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Unterwegs mit einem Rennrad für Einsteiger

Einsteiger in den Sport müssen für ein Rennrad nicht gleich mehrere Tausend Euro ausgeben. Allrounder sind nicht nur günstiger, sondern auch etwas komfortabler - aber nicht ultimativ leicht.

dpa

Giants Contend AR 2 ist ein Allrounder - gedacht unter anderem für Einsteiger im Rennradsport. Foto: Stefan Weißenborn

Berlin (dpa/tmn) - Schmale Reifen, gekrümmter Lenker, leichter Rahmen, Kettenschaltung - das sind typische Merkmale von Rennrädern. Ihnen fehlen Schutzbleche, Beleuchtung und Gepäckträger. Rennräder sind abgespeckte, leichte und wendige Sportgeräte, die Fahrradästheten immer wieder in ihren Bann ziehen. Doch sollten sie die Unterschiede kennen, die sich nach dem Einsatzzweck des Fahrrads richten.

So gibt es Profi-Rennmaschinen, die auf maximale Gewichtsreduktion setzen und so sündhaft teuer sind wie auch besonders aerodynamische Triathlonräder mit ihren speziellen Cockpits. So genannte Endurance-Rennräder dienen oft ambitionierten Trainingszwecken.

Die Brücke zum Alltag schlagen eher Einstiegsräder, die die Hersteller teils als Allrounder führen. Sie haben gemäßigtere Rahmengeometrien, auf denen Radler weniger gebückt sitzen als auf den vorgenannten. Sie eignen sich für die Feierabendrunde oder den Einstieg in den Rennradsport. Ein solches Bike ist das Contend AR 2 der taiwanesischen Marke Giant.

Der Einsatzzweck: Für ein Rennrad sei das Contend AR 2 vielseitig, sagt Marc Kessing von Giant Deutschland. Zwar sei das Modell als Sportgerät entwickelt, es könne aufgrund der 32 Millimetern breiten Reifen, die mehr Komfort böten, aber auch gut im Alltag und auf unebenen Straßen genutzt werden.

Der Rahmen lässt sogar Reifen mit Breiten von bis zu 38 Millimeter zu - damit fischt das Giant schon im Bereich der derzeit aufgrund ihrer Vielseitigkeit äußerst beliebten Gravelbikes. Kessing sortiert das Giant als «Mittelding zwischen den beiden Welten» ein. Wer auf Tempo und weniger Komfort gehen möchte, wechselt auf 28-Millimeter-Reifen, wer öfters auf Schotter abbiegt, schöpft das Maximum aus.

Die Technik: Das leichte Carbon als Rahmenmaterial ist in der Preisklasse nicht zu haben. So rollt das Contend AR 2 mit einem Aluminiumrahmen und unterbietet die 10-Kilo-Marke um 100 Gramm gerade so. Geschaltet wird mit Komponenten der Tiagra-Gruppe, der Shimano «ambitionierte Einsteiger-Performance» zuspricht, mit anderen Worten: Es gibt Besseres wie die 105er-Gruppe, aber auch Schlechteres wie die Claris-Gruppe. Die Frage ist, ob ein Einsteiger die Vorteile von oft mehreren Hundert Euro teureren und ein paar Gramm leichteren Komponenten braucht und nutzen kann.

Eine Besonderheit ist die hauseigene Felgen-Reifen-Kombination von Giant. Die Gummis werden ohne Schläuche ausgeliefert - keine Selbstverständlichkeit in der Liga der Allrounder. Das bringt zum einen Gewichtsvorteile (laut Kessing rund 50 Gramm pro Laufrad) und verringert den Rollwiderstand der Karkasse. Andererseits muss alle paar Monate recht teure Dichtmilch nachgefüllt werden, um schleichenden Platten vorzubeugen.

Doch die Pannensicherheit dieser Lösung sei groß, sagt Kessing. Wenn der Reifen etwa auf dem Weg ins Büro oder zum Einkaufen einen kleinen Durchstich erleide, sei das «kein Problem mehr». Die Dichtmilch schließe die Stelle schnell wieder. Damit man einen Plattfuß erleidet, brauche es zum Beispiel schon eine größere Scherbe.

