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Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung – GKV

Insbesondere zahlreiche junge Menschen, die nicht zu den Krankenversicherungspflichtigen zählen, entscheiden sich für eine private Alternative. Günstige Beiträge und teilweise bessere Leistungen verlocken viele Selbstständige oder gut verdienende Angestellte. In der Regel steigen die monatlichen Zahlungen jedoch im Alter an, sodass häufig die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung angestrebt wird.

Aschendorff Medien

Die elektronische Gesundheitskarte ist der reguläre Versicherungsnachweis für gesetzlich Krankenversicherte. Foto: Pixabay.com © blickpixel

Problematischer Wechsel von Privatversicherung zur GKV?

In den letzten zehn Jahren sind nach Aussage des PKV-Verbandes (Verband der Privaten Krankenversicherung) die Beiträge um durchschnittlich etwa drei Prozent angestiegen. Zwar gibt es ein paar Alternativen zu einer Senkung der Leistungen, sind diese jedoch bereits ausgeschöpft, kommt oft nur noch die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung in Betracht, damit die Gesundheitsabsicherung weiterhin erschwinglich ist.

Wer ganz neu eine private Krankenversicherung abgeschlossen hat, es jedoch sofort bereut, profitiert von der gesetzlichen Widerspruchsfrist. Sie beträgt 14 Tage nach Erhalt des Versicherungsscheines, der Widerspruch kann per Mail eingelegt werden. Sicherheitshalber empfiehlt sich jedoch die zusätzliche Übersendung per Einschreiben.

Manche Menschen erkennen aber erst im Nachhinein die vermeintlichen Nachteile der privaten Krankenversicherung – beispielsweise in späteren Jahren durch steigende Monatsbeiträge oder bei einer weniger guten Entwicklung des erwarteten Einkommens. Plötzlich stellen sie fest, dass die private Absicherung nicht mehr zur neuen Lebenslage passt. So sind die hohen Leistungen für den Versicherungsschutz des Nachwuchses meist nicht familienfreundlich. Und auch, wenn es nicht um die Kinder geht, reicht das vorhandene Budget häufig nicht mehr aus.

Nicht immer sind Privatkrankenversicherungen familienfreundlich. Foto: Pixabay.com © geralt

Vor allem private Versicherungsnehmer, die kurz vor dem Rentenalter stehen, haben verschiedene Nachteile. Der Wechsel ab 55 Jahren in die gesetzliche Krankenversicherung ist zum einen nahezu ausgeschlossen. Ausschließlich, wenn das Monatseinkommen unter 450 Euro liegt, kann man in die Familienversicherung des Partners wechseln. Zum anderen dürfen privat Versicherte, die sich bereits in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens befinden, meist nicht in die Krankenversicherung der Rentner. Infolge dessen müssen sie sich freiwillig versichern und daher mit höheren Beiträgen im Alter rechnen.

Tipps für Angestellte

Ein Weg für Angestellte zum Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung ist die Senkung des regelmäßigen Bruttoeinkommens. Die JAEG (Jahresarbeitsentgeltgrenze) liegt mit Stand 2021 bei 64.350 Euro. Die besondere Grenze von zurzeit 58.050 Euro gilt für alle Menschen, die ihre Privatversicherung bereits vor dem 31. Dezember 2002 abgeschlossen haben.

Werden diese Grenzlinien unterschritten, fallen Angestellte direkt wieder unter die gesetzliche Krankenversicherungspflicht, die der Arbeitgeber der entsprechenden Kasse meldet. In diesem Fall können sie zu einer Krankenkasse ihrer Wahl wechseln. Auch, wenn die Höhe des Gehalts zu einem späteren Zeitpunkt wieder über der JAEG liegt, dürfen Arbeitnehmer in der GKV bleiben – dazu müssen sie sich freiwillig gesetzlich versichern. Es gibt zwei Möglichkeiten, das monatliche Einkommen zu reduzieren.

Vorübergehende Reduzierung

Wer zum Beispiel ein Sabbatical nimmt oder auf Teilzeitarbeit umsteigt, kann sein Gehalt soweit reduzieren, dass es – hochgerechnet auf zwölf Monate – unterhalb der JAEG liegt. Ist man dadurch in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgekehrt, lässt sich die Arbeitszeit und im Zuge dessen das Gehalt wieder steigern.

