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Höhepunkt oft erst im Februar

Grippesaison: RKI-Expertin hält Entwarnung für verfrüht

Berlin (dpa)

Was droht dem Gesundheitssystem, wenn zu Corona auch noch die Grippewelle hinzukommt? Diese Frage stellte sich schon zu Beginn der Pandemie. Ist die Gefahr für diese Saison bereits gebannt?

Von dpa

Noch gibt es eher wenig Grippe-Fälle in Deutschland. Doch die Viruszirkulation könnte sich in den kommenden Wochen verstärken. Eine RKI-Expertin rät noch zur Schutzimpfung. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Eine Grippeschutzimpfung kann aus Expertensicht auchin diesen Tagen noch ratsam sein - trotz bislang vergleichsweiseniedriger Infektionszahlen. Der weitere Verlauf der Influenzasaisonsei noch mit vielen Unwägbarkeiten verbunden, für Entwarnung sei esaber in jedem Fall zu früh, sagte Grippe-Expertin Silke Buda vomRobert Koch-Institut (RKI).

Bislang seien die wissenschaftlichen Kriterien für den Beginn derGrippewelle in Deutschland zwar nicht erfüllt. Dass sich der Erregeraber in den kommenden Wochen noch verstärkt ausbreitet, ist Budazufolge nicht ausgeschlossen. «Es ist noch nicht zu spät fürImpfwillige, sich die Grippeschutzimpfung geben zu lassen. ImGegenteil, in der derzeit unklaren Situation wäre es sogar besondersgut», sagte Buda.

Höhepunkt der Grippewellen oft Ende Februar

In der Regel beginnen saisonale Grippewellen nach dem Jahreswechsel,der Höhepunkt wird häufig Ende Februar, Anfang März erreicht. Vordiesem Hintergrund wird normalerweise ab dem Herbst geimpft.

«Die Besonderheit in dieser Saison ist, dass ein größerer Teil derBevölkerung wegen der ausgefallenen Grippesaison 2020/21 nicht durcheine natürliche Infektion geboostert wurde. Dadurch lässt sichweniger gut abschätzen, was passieren wird.» Beim RS-Virus zumBeispiel, das kleineren Kindern gefährlich werden kann, habe sichseit dem Spätsommer 2021 eine ungewöhnlich starke Verbreitunggezeigt, auch unter dem Einfluss der Pandemie und derKontaktbeschränkungen.

Vorteilhaft sei in jedem Fall, dass die Abstands- und Hygieneregelnzum Schutz vor Corona auch die Ausbreitung der Influenza hemmen,sagte Buda. «Auch die Maske hilft gegen alle Erreger vonAtemwegserkrankungen.» Sie hoffe auch vor diesem Hintergrund, dass esnicht zu einer zu starken Grippewelle diesen Winter komme, sonderndass das Infektionsgeschehen langsam wieder in das übliche saisonaleMuster übergehe.

Weniger Grippe-Fälle als in den Saisons vor der Pandemie

Die Zahl der bestätigten Fälle von Grippe in Deutschland seien in denvergangenen Wochen angestiegen, doch dann sei die Entwicklunggedämpft worden - vermutlich auch beeinflusst durch Weihnachten, denJahreswechsel und die Schulferien. Gemeldet wurden dem RKI knapp 1000Fälle seit Anfang Oktober, von denen rund ein Viertel im Krankenhausbehandelt wurde. Ob und wie stark die Grippe-Aktivität noch ansteigt,sei nicht vorhersagbar, sagte Buda. Das bisherige Niveau an Fällenliegt über dem des vergangenen Winters, aber niedriger als in denSaisons vor der Pandemie.

Der Virustyp A(H3N2) zirkuliere derzeit hauptsächlich in Europa,sagte Buda. Er sei erst mit der Influenzapandemie 1968 in dieBevölkerung gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten häufigschwerere saisonale Wellen verursacht. Kinder steckten sich häufigdamit an, problematische Krankheitsverläufe träfen jedoch vor allemdie älteren Menschen. «Die ersten Laborergebnisse zur Passgenauigkeitdes Impfstoffs sehen nicht schlecht aus», sagte Buda.

Es ist möglich, dass im Lauf des Winters ein anderer Virustyp, etwavom Typ B, das Geschehen übernimmt und sich die Situation nochmalsverändert. Für die WHO Region Europa habe die Grippesaison miterhöhter Influenza-Aktivität Anfang Dezember 2021 begonnen, schreibtdie Arbeitsgruppe Influenza (AGI) am RKI in ihrem Wochenbericht vomMittwoch zur internationalen Lage. In der ersten Januarwoche hättensechs Länder Raten von mehr als zehn Prozent positiverGrippenachweise gemeldet.

Starke Viruszirkulation in Frankreich

Auch Frankreich wird neben Ländern wie Armenien, Belarus und Serbiengenannt. Die Impfkampagne gegen die Grippe ist in unserem Nachbarlandwegen der aktiven Viruszirkulation verlängert worden. Seit AnfangOktober kamen 72 Menschen mit schweren Grippeverläufen auf dieIntensivstation, sechs von ihnen starben. Die Zahl der Arztbesuchewegen Grippe stieg zuletzt deutlich an, liegt aber noch deutlichunter den Höhepunkten der Grippewellen in vorherigen Jahren.

Seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 befürchten Experten, dass esetwa für Kliniken und Praxen zu einer massiven Doppelbelastung durchCorona und Grippe kommen könnte. Die Ständige Impfkommission (Stiko)empfiehlt die Grippeschutzimpfung unter anderem Menschen ab 60Jahren, Schwangeren, Vorerkrankten und medizinischem Personal.

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