Telefonaktion mit der Deutschen Rentenversicherung Westfalen

Die häufigsten Fragen zur Grundrente

Viele Fragen zur Grundrente: Die Telefonaktion unserer Zeitung mit der Deutschen Rentenversicherung Westfalen stieß auf große Resonanz. Hier die häufigsten Fragen und Antworten:

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Viele Rentner, aber auch Versicherte, die kurz vor dem Renteneintritt stehen, nutzten die Telefonaktion unserer Zeitung, um mehr über ihren Anspruch auf den Grundrentenzuschlag zu erfahren. Foto: IMAGO/Martin Wagner

Grundrente: Große Resonanz auf Telefonaktion

Mehr als 60 Bürgerinnen und Bürger erreichten bei der Telefonaktion am Dienstagnachmittag die Experten der Deutschen Rentenversicherung Westfalen und stellten ihre Fragen zur Grundrente. Da die Beratungen teils sehr umfangreich waren, konnte zu mehr als 150 weiteren Anrufern kein Kontakt mehr hergestellt werden. Viele Rentner, aber auch Versicherte, die kurz vor dem Renteneintritt stehen, nutzten die Gespräche, um mehr über ihren persönlichen Anspruch auf den Grundrentenzuschlag zu erfahren. Dabei informierten die Fachleute vor allem über die allgemeinen Voraussetzungen zum Anspruch auf den Grundrentenzuschlag und den Zeitpunkt der Auszahlung. Die Anrufer freuten sich, dass sie den Grundrentenzuschlag nicht selber beantragen müssen, da die Deutsche Rentenversicherung den Anspruch aller Rentnerinnen und Rentner automatisch prüft.

Die meist gestellten Fragen und die Antworten dazu finden Sie im Folgenden:

Was ist die Grundrente eigentlich?

Die Grundrente ist ein individueller Zuschlag zu Ihrer Rente. Dieser soll eine langjährige Versicherung bei unterdurchschnittlichem Einkommen anerkennen. Das heißt langjährig Versicherte mit einem durchschnittlich versicherten Einkommen von weniger als 80 Prozent des Durchschnittseinkommens können einen individuellen Zuschlag zu ihrer Rente erhalten. Dabei sind noch weitere Voraussetzungen und Einkommensgrenzen zu beachten.

Wie hoch wird der Grundrentenzuschlag sein?

Die Höhe wird anhand der Versicherungsbiographie individuell bestimmt. Die Bundesregierung rechnet im Schnitt mit einem Grundrentenzuschlag in Höhe von monatlich 75 Euro.

Muss ich einen Antrag stellen?

Nein, niemand muss einen Antrag stellen. Ob Sie einen Anspruch auf den Zuschlag zu Ihrer Rente haben, wird von der Rentenversicherung automatisch geprüft. Sie müssen nichts unternehmen.

Wird die Grundrente als eigenständige Leistung gezahlt?

Nein, die Grundrente ist keine eigenständige Leistung, sondern ein Zuschlag zur Rente. Sie wird als Teil der gesetzlichen Rente ausgezahlt.

Ab wann gibt es die Grundrente?

Die Regelung zur Grundrente trat zum 1. Januar 2021 in Kraft. Ausgezahlt wird sie aber später. Die ersten Mitteilungen zur Auszahlung wird es ab Juli geben. Alle Beträge werden nachgezahlt.

Bei welchen Renten gibt es einen Grundrentenzuschlag?

Der Zuschlag kommt für alle gesetzlichen Renten in Betracht. Er wird also für alle Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten, Erziehungsrenten und Hinterbliebenenrenten automatisch geprüft.

Die letzten Renten sollen erst Ende 2022 überprüft werden. Warum dauert das so lange?

Neben dem Aufbau eines Verfahrens zum Datenaustausch mit der Finanzverwaltung, müssen auch knapp 26 Millionen teils sehr alte Versicherungskonten aufwändig geprüft werden.

Wer kann mir zu meinem Grundrentenanspruch verbindliche Auskünfte geben?

Derzeit niemand. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung können zurzeit noch keine Auskünfte zum persönlichen Anspruch oder zur individuellen Höhe geben. Die Arbeiten zur Umsetzung des Grundrentengesetzes laufen auf Hochtouren. Unter www.deutsche-rentenversicherung.de/Grundrente sind weitere Informationen zusammengefasst.

Wer hat einen Anspruch auf Grundrente?

Um den Grundrentenzuschlag in voller Höhe erhalten zu können, müssen mindestens 35 Jahre an sogenannten Grundrentenzeiten vorhanden sein. Die Grundrente startet in einem Übergangsbereich bereits dann, wenn 33 Jahre Grundrentenzeiten vorhanden sind. Der Zuschlag zur Rente fällt dann allerdings geringer aus.

Ich habe noch keinen Bescheid von der Rentenversicherung, kann ich prüfen lassen, ob ich einen Anspruch habe?

Erstmal nicht. Ein Anspruch auf Prüfung des Grundrentenzuschlags besteht frühestens ab dem 1. Januar 2023. Bis dahin werden nach und nach alle Renten zur Prüfung des Grundrentenzuschlags aufgegriffen.

