Familie

Was kostet ein Kind?

Eine Familie zu gründen, sei teuer, heißt es. Oftmals wird diese Aussage dazu bemüht, um zu erklären, warum es in Deutschland eher weniger Großfamilien gibt. 

Aschendorff Medien

Bis zum Schuleintritt kostet ein Kind im Schnitt 519 Euro monatlich, was in Summe 37.200 Euro vom ersten Lebenstag bis zum sechsten Lebensjahr bedeuten könnte. Was nicht in diesem Betrag enthalten ist, sind die Kosten für die Erstausstattung sowie etwaige Betreuungskosten. Foto: pixabay.com © smpratt90

Das Statistische Bundesamt erklärt auf destatis.de, dass jede Frau in Deutschland im Schnitt 1,57 Kinder bekommt. Das heißt also, es gibt kinderreichere Familien und jene, die weniger Nachwuchs bekommen.

In NRW kommen heute mehr Babys auf die Welt

Im Bundesland Nordrhein-Westfalen kamen im Jahr 2019 über 170.400 Babys auf die Welt. Statistische betrachtet scheint es hier einen Aufwärtstrend zu geben. Die wenigsten Babys kamen zwischen 2010 und 2013 auf die Welt, mittlerweile steigt die Kurve wieder an. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 kamen in NRW 143.097 Babys auf die Welt, im Jahr 2012 waren es 145.755, im Jahr 2013 waren es 146.417. Am deutlichsten wird der Aufwärtstrend dann im Jahr 2014, in dem 155.102 Babys allein in NRW auf die Welt kamen.

Was bedeutet aber der Aufwärtstrend? Schwinden die Sorgen, sich ein Baby „leisten“ zu können? Vielleicht verschwinden sie nicht komplett aus den Köpfen junger Familien, wohl aber lässt das statistische Alter der Mütter bei der ersten Geburt ihres Kindes vermuten (Mütter sind im Schnitt 30 Jahre alt), dass viele Paare mit der Familiengründung warten und zunächst auf einen sicheren Job bauen, der ihnen auch über die Familienzeit hinweg Einnahmen beschert. Doch was kostet eigentlich ein Kind?

Dafür fallen 18 Jahre lang Kosten an

Was Babys und Kleinkinder brauchen, weiß Nadine Scheiner von moms.de. Online zeigt sie, was in der Schwangerschaft für Mutter und Kind, für Babys bis zum ersten Geburtstag, für Kleinkinder bis zum Schuleintritt und auch danach angeschafft werden kann und soll. Klar ist, dass jede Anschaffung etwas kostet. In Summe geht das Statistische Bundesamt davon aus, dass ein Kind bis zum 18. Geburtstag 126.000 Euro kosten könnte. Natürlich variieren die Kosten je nach Altersgruppe und auch danach, wie der Bedarf des Kindes ist bzw., was die Eltern sich für ihr Kind leisten wollen und können. Wie hoch die Kosten jedoch ausfallen, verrät die folgende Übersicht:

  • Kosten von null bis sechs Jahre. Bis zum sechsten Lebensjahr kostet ein Kind im Schnitt 519 Euro monatlich, 6.200 Euro jährlich und damit in Summe 37.200 Euro in den ersten sechs Lebensjahren. Allerdings beinhaltet dieser Betrag nur die laufend anfallenden Kosten für Kleidung, Unterkunft, Spielzeug, Windeln und Verpflegung. Die berühmt-berüchtigte Erstausstattung, also das, was ein Baby erstmals braucht, wenn es bei Mama und Papa einzieht, sowie die Betreuungskosten, die anfallen, wurden in diesem Betrag nicht berücksichtigt, da sie höchst unterschiedlich ausfallen. Schätzungen zufolge könnte sich die Erstausstattung auf 1.500 bis 5.000 Euro belaufen – je nachdem, ob Neues oder Gebrauchtes gekauft wird. Eltern können sich an dieser Stelle auch viel Geld sparen, wenn sie nicht jedem noch so verlockenden Angebot nachgeben, sondern abwägen, was wirklich nötig ist. In puncto Kinderbetreuung ist vor allem die Zeit ausschlaggebend, die Kinder sich in der Kindertagesstätte befinden und wie alt die Kinder sind. Ein Krippenplatz kann monatlich 400 Euro und mehr kosten; ein Kindergartenplatz könnte mit 300 Euro zu Buche schlagen.
Von sechs bis zwölf Jahren steigen die Kosten auf monatlich durchschnittlich 604 Euro und könnten so für die Jahre 6 bis 12 43.200 Euro an Kosten bedeuten. Auch hier kann mehr ausgegeben werden, beispielsweise wenn teure Hobbys ausgeübt werden. Foto: pixabay.com © ponce_photography
  • Kosten von sechs bis zwölf Jahre. Wer geglaubt hat, dass ein Kind im Alter „günstiger“ wird, weil es keine Windeln mehr braucht, der irrt sich. Die 519 Euro, die ein Kind bis zum Schuleintritt kostet, liegen auch deswegen unter dem Wert, den ein Grundschüler kostet, weil gerade Eltern von Babys noch viele Geschenke erhalten und in jungen Jahren noch viel Baby-Equipment unter Verwandten und Freunden getauscht wird. Zwischen sechs und zwölf Jahren schlägt ein Kind statistisch betrachtet mit 604 Euro pro Monat zu Buche, 7.200 Euro jährlich und damit in Summe 43.200 Euro in diesen sechs Lebensjahren. Teuer wird nicht etwa die Grundverpflegung in Form von Essen, Bekleidung und Hygieneartikeln. Stattdessen steigen die Kosten für Urlaube, Betreuung und Hobbys. Und auch die Wünsche werden nicht kleiner, sondern häufig technischer und damit auch teurer.
Ein Teenager-Leben wird nochmal teurer. Statistisch betrachtet investieren Eltern dann 700 Euro monatlich in den Nachwuchs, der teurere Freizeitaktivitäten pflegt und immer angesagte Klamotten braucht. Foto: pixabay.com © natureaddict
  • Kosten von zwölf bis 18 Jahren. Die meisten erahnen es schon: Die monatlich anfallenden Kosten für ein Kind im Teenageralter steigen nochmal – und zwar auf monatlich 700 Euro, was in Summe heißt 8.400 Euro jährlich und 50.400 Euro für diese sechs Lebensjahre. In diesen sechs Lebensjahren leidet vor allem der Haushaltsgeldbeutel, denn die Kinder verändern sich körperlich sehr, werden zu jungen Erwachsenen und brauchen mehr Essen. Auch im Kleiderschrank findet häufig ein Wechsel statt, nicht etwa weil die Kleidung zu klein wird, sondern weil sie natürlich angesagt und cool sein muss. Hinzu kommen das Taschengeld sowie Freizeitaktivitäten, die mit zunehmendem Alter ebenfalls teurer werden. Eine Orientierungshilfe, wie viel Taschengeld in welchem Alter empfohlen wird, zeigt diese Tabelle unter taschengeldtabelle.org.

Natürlich endet das „Investment“ in Kinder nicht pünktlich zum 18. Geburtstag. Allerdings wird es anschließend fast unmöglich zu schätzen, schließlich variieren die Lebensbedingungen nun noch stärker. Während junge Menschen, die eine Ausbildung oder ein Duales Studium absolvieren, bereits ihr eigenes Geld verdienen, werden Studenten häufig noch von ihren Eltern unterstützt.

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