100 Euro Verhandlungsbasis

Zehn Jahre Ebay-Kleinanzeigen

Vor zehn Jahren ging die Marke Ebay-Kleinanzeigen online. Jede Minute werden inzwischen rund 500 neue Inserate auf dem Portal geschaltet - nicht selten kuriose. Neu war die Idee schon damals nicht.

dpa

2014 sorgte der Verkauf des Segelschiffs «Alexander von Humboldt» auf Ebay-Kleinazeigen für Aufregung. Foto: Julian Stratenschulte

Berlin (dpa) - Wer sein altes Fahrrad, den abgenutztenKüchenschrank, oder den überholten Staubsauger loswerden will, hattees selten so leicht wie heute: Schnell ein paar Fotos mit derHandykamera gemacht und in wenigen Minuten das Angebot onlinegestellt.

Geht alles gut, ist man schon wenig später um ein paar Euround etwas Platz in der Wohnung reicher. Für Millionen Menschen istfür solche Transaktionen das Internetportal Ebay-Kleinanzeigen dieerste Anlaufstelle. Die Marke feiert nun zwar ihr zehnjährigesBestehen. Doch eigentlich ist das Angebot des Ebay-Konzerns deutlichälter.

30 Millionen Nutzer monatlich

2009 ging das Kleinanzeigen-Portal aus dem bestehenden Online-AngebotKijiji hervor, das es in anderen europäischen Ländern nach wie vorgibt, und damals schon zu den größten Kleinanzeigen-Plattformenin Deutschland gehörte. Unter dem Namen Ebay-Kleinanzeigen ist dasGeschäft stetig weiter gewachsen. «In seinen ersten Monaten zählteder Online-Kleinanzeigenmarkt durchschnittlich acht MillionenBesucher pro Monat», teilt das Unternehmen mit. «Bis 2018 stieg dieZahl der Nutzer auf durchschnittlich 30 Millionen pro Monat.» JedeMinute veröffentlichen sie demnach rund 500 neue Anzeigen - diemeisten davon in den drei größten Städten Deutschlands.

Dass sich das Geschäft mit Kleinanzeigen zunehmend im Internetabspielen würde, hatten schon lange vor 2009 nicht nur Ebay, sondernauch zahlreiche Verlage erkannt. Print-Anzeigenblätter wie Avis, derheiße Draht oder Quoka hatten beim Antritt von Ebay-Kleinanzeigenschon längst ihre eigenen Online-Portale. Private Kleinanzeigen imPrint lagen damals schon auf niedrigem Niveau und sind in denvergangenen zehn Jahren laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger(BDZV) noch einmal um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Online spielt die Anzeigen-Musik

«Um im Wettbewerb mit Online-only-Anbietern bestehen zu können,kooperieren zahlreiche Verlage im Rubrikengeschäft», sagtBDZV-Sprecherin Anja Pasquay. Doch online spielt die eigentlicheMusik. «Nahezu jeder Zeitungsverlag in Deutschland hat im Internetentsprechende Angebote», sagt sie mit Blick auf die aktuelle Lage.Dazu gehören auch auf bestimmte Nischen spezialisierte Portale wiedie Job-Anzeigen-Plattform Stepstone oder das ImmobilienportalImmowelt.

An Ebays Reichweite gelangt allerdings keiner von ihnen - zumindest,was den allgemeinen Markt mit Kleinanzeigen angeht. Das zur Hälftedem Verlag der Rheinischen Post und der Ippen Mediengruppe gehörendePortal markt.de kam zuletzt nach Angaben desOnline-Forschungsunternehmens Agof mit monatlich im Schnitt knappzwei Millionen Besuchern lediglich auf einen Bruchteil.

Kuriose Inserate

Das mag auch daran liegen, dass Ebay-Kleinanzeigen immer wieder beibesonders kuriosen Inseraten Aufmerksamkeit bekommt: Schon im Jahr2011 löste eine Kleinanzeige Aufregung aus, in der jemand zwei Babysaus Nordrhein-Westfalen zur Adoption angeboten hatte. Kürzlichkritisierte der Deutsche Tierschutzbund den Handel mit lebendenTieren auf der Plattform. «Die Online-Plattform ermöglicht unseriöseVerkäufe ebenso wie nicht sachkundige Spontankäufe, die das Tierwohlmassiv gefährden», warf der Verband dem Konzern vor.

Der wiederum erinnert lieber an das Angebot des Dreimastseglers«Alexander von Humboldt», das vor allem aus der Werbung der BiermarkeBeck's bekannt war und für 750.000 Euro zum Verkauf stand; oder an2,2 Millionen Klicks, die ein Anbieter bekam, der seinen alten VW als«Dreckskarre» anpries. Auch ein Waggon der Wuppertaler Schwebebahnstand schon zum Verkauf. Da wirkt es schon fast langweilig, wenn esweiter von Ebay heißt: «Am häufigsten wird Kleidung angeboten.»

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