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Update zum Diesel-Skandal. Das passiert gerade

Kaum zu glauben, aber wahr – die Diesel-Affäre feierte im September bereits ihren zweiten Geburtstag. Angestoßen wurden die Turbulenzen nämlich bereits im September 2015 seitens der US-Umweltbehörde. Aktuell ist die Auseinandersetzung um die manipulierten Fahrzeuge auf dem Standpunkt, dass nicht mehr nur die manipulierte Software getauscht werden muss, sondern auch ein Teil der Hardware. In diesem Zusammenhang stehen Überlegungen im Raum, dass womöglich nachträglich SCR-Katalysatoren mit Ad-Blue-Abgasreinigungssystemen verbaut werden müssen. Ob diese Idee inhaltlich und finanziell sinnvoll ist, steht aktuell noch in den Sternen. Was bleibt ist der berechtigte Ärger der Verbraucher, die sich Sorgen machen, dass die Betriebserlaubnis ihrer Dieselfahrzeuge in 2018 erlischt. 

Im Automobilkonzern VW fiel erstmals die manipulierte Software auf. Foto: pixabay.com

Die Automobilindustrie lockt mit Angeboten

Wer die aktuellen Angebote der Automobilindustrie studiert, der fühlt sich an die Abwrackprämie erinnert, die vor einigen Jahren dafür gesorgt hat, dass der Verkauf von Neuwagen und Jahreswagen mächtig in die Höhe geschnellt ist. Fakt ist: Die Automobilindustrie hat mit schneller Schadensbegrenzung auf den Diesel-Skandal reagiert. Es gibt Wechselprämien für Autos – für all diejenigen, die ihren alten Diesel verkaufen möchten, zudem eine Vielzahl an attraktiven Angeboten für Neuwagen.

Wer als Dieselfahrer Angst hat, zur Umrüstung gezwungen zu werden, der muss sich laut dem Kraftfahrt-Bundesamt nicht sorgen, denn eine zwingende Hardware-Umrüstung kann niemand veranlassen. Der Grund: Unzulässige Abschalteinrichtungen wurden widerrechtlich eingebaut und ungenehmigt in Umlauf gebracht. Eine Betriebserlaubnis fehlt allerdings. Soweit die Erklärung von Prof. Dr. Marco Rogert, Rechtsanwalt und Wirtschaftsjurist sowie Dozent an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM), gegenüber dem Focus. Sein juristischer Rat lautet so: „Rückabwicklung des Kaufvertrages bzw. Schadenersatz geltend machen; gerichtet auf Ankauf des Fahrzeugs durch den Händler / Hersteller. Dies gilt für alle Fahrzeuge, bei denen Nachrüstungen angeordnet werden. Ansonsten bleibt man auf dem galoppierenden Wertverlust sitzen, darf sich auf Fahrverbote einrichten und bleibt sozusagen in der Erpressungssituation stecken.“ Diverse Rechtsstreitigkeiten, die aktuell vor Gericht verhandelt werden, zeigen an, dass sich Verbraucher durchaus gegen den Wertverlust wehren können, der ihnen bzw. ihren Diesel-Fahrzeugen widerfahren ist.

Ein Effekt des Diesel-Skandals ist die Verunsicherung der Verbraucher, die ein Dieselfahrzeug fahren. Müssen sie künftig auf Bus und Bahn umsteigen, wenn sie in die Innenstadt wollen - oder müssen sie gar für die Umrüstung einer Hardware selbst aufkommen? Foto: pixabay.com

Rückblick: Die Chronologie des Skandals

Die aktuelle Entwicklung ist nur ein Teil des Krimis, denn bereits die Chronologie des Skandals liest sich wie ein trauriger Bestseller.

2015: Der Skandal kommt ans Licht

Im September 2015 beherrschte nur eine Schlagzeile die Medien: VW habe eine unzulässige Software eingesetzt, um Abgaswerte von Dieselautos zu manipulieren. Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, tritt zurück. Es folgen Razzien bei VW. Das Kraftfahrt-Bundesamt zwingt den Automobilhersteller dazu, alle Dieselfahrzeuge zurückzurufen, die mit der Software ausgestattet sind. Die Ausmaße in Zahlen: Der Rückruf traf deutschlandweit 2,5 Millionen Fahrzeuge. Ende des Jahres steht der Vorwurf im Raum, der Zulieferer Bosch sei Teil der Verschwörung.

2016: Das Jahr der Verluste

Das Fazit ist ein finanzielles Desaster: 1,6 Milliarden Euro Verlust macht der VW-Konzern im Jahr 2015. Auch Aktionärsklagen gegen VW stehen im Raum. Vor einem US-amerikanischen Gericht wird außerdem auf eine Entschädigung in Höhe von 16 Milliarden Dollar plädiert – für Händler, Behörden und Kunden. Die EU-Kommission schaltet sich ein. Der Vorwurf: Deutschland habe gegen europäisches Recht verstoßen.

2017: Wer zahlt an wen?

4,3 Milliarden Euro – so hoch fällt die Vergleichssumme zwischen dem US-Justizministerium und dem Automobilhersteller VW vor. Im März 2017 dann der zweite Schlag: Bei VW-Tochter Audi werden Untersuchungen eingeleitet. Bereits im Mai wird bekannt, dass auch Audi die unzulässige Software verwendet hat. Im Mai 2017 spricht ein US-Richter diese Strafe aus: 1,2 Milliarden Dollar muss VW an die Halter zahlen. Bosch, der die manipulierte Software bereitgestellt haben soll, soll 327,5 Millionen an die USA bezahlen, um die Privatkläger auszahlen zu können. Mehrere Standorte des Automobilkonzerns Daimler werden in Deutschland durchsucht. Auch Porsche (ebenfalls eine VW-Tochter) steht im Visier der Staatsanwaltschaft. Auch hier erhärtet sich der Verdacht, sodass seitens des Bundesverkehrsministers ein Zulassungsverbot für den Porsche Cayenne mit 3,0-Liter-Dieselmotor verhängt wird. Im August wird ein VW-Ingenieur von einem Gericht in den USA verurteilt: 40 Monate Gefängnis und eine Geldstrafe von 200.000 Dollar.

Ebenfalls im August findet ein Gipfeltreffen in Berlin statt, das gleich mehrere Ziele hatte:

-        Das Fahrverbot für Pkws mit Dieselantrieb in Städten wie beispielsweise Münster sollte verhindert werden.

-        Fahrzeuge mit Euro-5- und Euro-6-Diesel-Motoren sollen mithilfe einer geänderten Motor-Software sauberer werden.  5,3 Millionen Autos werden nachgerüstet.

-        Wer ein Dieselfahrzeug mit Euro-4-Norm oder ein noch älteres Gefährt nutzt, soll mit Prämien animiert werden, ein Dieselfahrzeug der neusten Generation zu fahren oder gar auf ein E-Auto umzusteigen.

Die letzten Jahre haben viel Aufruhr für die Autobranche gebracht und einen wichtigen Hinweis in Richtung Wende gegeben. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, was 2018 bringen wird.

Abbildung 1: pixabay.com © scottyuk30 (Creative Commons CC0)

Abbildung 2: pixabay.com © webandi (Creative Commons CC0)

Abbildung 3: pixabay.com © geralt (Creative Commons CC0)

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