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Umweltschutz

Mühsam, aber wirkungsvoll: Nachhaltig leben als Familie

Als Familie mehr für die Umwelt tun – im Alltag zwischen Job und Kindern geht das schnell unter. Aber manchmal funktioniert Nachhaltigkeit ganz einfach. Kleine Veränderungen können viel bewirken. Gerade wenn Familien an gewissen Stellschrauben drehen.

Ann-Kathrin Marr

Familien konsumieren viele Lebensmittel.Indem sie Großpackungen einkaufen, können sie Müll vermeiden. Auch über Bioprodukte und Regionales setzen sie ein Zeichen für Nachhaltigkeit. dpa-tmn

Weniger Auto fahren, anders einkaufen oder Müll vermeiden: „Wer sich im Alltag umweltfreundlich verhält, der bewirkt immer etwas“, sagt Christine Wenzl, Expertin für Nachhaltigkeit beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn das eigene Verhalten kann andere auf neue Ideen bringen und dazu führen, dass Umweltbewusstsein normaler wird. Wenn die Kinder begeistert von der Wald-Rallye oder einer Fahrradtour erzählen, erfahren auch die Freunde, wie viel Spaß das machen kann.

Oft sind es kleine Veränderungen, die ökologisch einen großen Effekt haben. „Unser Fleischkonsum und Fernflüge sind solche Big Points“, sagt Wenzl und bezieht sich dabei auf Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) zur Menge klimaschädlicher Gase, die jeder durchschnittlich verursacht. Allein 23 Prozent davon gehen auf das Konto unserer Mobilität – vor allem Autoverkehr und Flugreisen. Fährt eine vierköpfige Familie mit der Bahn in den Urlaub, statt zu fliegen oder Auto zu fahren, fällt das also ins Gewicht.

Auch die Gesundheit profitiert

Die Ernährung schlägt laut Umweltbundesamt mit 13 Prozent der klimaschädlichen Gase pro Kopf zu Buche. Getreide, Obst und Gemüse belasten die Umwelt weniger als Fleisch und Milchprodukte. Am besten sind Bioprodukte aus der Region. Tatsächlich essen die Deutschen aber viel zu viel Fleisch, nämlich jährlich mehr als 60 Kilogramm pro Person. Das ist doppelt so viel wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Wer Würstchen öfter mal durch Gemüseburger ersetzt und nur noch einmal wöchentlich Fleisch auf den Tisch bringt, lebt also auch gesünder.

Spielend leicht Emissionen gespart: Mit dem Rad zum Zoo zu fahren, spart Energie und macht Spaß. Foto: colourbox

Generell sind Familien in Sachen Klimaschutz sogar im Vorteil, nachhaltiger zu leben als beispielsweise Singles – durch ihre Personenzahl. „Familien stehen in Bezug auf die Pro-Kopf-Verbräuche meist besser da“, erklärt Dr. Michael Bilharz vom Umweltbundesamt. Als kleine Gemeinschaft teilen sie vieles, haben pro Kopf ein geringes Einkommen und damit weniger Möglichkeiten zum Konsum. Und sie teilen sich Wohnraum. Vorbildliche Maßnahmen.

Konsum reflektieren

Als Familie keinen Müll mehr zu verursachen, das klingt allerdings utopisch. Stefanie Rassow-Kießling hat es ausprobiert und das Projekt „zerowaste“ gestartet. Ein Jahr lang wollte sie zusammen mit ihrem Mann und den zwei Kindern möglichst müllfrei leben. Seitdem kauft sie anders ein und stellt vieles selbst her. Statt in Plastik verpackte Kekse gibt es Selbstgebackenes und Gummibärchen aus der Großpackung. Obst, Gemüse und Brot landen beim Einkaufen nicht mehr in der Tüte, sondern im Stoffbeutel, und der Käse direkt in der mitgebrachten Dose.