Ich beziehe bereits seit einigen Jahren eine Rente. Bekomme ich auf jeden Fall eine Information, ob ich Anspruch auf Grundrente habe?

Nein, nur Rentnerinnen und Rentner, die Anspruch auf eine Grundrente haben, bekommen darüber einen Bescheid.

Was sind Grundrentenzeiten?

Das sind alle Zeiten, die für die 33 Jahre Mindestversicherungszeit mitzählen, um einen Anspruch auf Grundrente zu haben. Dazu gehören hauptsächlich Pflichtbeitragszeiten aus Berufstätigkeit, Selbständigkeit, für Kindererziehung oder Pflege. Außerdem Zeiten der Leistungen bei Krankheit oder Rehabilitation.

Welche Zeiten zählen bei der Mindestversicherungszeit für die Grundrente nicht mit?

Nicht mitgezählt werden zum Beispiel Zeiten des Bezuges von Arbeitslosengeld I und II sowie Arbeitslosenhilfe, Zeiten der Schulausbildung, Schwangerschaftszeiten, Monate aus einem Versorgungsausgleich oder Rentensplitting, die Zurechnungszeit, also der für die Rente fiktiv verlängerte Versicherungsverlauf zur Erhöhung einer Erwerbsminderungsrente oder einer Rente wegen Todes, sowie freiwillige Beiträge und Minijobs ohne eigene Beitragszahlung.

Welchen Unterschied macht es, ob ich 33 Jahre oder 35 Jahre Grundrentenzeiten erreiche?

Rentnerinnen und Rentner, die mindestens 35 Jahre mit Grundrentenzeiten zurückgelegt haben, erhalten den individuellen Grundrentenzuschlag in voller Höhe. Ab 33 Jahren gibt es den Zuschlag nur reduziert.

Wird Einkommen auf die Grundrente angerechnet?

Ja, auf die Grundrente wird Einkommen angerechnet.

Den vollen Grundrentenzuschlag erhalten Sie bis zu einem monatlichen Einkommen von 1.250 Euro für Alleinstehende und 1.950 Euro bei Ehen oder eingetragenen Lebenspartnerschaften. Wird der jeweilige Freibetrag überschritten, werden 60 Prozent des darüber liegenden Einkommens angerechnet. Bei Einkommen über 1.600 Euro (Paare: 2.300 Euro) wird der über diesem Betrag liegende Teil in voller Höhe angerechnet.

Welches Einkommen wird bei der Grundrente angerechnet?

Bei der Grundrente werden das zu versteuernde Einkommen, der steuerfreie Teil der Rente sowie Kapitalerträge angerechnet. Mit Ausnahme der Kapitalerträge wird das anrechenbare Einkommen automatisch vom Finanzamt an die Deutsche Rentenversicherung gemeldet. Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrages sind von den Rentnerinnen und Rentnern der Deutschen Rentenversicherung mitzuteilen. Die Rentenversicherung kann die Angaben dann überprüfen.

Steuerfreie Einnahmen wie beispielsweise Einnahmen aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit und aus einer pauschal besteuerten geringfügigen Beschäftigung (Minijob) bleiben unberücksichtigt. Nicht berücksichtigt werden zum Beispiel Immobilien und Vermögen. Selbstverständlich wird auch der Zuschlag, also die Grundrente selbst, nicht berücksichtigt.

Fallbeispiel:

Herr Meier arbeitet zusätzlich und hat daher mit seiner Rente und der Beschäftigung insgesamt ein zu berücksichtigendes Einkommen in Höhe von monatlich 1.450 Euro. Aus der Rente ergibt sich zusätzlich dazu ein möglicher Grundrentenzuschlag in Höhe von 214 Euro. Das Einkommen bis 1.250 Euro wird nicht angerechnet. Von dem darüber liegenden Einkommen werden 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Es liegen also 200 Euro oberhalb der Einkommensgrenze, davon 60 Prozent betragen 120 Euro.

Der Zuschlag für die Grundrente von 214 Euro wird um 120 Euro gekürzt. Die Grundrente beträgt somit rund 94 Euro.

Weitere Fallbeispiele unter:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Grundrente/grundrente_fallbeispiele.html

Stimmt es, dass nicht das aktuelle Einkommen entscheidend ist?

Ja, das stimmt. Es wird immer das Einkommen aus dem vorletzten Kalenderjahr berücksichtigt.

Wenn Sie also in 2021 in Rente gehen, entscheidet die Höhe Ihres Einkommens aus dem Jahr 2019, ob ein Zuschlag ausgezahlt wird. Liegen diese Daten nicht vor, übermittelt das Finanzamt Ihr Einkommen aus dem Jahr 2018 - auch wenn Sie damals noch voll beschäftigt waren und entsprechend gut verdient hatten.

Wie erfährt die Rentenversicherung von meinem Einkommen und dem Einkommen meines Ehepartners / Lebenspartners?