Durch ein im Jahr 2019 in Kraft getretenes Gesetz haben Angestellte die Möglichkeit, die sogenannte Brückenteilzeit zu nutzen. Diese Variante bedeutet, Arbeitszeit für einen gewissen Zeitraum zu reduzieren und im Anschluss zur ursprünglichen zurückzukehren. Diese Brückenteilzeit mit Rückkehrrecht gilt jedoch ausschließlich für Arbeitnehmer, die in einem Unternehmen mit über 45 Mitarbeitern tätig sind. Darüber hinaus müssen sie dort mindestens sechs Monate beschäftigt sein. Sind die Grundvoraussetzungen gegeben, kann der Antrag auf eine befristete Teilzeit mit Minimum von einem Jahr gestellt werden.

Verwandlung des Einkommens in betriebliche Altersvorsorge

Eine weitere Alternative zur Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung haben Angestellte, die brutto weniger als 67.758 Euro verdienen, in Form der bAV (betrieblichen Altersvorsorge). Sie stellt beispielsweise eine gute Lösung dar, wenn der Arbeitnehmer der Teilzeit-Variante nicht zustimmt. Auf diese Entgeltumwandlung besteht sogar ein Rechtsanspruch. Ein jährlicher Betrag von bis zu 3.408 Euro (Stand 2021) des Bruttoeinkommens kann in eine betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden, und zwar sozialabgabenfrei.

So lässt sich das maßgebliche Entgelt für die Krankenversicherung problemlos senken. Gleichzeitig profitiert man von einer zusätzlichen Altersvorsorge. Der Betrag für die Einzahlung in die bAV, um unter die JAEG zu kommen, lässt sich leicht errechnen:

Jahresbruttoeinkommen minus 64.350 Euro

Es reicht aus, den Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge ausschließlich für ein Jahr zu leisten. Ist man in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgekehrt, kann er entweder aus- oder auch heruntergesetzt werden.

Lösungen für Selbstständige

Im Vergleich zu Angestellten ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung für Selbstständige schwieriger. Sie können schließlich ihr Einkommen nicht so leicht senken. Aber auch dafür gibt es Lösungen.

Anstellung suchen

Wer diese Variante wählt, sucht sich einen Job in Festanstellung, bei dem man über 450 Euro im Monat verdient. Es kann natürlich auch jederzeit mehr sein, wobei selbstverständlich die Jahresarbeitsentgeltgrenze im Auge behalten werden muss. Eine Tätigkeit im Angestelltenverhältnis ist nicht gleichbedeutend mit der Aufgabe der Selbstständigkeit. Es besteht die Möglichkeit, diese im Nebenberuf weiterhin auszuüben. Allerdings muss die Festanstellung den Hauptanteil von Gesamteinkommen und -arbeitszeit ausmachen.

Geschäftsaufgabe

Verheiratete Selbstständige, die ihre Geschäftstätigkeit aufgeben, können beitragsfrei in die Familienversicherung des Ehegattens einsteigen. Allerdings gibt es Auflagen bezüglich des Einkommens des familienversicherten Partners:

·         Höchstverdienst von 553,33 Euro (Einkommensgrenze plus Werbungskostenpauschale)

·         Minijob mit monatlichem Einkommen bis 450 Euro

Tipp für Arbeitgeber bei der Zusammenarbeit mit Selbstständigen

Es gibt unzählige Unternehmen, die in Deutschland vertrauensvoll mit Freelancern, Selbstständigen und Co. zusammenarbeiten. Vermehrt taucht in den letzten Jahren – durch Änderungen bei der Prüfpraxis der Deutschen Rentenversicherung – dabei das Problem der Scheinselbstständigkeit auf. Im Zuge dessen werden immer öfter selbstständige Auftragnehmer zu Scheinselbstständigen erklärt, trotz Gewerbeanmeldung, Umsatzsteuerabführungen, mehreren Auftraggebern sowie einer eigenen Betriebsstätte. Dies kann hohe Nachforderungen und sogar Gefängnisstrafen auf Seiten des Auftraggebers nach sich ziehen. Grundsätzlich gilt:

Wird der Scheinselbstständige weiterhin steuerlich als Unternehmer angesehen, muss der Auftragnehmer ggfs. Rechnungen unter Ausweis der Umsatzsteuer erstellen. Der Auftraggeber (= Kunde) schuldet in diesem Fall die Sozialversicherungsbeiträge. Er muss den Arbeitnehmeranteil einbehalten und an die Krankenkasse abführen. Die Umsatzsteuer ist davon zu erheben, da es sich bei den Anteilen des Arbeitnehmers umsatzsteuerlich um Entgelt handelt.

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