Selber gärtnern liegt voll im Trend - gerade bei Familien. Ein Nebeneffekt: gemeinsame Zeit. Foto: colourbox

Heute, vier Jahre später, sind die Kießlings zu fünft und ihr jährlicher Restmüll passt in eine 40-Liter-Tonne. Trotz kleinem Budget sind sie während des „zerowaste“-Projekts auf Biolebensmittel umgestiegen. Weil sie zusammen mit anderen Familien Großpackungen kaufen, ist das bezahlbar. Außerdem hat die Familie gemerkt, dass vieles, was vorher im Einkaufswagen landete, schlicht überflüssig ist. „Wir sparen wahnsinnig viel Müll und auch Geld, indem wir weniger konsumieren, also Dinge einfach nicht kaufen“, sagt Stefanie Rassow-Kießling.

Christine Wenzl

Genauer hinzuschauen, was man wirklich braucht, dafür plädiert auch Daniel Fischer, der als Professor für Nachhaltigkeit und Bildung an der Arizona State University lehrt. „Wir sollten herausfinden, auf welche Weise sich unsere Bedürfnisse besser befriedigen lassen als über Konsum“, so Fischer. Ein gemeinsamer Ausflug beispielsweise kann für Kinder wertvoller sein als teures Spielzeug. Kleine Aktionen im Alltag, wie zusammen Obst zu ernten und daraus Apfelmus oder Marmelade zu kochen, machen ebenfalls Spaß. Spielzeug gibt es auch gebraucht in guter Qualität, zum Beispiel auf dem Flohmarkt oder auf Tauschpartys.

Nachhaltig sparen (dpa)

Mit dem Bankkonto die Welt ein Stück besser machen – und für den Nachwuchs etwas Geld zurücklegen: Diese Hoffnung wecken nachhaltige oder ökologische Banken. In ihrem Angebot unterscheiden sich solche Institute kaum von anderen Banken, erklärt die Verbraucherzentrale Bremen. Auch sie bieten in der Regel Girokonten oder Sparanlagen an und vergeben Konsumentenkredite. Allerdings schließen nachhaltige Banken Geschäfte mit bestimmten Unternehmen aus, etwa mit Waffenproduzenten. Wichtig zu beachten: Die Kriterien sind dabei von Institut zu Institut unterschiedlich, erklären die Verbraucherschützer. Zwar haben 14 Banken in Deutschland für ihre Eigenanlagen und die Kreditvergabe ethisch-ökologische Kriterien, darunter acht Kreditinstitute mit kirchlichen Wurzeln. Nur sieben davon schließen aber Investitionen in fossile Energieträger konsequent aus. Und für zwei Banken ist die Atomindustrie kein Ausschlusskriterium. Kunden sollten prüfen, ob die angewendeten Kriterien auch ihren eigenen Vorstellungen entsprechen.

Leihen statt kaufen

Leihen statt kaufen, das ist umweltfreundlich und außerdem günstig. Inzwischen funktioniert es in vielen Lebensbereichen – auch bei Kleidung. Mehrere Anbieter vermieten zum Beispiel Kinderkleidung über das Internet, einer davon ist „Räubersachen“. Das Team um Gründerin Astrid Bredereck will mit in Europa gefertigter Ökokleidung ein Gegengewicht zur Jagd nach dem nächsten Schnäppchen schaffen. Zwölf Kilo Kleidung kauft jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Die „Räubersachen“ dagegen sollen so oft wie möglich getragen werden. „Darum werden sie bei uns sorgfältig repariert und gepflegt“, sagt Bredereck.

Stefanie Rassow-Kießling

Für die Kunden spart das Klamottenleihen nicht nur Geld, sondern auch noch Platz im Kleiderschrank. Vergleichbare Konzepte gibt es auch für das Mieten von Spielzeug oder Kinderausstattung. Das Prinzip ist immer gleich – und einleuchtend: Der Klötzchen-Bausatz, die Lauflernhilfe, das Reisebettchen oder der Kinderwagen gehören nur so lange zum Haushalt, wie sie auch gebraucht werden. Danach gehen sie wieder zurück – und in neue Hände.

Erscheint es auch erst mühsam, eingespielte Verhaltensweisen zu ändern, ist es langfristig oft bereichernd. „Umweltschutz kann das Leben auch einfacher machen“, sagt Wenzl. Ist das Kinderzimmer nicht so überfüllt, geht es zum Beispiel auch mit dem Aufräumen schneller.

Foto: Umweltbundesamt
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