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Klappe, die Vierte

Sind Falt-Telefone endlich ausgereift?

Berlin (dpa/tmn)

Die ersten faltbaren Smartphones wurden Anfang 2019 vorgestellt. Die Modelle damals waren aber noch sehr empfindlich und teuer. Wie praxistauglich ist die neueste Generation?

Von Christoph Dernbach, dpa

Klapp- und Falt-Trio: Das Motorola Razr 2022, das Samsung Galaxy Z Flip 4 und das Samsung Galaxy Z Fold 4 (von links nach rechts). Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Die Grundidee der Smartphones zum Zusammenfalten ist bestechend: Sie bieten eine große Bildschirmfläche, obwohl das Gerät selbst kompakt ist und gut in die Hosentasche passt.

Als Samsung und Huawei 2019 mit den ersten faltbaren Smartphones auf den Markt kamen, zeigten sich aber auch schnell die Nachteile: Der Faltmechanismus erwies sich als eine große Schwachstelle. Scharniere und andere bewegliche Teile konnten leicht beschädigt werden.

Inzwischen gibt es die vierte Generation Klapp- und Falt-Geräte. Bei ihnen sollen die Kinderkrankheiten überwunden sein, versprechen die Hersteller. Wir haben mit drei Modellen einen Praxistest unternommen, um zu überprüfen, wie gut man im Alltag mit einem Smartphone zum Falten oder Zusammenklappen zurechtkommt und ob sich der Premiumpreis für die sogenannten Foldables lohnt.

Drei Kandidaten auf dem Prüfstand

Getestet haben wir die Klapp-Smartphones Samsung Galaxy Z Flip 4 und Motorola Razr 2022. Beides sind Clamshell-Modelle, die horizontal gefaltet werden und aufgeklappt normale Smartphone-Größe haben.

Auf dem Prüfstand stand mit dem Samsung Galaxy Z Fold 4 zudem ein Gerät im Booklet-Format: Aufgeklappt wie ein Buch vergrößert sich die Fläche vom üblichen Smartphone-Display fast auf Tablet-Format.

Für alle Kandidaten gilt: Um die mechanische Stabilität des Scharniers muss man sich keine großen Gedanken mehr machen. Anders als bei den Klapp-Geräten der ersten Generation ist die komplizierte Mechanik nicht mehr fragil, sondern in stabile Metallrahmen eingefasst. Die Display-Faltkante ist zwar deutlich sichtbar, nach einiger Zeit nimmt man sie bei aktivem Display aber nicht mehr wahr.

Samsung zumindest ist sich offenbar auch sicher, dass weder Staub noch Wasser seinen beiden Faltgeräten etwas anhaben kann. Sie verfügen nämlich über eine IPX8-Zertifierung, was bedeutet: sie bleiben in einer Wassertiefe von zwei Metern dicht.

Tauchgang oder Regenschauer?

Motorola gibt dagegen seinem neuen Razr nur eine IP52-Zertifizierung mit auf den Weg. Das heißt: einen Regenschauer wird es überstehen. Ins Wasser fallen lassen sollte man das Razr 2022 dagegen nicht.

Dafür kann das Razr 2022 bei der Optik punkten: Samsung ist es nämlich weder beim Flip 4 noch beim Fold 4 gelungen, den keilförmigen Spalt loszuwerden, der entsteht, wenn man die Foldables zusammenklappt. Das bekommen auch Huawei oder Oppo bei ihren Falt-Smartphones unauffälliger hin. Aber diese Geräte sind aber in Europa ohnehin nur schwer zu bekommen.

Im direkten Vergleich der Klapp-Smartphones kann sich das Razr 2022 mit dem größeren Außendisplay ein wenig vom Flip 4 absetzen. Beim Samsung-Gerät fällt der kleine Touchscreen mit 1,9 Zoll Bildschirm-Diagonale und 260 mal 512 Pixeln doch sehr mini aus. Das Motorola ist dagegen 2,7 Zoll groß und bietet 800 mal 573 Pixel.

Praktisch sind die kleineren Außendisplays aber bei beiden Geräten: Sie zeigen eingehende Anrufe und Nachrichten sowie die Uhrzeit und Ladezustand an. Und man auf die wichtigsten Funktionen des Smartphones zugreifen und beispielsweise Anrufe starten oder Smart-Home-Geräte steuern, ohne die Smartphones aufklappen zu müssen. Leider sind beide Außendisplays ein Magnet für Fingerabdrücke.

Keine Spitzenkameras bei den Klapp-Telefonen

Wer auf der Suche nach dem besten Smartphone zum Fotografieren ist, sollte sich nicht unbedingt ein Razr 2022 oder Flip 4 zulegen. Sie produzieren zwar bei guten Lichtverhältnissen ansehenswerte Bilder. Sobald es aber dunkler wird, können sie mit der Spitzklasse nicht mehr mithalten.

Das größere Fold 4 von Samsung verfügt hinten über drei Linsen (Hauptkamera, Ultraweitwinkel und Dreifach-Tele). Dazu kommen jeweils eine Linse auf dem Außendisplay und eine Selfie-Knipse innen. Die Selfie-Kamera ist mit einer bescheidenen Auflösung von maximal 4 Megapixeln (MP) Auflösung technisch gesehen nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die Selfies der Frontdisplay-Kamera sehen besser aus.

Die Hauptkamera des Fold vier nimmt sehr ansehnliche Bilder mit bis zu 50 MP auf. Hier überzeugen vor allem Bilddynamik, Schärfe und Details. Wem die Samsung-typischen, sehr bunten Aufnahmen zu knallig ausfallen, kann dies später per Bildbearbeitungssoftware zurückdrehen. Mit einem dreifachen optischen Zoom spielt das Fold bei Teleaufnahmen immerhin in der Klasse des neuen iPhone 14.

Fazit: Die faltbaren Geräte von Samsung und Motorola haben ihre Kinderkrankheiten überwunden. Auch wenn sie keinen harten Outdoor-Einsatz überstehen würden: Man muss sie nicht mehr wie rohe Eier behandeln, sondern kann sie im Alltag als vollwertige Smartphones verwenden.

Beim Flip 4 und beim Razr 2022 überzeugt das handliche Format. Man muss aber leichte Abstriche bei den verbauten Kameras machen. Aber die beste Kamera ist ohnehin diejenige, die man im richtigen Moment dabeihat. Und mit dem ultrakompakten Formfaktor finden die beiden Klapphandys in jeder noch so engen Tasche Platz.

Beim Galaxy Fold 4 gefällt das riesige Display. Sowohl beim Arbeitstempo als auch bei der Qualität der Kameras gibt es nichts zu meckern. Zusammengeklappt trägt es allerdings ganz schön auf und passt dann nicht mehr in eine enge Hosentasche.

Dass weder die beiden Samsung-Faltgeräte noch das Razr 2022 von Motorola an der Spitze der Verkaufs-Hitparaden stehen, ist aber vermutlich vor allem der Tatsache geschuldet, dass sie deutlich teurer sind als nicht-faltbare Geräte.

Das größte Loch in die Kasse reißt das Galaxy Z Fold 4, das je nach Speicherausstattung zwischen knapp 1800 Euro (256 GB) und 2160 Euro (1 TB) kostet. Auch das Galaxy Z Flip 4 kostet zischen knapp 1100 Euro (128 GB) und 1280 Euro (512 GB). Das Motorola Razr ist mit 256 GB Speicher für knapp 1200 Euro zu haben.

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