Finanzen

Richtiges Sparen erlernen – diese Hürden müssen Sie nehmen

Keine Frage, aktuell sieht es auf dem globalen Finanzmarkt nicht sonderlich gut aus, wenn man sich selbst als Sparer bezeichnet. Sollten auch Sie zu denjenigen Personen zählen, die ihr Geld lieber sicher verwahren, anstatt die Wirtschaft als spendabler Verbraucher zu unterstützen, ist dies Ihr gutes Recht – und sicherlich nicht verkehrt, aber auch Sie werden bemerkt haben, dass sich Ihr Erspartes derzeit kaum „von allein“ vermehrt, da kaum eine Anlage noch rentable Zinsen verspricht.

Ebbe im Portemonnaie? Das muss nicht sein, auch wenn Sparen an sich nicht jedem leichtfällt. Foto: Chronomarchie / Pixabay

Kinder müssen lernen, mit Geld umzugehen

Es ist aus unserer Perspektive eine unvorstellbare Ewigkeit her, da Menschen noch als Jäger und Sammler galten und lediglich das dauerhaft besaßen, was sie imstande waren, auf ihrer täglichen Reise durch die Welt zu tragen und mitzuführen. Das Konzept, mehr als diese Dinge sein Besitz zu nennen, und dieses nach Möglichkeit immer weiter zu vergrößern, war unsinnig, nicht realisierbar und daher nicht praktikabel. Genau dies ist allerdings das Grundprinzip des Sparens.

Wer also ein guter Sparer werden möchte, muss sich gegen seinen Urinstinkt wehren. Dies allerdings fällt vielen Menschen nicht wirklich leicht. Denn: Auch wenn es aus unserer individuellen zeitgenössischen Perspektive zig Jahre her ist, dass wir als Menschen uns auf das Nötigste beschränken mussten, aus evolutionärer Sicht ist diese Zeit erst einen Wimpernschlag her.

Wir sind von Natur aus darauf programmiert, Dinge falsch zu machen, die mit Geld zu tun haben. Das ist in unseren Verhaltensmustern so verankert. […] Wir sind nicht darauf programmiert, für die Zukunft zu sparen. Das ist ein neues Konzept, das erst im Laufe der Evolution aufkam“.

- Brad Klontz, Psychologie

Dies ist unter anderem ein Grund, weswegen Wissenschaftler wie der auf Finanzverhalten spezialisierte Psychologe Brad Klontz behaupten, dass es Erwachsenen wesentlich leichter fiele zu sparen, wenn diese den korrekten Umgang mit Geld bzw. Finanzen bereits im Kindesalter von ihren Eltern gelernt haben.

Derlei Menschen sind dann beispielsweise auch mehr daran interessiert, sich Hilfe von Experten wie Finanzberatern zu holen, gerade wenn es sich um ein geerbtes Familienvermögen handelt und es ihnen in den meisten Fällen bereits früh beigebracht wurde, dass es das Wichtigste sei, dieses Vermögen klug anzulegen, zu erhalten und, wenn möglich, noch zu vergrößern.

Sparen ist nichts für Optimisten

Allerdings ist nicht jeder Mensch von Kindesbeinen an sprichwörtlich auf Rosen gebettet und daher durch seine familiäre Umgebung in ein natürliches Sparumfeld integriert, welches ihm nicht nur beibringt, dass Sparen wichtig ist, sondern gleichermaßen lehrt, wie richtiges Sparen bzw. der verantwortungsbewusste Umgang mit den eigenen Finanzen richtig funktioniert.

Für die meisten Menschen endet ihr persönliches Sparinteresse schon bei der Durchsicht des Supermarktprospekts am Wochenende oder der Teilnahme an Aktionen wie Cashback. Derlei Sparmaßnahmen müssen auch nicht falsch sein, werden in der Regel aber nicht dazu führen, dass nachhaltig größere finanzielle Rücklagen für schlechte Zeiten aufgebaut werden können. Doch diese könnte es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie der heutigen durchaus benötigen.