Der Fahreindruck: Unterwegs auf glatter Fahrbahn rollt das Giant geschmeidig ab - dank der Schlauchlosreifen. Der Rahmen fühlt sich steif an und vermittelt einen stabilen Eindruck - was zum einen am Werkstoff Aluminium liegt. Aber auch die Rahmengeometrie mit dem nach hinten abfallenden Oberrohr (Sloping-Geometrie), die die Rohrkonstruktion kompakter und stabiler macht, wirkt der Verwindung des Rahmens entgegen.

Aufgrund des recht flachen Lenkwinkels von 72,5 Grad fährt sich das Rad auch weniger nervös. Dieses feine Plus an Laufruhe und Spurtreue besitzen ambitioniertere Rennräder eher nicht. Dafür sind die wendiger und bieten eine bessere Kraftausbeute. Auf Schotter fährt sich das Rad tatsächlich weniger hart, aber durchgerüttelt wird man trotzdem - es ist immer noch ein Rennrad ohne explizite Federelemente.

Dass man mit dem Contend AR 2 auch innerhalb des Segments Rennrad Kompromisse eingeht, bemerkt man am schnellsten bei den Komponenten. Die 105er-Schaltung arbeitet präziser als die verbaute Tiagra; diese bietet mit zehn statt elf Ritzeln auch eines weniger in der Kassette und damit die etwas gröbere Abstufung.

Bei den Bremsen am Testrad handelt es sich um Scheibenbremsen, die gegenüber Nässe unempfindliche sind. Allerdings um die mechanische Variante, die gegenüber hydraulischen Lösungen für gleiche Bremsleistung mehr Kraft in den Fingern erfordert und sich nicht so gut dosieren lässt. Am Giant mit 160-Millimeter-Bremsscheiben vorn wie hinten ist dieser Effekt deutlich zu spüren.

Ausstattung, Zubehör, Peripherie: Ein digitales Ökosystem baut das Einsteiger-Rennrad um sich herum nicht auf. Es gibt klassenbedingt schlicht keine Motoren und Sensoren, die sich mit Apps koppeln könnten. Dafür sind am AR 2 Sattelstütze und Gabel aus Carbon.

Gegenüber dem härteren Aluminium steigert der vergleichsweise flexible, aber teurere Verbundwerkstoff den Fahrkomfort. Die Stütze mit ihrem speziellen D-förmigen Profil biete «Flex» von bis zu 15 Millimetern nach hinten, sagt Kessing. So gerüstet fahre sich das Bike «nicht so bockhart» wie mit einer starren Alu-Stütze, aber ansatzweise so nachgiebig wie eine schwerere Parallelogramm-Sattelstütze.

Die Alltagstauglichkeit steigern auch die Anbaupunkte an den Rahmenrohren. An denen Schutzbleche, ein Schloss oder eine Rahmentasche montiert werden könnten - die man aber extra kaufen muss. Um diesen Anspruch zu unterstreichen, legt Giant einen Adapter für die Sattelstütze bei, an dem sich ein optionaler Gepäckträger befestigen lässt. Ebenfalls serienmäßig: eine Klingel.

Der Preis: Das Giant Contend kostet in der gefahrenen Variante AR 2 1249 Euro. Wer 1599 Euro zahlt, bekommt das Contend AR 1, das mit Shimano-105er-Komponenten 9,4 Kilo wiegt. Da auch Giant derzeit von Lieferengpässen betroffen ist, kann es bei Bestellungen zu monatelangen Wartezeiten kommen. Im Handel seien aber noch Räder vorhanden, sagt Kessing.

Das Fazit: Ein Allrounder ist kein Spezialist. Aber wer ein Rennrad sucht, das ihm im Alltag neben der abendlichen Trainingsrunde weitere Möglichkeiten bietet, ist mit dem Giant gut beraten - wegen der Anbauoptionen und den für ein Rennrad ziemlich breiten Reifen, die den Komfort steigern, die pure Renntauglichkeit jedoch schmälern.

© dpa-infocom, dpa:210329-99-15736/3

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