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Risiko Schläuche: Gasanlage im Wohnmobil sicher betreiben

Berlin (dpa/tmn)

Die Flaschen aus Stahl oder Aluminium sind recht robust, die großen Schwachstellen bei Flüssiggasanlagen liegen woanders. Wie erkennt man Lecks und wie beugt man unbemerktem Gasaustritt vor?

Von dpa

Kochen, Heizen und auch Kühlen: Flüssiggas im Wohnmobil sorgt für Komfort und Unabhängigkeit - doch die Anlage muss sicher sein. Foto: Bodo Marks/dpa-tmn

Bei Flüssiggasanlagen in Wohnmobilen oder Booten sind die angeschlossenen Schläuche nach Einschätzung des Tüv-Verband einer der größten Risikofaktoren.

Mit zunehmendem Alter kann ihr Material spröde und rissig werden. Knicke im Schlauch und Sonneneinstrahlung tragen dazu bei. Undichte Stellen sind gefährlich. Austretendes Gas kann zu Bewusstlosigkeit führen oder sich entzünden und eine Explosion hervorrufen. Darum sollte man die Schläuche regelmäßig wechseln.

Mit Wasser und Spüli Lecks entdecken

Ein Tipp: Die Dichtheit der Schläuche lasse sich mit Hausmitteln prüfen, so Hermann Dinkler, der sich beim Tüv-Verband mit Brand- und Explosionsschutz beschäftigt. Es braucht demnach nur Wasser mit etwas Spüli. Die Mischung kippt man auf einen Schwamm und verteilt sie damit dünn auf dem Schlauch und den Ventilen.

«Bilden sich bei anstehendem Gasdruck Blasen, ist der Schlauch oder das Ventil undicht», so Dinkler.

Für zusätzlichen Schutz können spezielle Gaswarngeräte sorgen. Sie müssen möglichst nahe am Boden montiert sein. Die laut Tüv-Verband am häufigsten verwendeten Gase Butan und Propan sind schwerer als Luft und sammeln sich folglich im Falle eines Lecks am tiefsten Punkt.

Ein weiterer Ratschlag: Während der Nutzung von Gasherden Türen und Fenster offenhalten.

Der Wollpullover als möglicher Zünder

Tritt Gas unbemerkt aus und kann nicht aus dem Raum heraus entweichen, bilde sich eine hochentzündliche, unsichtbare Wolke. «Das Aneinanderschlagen von freihängenden rostigen Metallschellen im Boot, ein defekter Handy-Akku, Heizstrahler, aber auch elektrostatische Aufladungen wie beim Ausziehen eines Wollpullovers in trockener Luft können so schnell zum Zünder werden», warnt Dinkler.

Vor allem in Booten sei die Gefahr groß, da die Räume unter Deck tief lägen und bis auf die Einstiegsluke sehr dicht seien.

Gasflaschen meist in gutem Zustand

Die Gasflaschen sorgen demnach selten für Probleme. Sie gibt es in der Regel entweder als Pfandflasche (rot oder grün) oder als Eigentumsflasche (grau). Bei der Letztgenannten deckt die Nutzungsgebühr laut Tüv-Verband auch Wartungs- und Reparaturarbeiten ab. Die Pfandflaschen werden nach dem Eintauschen durchgecheckt. Laut Hermann Dinkler sorgt dieses Pfand- und Nutzungssystem dafür, dass Gasflaschen grundsätzlich in einem guten Zustand sind.

Damit sie bei der Nutzung keinen Schaden nehmen und womöglich Lecks entstehen, sollten sie nie ohne Schutzkappen transportiert werden. So vermeidet man Schäden an Ventil und Gewinde. Für die Lagerung gilt: Die Flaschen stehen senkrecht und sollten gegen Umfallen und Wegrollen gesichert sein.

Beim Kauf neuer Gasflaschen oder Kartuschen sollte man auf die Kennzeichnung mit dem Buchstaben Pi achten. Das gelte vor allem im Ausland, so Dinkler. Das Pi - zwei senkrechte Striche, die durch eine geschwungene Linie verbunden sind - auf dem Behälter stellt klar, dass dieser die geltenden EU-Richtlinien einhält.

Prüfung der Flaschen ist wichtig

Es empfiehlt sich, eine neu eingebaute Flüssiggasanlage zunächst sachkundig prüfen zu lassen, ehe man sie erstmalig benutzt. Das gilt auch bei Änderungen an der Anlage.

Bei Wohnmobilen ist der Nachweis einer Gasprüfung seit 1. April dieses Jahres laut Tüv-Verband zwar keine Pflicht mehr, um die Hauptuntersuchung (HU) zu bestehen. Aber sie dient der eigenen Sicherheit. Dazu kommt, dass die Plakette für die Gasprüfung auf vielen Campingplätzen in Deutschland und anderen Ländern vorgezeigt werden muss. Sonst bleibt die Zufahrtsschranke geschlossen.

Zudem könne eine defekte Gasanlage den Kfz-Versicherungsschutz kosten. Fehlt nach einem Unfall der Nachweis über eine bestandene Gasprüfung, könne dies nach Angaben der Sachverständigen-Organisation KÜS von den Versicherern als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden. Der Kaskoschutz könne dann verweigert werden, bei der Haftpflicht könnten Versicherungen Kunden in Regress nehmen.

Bei Schiffen und kleineren Booten ist die Gasprüfung laut Tüv-Verband aufgrund der erhöhten Gefahr weiterhin alle zwei Jahre Pflicht.

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