Es ist daher nachvollziehbar, doch in gewisser Hinsicht auch kurios, dass es Menschen, die eher düster in die Zukunft blicken, finanziell oftmals bessergeht als solchen Personen, die stets voller Zukunftsoptimismus sind. Dies zumindest deutet eine Studie an, die sich mit dem Zusammenhang von psychologischem Optimismus bzw. Pessimismus und dem Streben nach finanzieller Absicherung respektive Sparbereitschaft beschäftigt hat.

Laut Studienergebnis falle es Optimisten nämlich deutlich schwerer, ihr Geld zu sparen und nicht auszugeben, als es bei Menschen der Fall ist, die von Zukunftsängsten und finanziellen Nöten geplagt sind. Die Bereitschaft zu sparen sei demnach eng verknüpft mit dem Wunsch, vor künftigen Katastrophen geschützt zu sein. Andersherum sei dies für Optimisten gar keine Sparmotivation. Auch Personen, die über viele und enge soziale Kontakte verfügen, seien sparunwilliger, weil diese Freunde und Bekannte gewissermaßen als eine Ressource betrachten würden.

Automatisiert und unbewusst zum Sparfuchs werden?

Bedeutet dies folgerichtig, dass Sie sich in eine düstere Stimmung versetzen müssen, bevor Sie zum echten Sparfuchs werden können? Natürlich nicht. Es kann allerdings sicher nicht schaden, wenn Sie wissen, welche insbesondere psychologischen Voraussetzungen Ihnen das Sparen womöglich erschweren. So sind Sie nämlich imstande, Ihre eigene Psychologie auszutricksen und Maßnahmen umzusetzen, die es Ihnen ermöglichen, tatsächlich nachhaltig zu sparen.

Fakt sei nämlich, meint zumindest Sebastian Ebert, Professor für Mikroökonomie an der Frankfurt School of Finance & Management, dass Menschen, die stets am Sparen scheitern, oftmals eine für sie ungeeignete Methode wählen. In solchen Fällen falle ihnen das Sparen noch wesentlich schwerer als anderen Menschen, die Sparen gewissermaßen im Blut haben, da sie bereits als Kind lernten, ihr Geld zu sparen.

Wer zum erfolgreichen Sparer werden möchte, mit Sparen an sich aber Probleme hat, der müsse versuchen, seine Sparmaßnahmen zu automatisieren und möglichst wenige Hürden aufstellen, die es verlangen würden, diese aktiv zu überwinden. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise sogenanntes Wechselgeldsparen, wie es von manchen Kreditinstituten für Privatkunden angeboten wird. In diesem System wird nach jeder Zahlung mit EC-Karte auf den nächsten Euro der Bezahlsumme aufgerundet und diese automatisch auf das Sparkonto überwiesen.

„Die Idee, Wechselgeld beiseitezulegen und quasi „nebenbei“ zu sparen, hat etwas für sich. Auch aus psychologischer Sicht“, erklärt der Professor, denn Menschen seien träge. „„Wenn man jedes Mal aktiv entscheiden müsste, 80 Cent auf das Sparkonto zu überweisen, würde das schmerzen.“ Mit einer Art Dauerauftrag könne dieser Schmerz aber simpel umgangen werden.

Grundsätzlich sei es bei jedweder Art von Sparmethode das Entscheidende, für mehr positive als negative Stimulanz zu sorgen. Wer aktiv Geld überweisen oder zur Seite legt, hat in erster Linie das Gefühl, etwas zu verlieren bzw. unmittelbar weniger Geld zur Verfügung zu haben. Wer das Sparen automatisiert und passiv bleibt, der wird nur das Wachstum seiner Sparsumme kontrollieren und bei jedem noch so kleinen Betrag ein positives Gefühl haben, da die Summe größer war als zu vor.

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