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Früh hohe Fallzahlen

Grippewelle in Deutschland hat begonnen

Berlin (dpa)

Vor der Corona-Pandemie begann die Grippewelle meist nach dem Jahreswechsel. Dank des Masketragens und reduzierter Kontakte viel sie zuletzt eher schwach aus. Beides könnte nun anders werden.

Von dpa

In Deutschland nimmt die Zahl der Grippeinfektionen bereits deutlich zu. Vor der Corona-Pandemie begann die Grippesaison meistens erst im Januar. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Zwei Saisons blieb die Grippewelle in Deutschland weitgehend aus - seit einigen Wochen aber und damit vergleichsweise früh werden nun recht hohe Fallzahlen gemeldet.

Nach Definition des Robert Koch-Instituts (RKI) habe die Grippewelle in der Woche bis 30. Oktober begonnen, geht aus dem wöchentlichen Bericht zu akuten Atemwegserkrankungen vom Mittwochabend hervor.

Maßgeblich für die Einschätzung sind Ergebnisse aus einem Überwachungssystem, bei dem Proben von Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen untersucht werden. Routinemäßig wird dabei nach verschiedenen Erregern geschaut, etwa Rhinoviren, Sars-CoV-2 und Influenza. Die Definition für den Beginn der Welle erklärt das RKI so: «Stark vereinfacht kann man sagen: Wenn in jeder fünften Patientenprobe tatsächlich Influenzaviren nachgewiesen werden - die sogenannte Positivenrate also bei etwa 20 Prozent liegt - hat die Grippewelle begonnen.»

Grippesaison beginnt früher

«Während der letzten Monate wurden deutlich mehr Influenzameldungen an das RKI übermittelt als in den vorpandemischen Saisons um diese Zeit», heißt es im Bericht weiter. Wahrscheinlich beruhe dies unter anderem auch auf der Empfehlung seit der Corona-Pandemie, dass bei Atemwegssymptomen auch auf Influenzaviren getestet werden sollte. Für vergangene Woche seien bislang mehr als 2100 Grippe-Fälle übermittelt worden - und seit Saisonbeginn im Oktober insgesamt rund 8330. Besonders viele Meldungen kamen demnach aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Berichtet wird zudem über 13 Ausbrüche mit mindestens fünf Fällen, etwa an Schulen und Kindergärten.

Die jährliche Grippewelle begann in den Jahren vor Corona laut RKI meist im Januar und dauerte drei bis vier Monate. In den vergangenen beiden Saisons veränderten die Pandemie und die dagegen getroffenen Maßnahmen den gewohnten Verlauf jedoch stark: 2020/21 fiel die Grippewelle weltweit aus. Und auch 2021/22 kam es in Deutschland nicht zu einer Welle im gewohnten Maßstab, die Meldezahlen gingen erst nach den Osterferien und damit sehr spät etwas in die Höhe.

Auch wenn es zuletzt Warnungen vor einer nun drohenden schweren Welle gab: Das RKI und andere Fachleute betonen, dass sich der Verlauf nicht vorhersagen lasse. Allerdings ist laut RKI «denkbar», dass die Bevölkerung in erhöhtem Maß und/oder ein erhöhter Anteil der Bevölkerung anfällig ist für die Erreger, wie es auf der Institutswebseite heißt. Weitere Fachleute hatten von zu erwartenden Nachholeffekten gesprochen. Das heißt: Wer länger keine echte Grippe hatte, könnte nun wieder fällig sein.

Grippeschutzimpfung in vielen Fällen ratsam

Erwachsene machten die Erkrankung in der Regel ohnehin nur alle paar Jahre durch, hatte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, kürzlich gesagt: «Das, was umgangssprachlich als Grippe bezeichnet wird, ist ja meist nur eine Erkältung. Bei Influenza kann man schon mal eine Woche flachliegen.» Anzunehmen sei, dass nach den grippearmen vergangenen zwei Wintern mehr kleinere Kinder als üblich ohne Immunschutz sind - sie verpassten ihre ersten Grippeinfektionen. Bei der Gruppe verlaufe die Krankheit in der Regel aber auch nicht schwer.

