 50 kWh, die für etwa 300 Kilometer reichen. Aber selbst mit unterschiedlicher Leistung bleibt eines gleich: das Spitzentempo von 145 km/h. Das klingt nach wenig, ist aber der Aerodynamik geschuldet - und passt irgendwie zum Bulli. Denn der war auch als Verbrenner nie der Schnellste.

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt

Zwar hat es fünf Jahre gedauert, bis die Buzz-Studie in Serie ging. Und dabei sind auch ein paar kultige Details wie der meditierende Buddha auf dem Armaturenbrett auf der Strecke geblieben. Doch als Elektro-Kleinbus vertritt der ID Buzz selbst ohne Kultbonus würdig ein neues Fahrzeugsegment. Er ist ausgereift und durchdacht und hat genügend Charme geerbt, um auch treue Bulli-Fans zu überzeugen. Das Warten hat sich also gelohnt.

Datenblatt: VW ID Buzz

Motor und Antrieb:Elektroantrieb mit Heckmotor
Max. Leistung:150 kW/204 PS
Max. Drehmoment:310 Nm
Antrieb:Heckantrieb
Getriebe:Eingang-Getriebe

Maße und Gewichte
Länge:4712 mm
Breite:1985 mm
Höhe:1937 mm
Radstand:k.A.
Leergewicht:k.A.
Zuladung:k.A.
Kofferraumvolumen:1121 Liter

Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:145 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:k.A.
Durchschnittsverbrauch:k.A.
Reichweite:ca. 420 km (US-Norm)
Batteriekapazität:77 kWh
CO2-Emission:0 g/km
Kraftstoff:Strom
Schadstoffklasse:k.A.
Effizienzklasse:k.A.

Kosten:
Grundpreis des VW ID Buzz (2023):ca. 55.000 Euro
Startpreis des VW ID Buzz:ca. 63.000 Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:0 Euro/Jahr

Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Acht Airbags, ESP, Spurhalte- und Abstandsregelung, Tempomat
Komfort:Klimaautomatik, Digitale Instrumente, Sitzheizung

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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