Das anrechenbare Einkommen wird vom Finanzamt automatisch an die Deutsche Rentenversicherung gemeldet. Ausgenommen davon sind in der Regel Kapitalerträge oberhalb des Sparerfreibetrages. Berechtigte werden in ihrem Rentenbescheid aufgefordert, ihre Kapitalerträge und die ihres Ehe- oder Lebenspartners mitzuteilen.

Wir sind ein Paar, aber nicht verheiratet, zählt das Einkommen meines Partners auch?

Nein, es wird nur das Partnereinkommen von verheirateten Paaren oder eingetragenen Lebenspartnerschaften berücksichtigt.

Wird die Grundrente auch ins Ausland gezahlt?

Ja. Der Anspruch auf die Grundrente ist nicht an einen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland gebunden. Somit ist auch eine Zahlung ins Ausland möglich.

Was gilt für Zeiten im Ausland? Werden auch diese bei der Mindestversicherungszeit, also den sogenannten Grundrentenzeiten, mitgezählt?

Für die Prüfung der mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten werden auch vergleichbare Zeiten aus Ländern berücksichtigt, für die das EU-Recht gilt oder mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Ausgenommen hiervon sind Zeiten aus den USA und der Türkei.

Der Zuschlag selbst wird aber nur aus deutschen Zeiten berechnet. Zeiten mit geringen Einkommen im Ausland werden also nicht durch den Zuschlag aufgewertet.

Was geschieht mit meinem ausländischen Einkommen? Wird das auch angerechnet?

Ja. Vergleichbare ausländische Einkommen werden angerechnet. Dazu zählen auch Einkommen Ihres Ehe- oder Lebenspartners.

Leben Sie in Deutschland, wird das Finanzamt auch dieses Einkommen automatisch an die Deutsche Rentenversicherung melden. Wenn Sie im Ausland leben, wird das anrechenbare Einkommen nicht vom Finanzamt gemeldet. Die Deutsche Rentenversicherung wird die erforderlichen Angaben zum Einkommen daher bei Ihnen anfordern.

Wie wird die Grundrente berechnet?

Der Zuschlag wird individuell berechnet. Kurz gesagt werden die Entgeltpunkte erhöht, auf deren Basis die Rente errechnet wird.

In einem ersten Schritt wird ermittelt, ob genügend Grundrentenzeiten für einen Anspruch auf Grundrente vorhanden sind. Also mindestens 33 Jahre oder besser noch mindestens 35 Jahre, damit der Zuschlag in voller Höhe ausgezahlt werden kann.

Im zweiten Schritt werden dann aus allen im Rentenkonto gespeicherten Grundrentenzeiten – das können auch mehr als 35 Jahre sein – die Zeiten herausgesucht, in denen mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes versichert wurden. Das können jetzt auch weniger als 33 Jahre sein. Nur aus diesen Zeiten wird ein Zuschlag errechnet. Dazu werden für diese Zeiten die ihnen zugeordneten Entgeltpunkte zusammengerechnet und hieraus ein Durchschnittswert gebildet. Dieser Durchschnittswert wird verdoppelt. Kommt man nach dieser Verdoppelung auf mehr als 0,8 Entgeltpunkte pro Jahr, wird der Wert auf 0,8 begrenzt. Wird begrenzt, beträgt der Wert für den Zuschlag 0,8 Entgeltpunkte minus Durchschnittswert. Danach werden von dem so errechneten Zuschlag noch pauschal 12,5 Prozent abgezogen. So ergibt sich zum Schluss der Jahreswert, der als Zuschlag für höchstens 35 Jahre berechnet, also höchstens mit 35 multipliziert wird. Die Staffelung des Zuschlags bei Grundrentenzeiten von 33 bis 35 Jahren erfolgt über einen Begrenzungswert. Er beträgt bei 33 Jahren 0,4 Entgeltpunkte, also 40 Prozent des Durchschnittsverdienstes und erhöht sich gleichmäßig auf 0,8 Entgeltpunkte, also 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes bei 35 und mehr Jahren.

Fallbeispiel:

Frau Müller hat im Westen 40 Jahre gearbeitet mit jeweils 50 Prozent des Durchschnittslohns. Dieser lag z. B. im Jahr 2020 bei 40 551 Euro. Hieraus ergibt sich eine eigene Rente in Höhe von 683,80 Euro (40 Jahre × 0,5 Entgeltpunkte × 34,19 Euro).

Die durchschnittlichen Entgeltpunkte werden verdoppelt und auf maximal 0,8 Entgeltpunkte begrenzt. Es ergibt sich ein Zuschlag von 0,3 -Entgeltpunkten, welcher um 12,5 Prozent gekürzt wird (= 0,2625 Entgeltpunkte). Dieser Zuschlag von 0,2625 Entgeltpunkten wird für höchstens 35 Jahre berechnet. Der Zuschlag für die Grundrente beträgt somit rund 314 Euro (0,2625 Entgeltpunkte × 35 Jahre × 34,19 Euro).

Weitere Fallbeispiele unter:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Grundrente/grundrente_fallbeispiele.html

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