Die Meldezahlen sind nur ein Ausschnitt der tatsächlichen Lage: Die Zahl der Infektionen während einer Grippewelle wird nach RKI-Angaben auf 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung geschätzt, was in Deutschland etwa 4 bis 16 Millionen Menschen entspreche. Nicht jeder Infizierte erkranke. «Die Zahl der Todesfälle kann bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren Hundert bis über 25.000 in der Saison 2017/18», hält das RKI fest.

Die Grippe ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die vor allem für ältere oder vorerkrankte Menschen schwer verlaufen und auch tödlich enden kann. Als bestmögliche Schutzmaßnahme gilt die Grippeschutzimpfung, die die Ständige Impfkommission (Stiko) für gefährdete Personen empfiehlt.

Wer sollte sich impfen lassen?

Vor allem älteren Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel sowie Menschen mit Grunderkrankungen empfiehlt die Stiko die Impfung. Der Grund: Für diese Personen kann eine Infektion eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung bedeuten.

Für ältere Menschen ist die Schutzmaßnahme laut Deutscher Seniorenliga sinnvoll, da das Abwehrsystem mit zunehmendem Alter nicht mehr so effektiv arbeite und diese Personengruppe durch chronische Erkrankungen oft vorbelastet sei.

Zu den Grundleiden, die schwerere Krankheitsverläufe begünstigen, zählen laut Robert-Koch-Institut (RKI) unter anderem chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Leber-, Nieren-, Herz-, Kreislauf- oder chronische neurologische Krankheiten sowie Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes.

Eine Grippeschutzimpfung wird auch Menschen empfohlen, die einem erhöhten beruflichen Risiko ausgesetzt sind, etwa medizinischem Personal sowie Pflegepersonen von Risikopatienten.

Ist die Impfung auch für Kinder ratsam?

Bernd Salzberger sagt: «Säuglinge können und sollten durch die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft geschützt sein, bei größeren Kindern sind die Krankheitsfolgen meist gering - deshalb empfiehlt die Stiko hier keine Impfung».

Der Infektiologe führt aber einen sozialen Grund an, über den sich Familien Gedanken machen können: Eine Impfung bei Kindern könne Erwachsene schützen, «zum Beispiel vorerkrankte Großeltern».

Wann sollte ich mich impfen lassen?

Jährliche Grippewellen mit erhöhter Aktivität von Influenzaviren haben in der Vergangenheit meist nach der Jahreswende begonnen. In diesem Jahr ist die Grippewelle früher dran - nach der Definition der RKI hat sie in diesem Jahr schon in der Woche bis 30. Oktober begonnen.

Es ist also sinnvoll, die Impfung nicht allzu lange aufzuschieben. Denn: Bis sich der Infektionsschutz nach der Impfung aufgebaut hat, dauert es 10 bis 14 Tage.

Aber auch später, also im Verlauf einer Grippewelle, ist die Impfung noch sinnvoll, da nie genau vorhergesagt werden kann, wie lange eine Welle dauert. Der Impfschutz nimmt etwa drei Monate nach der Injektion langsam wieder ab.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Jeder Arzt oder jede Ärztin kann eine Grippeimpfung grundsätzlich verabreichen. Erster Ansprechpartner ist in vielen Fällen der Hausarzt, aber auch in manchen Gesundheitsämtern wird gegen die Grippe geimpft.

Zusätzlich bieten vereinzelt Arbeitgeber ihren Mitarbeitern an, sich die Injektion von Betriebsärzten setzen zu lassen. Und: In dieser Saison dürfen erstmals auch Apotheken Grippeschutzimpfungen anbieten. Und zwar gesetzlich krankenversicherten Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Welchen Schutz bringt die Grippeimpfung?

Keinen 100-prozentigen. Trotz Impfung kann man erkranken. Der saisonale Impfstoff enthält Bestandteile der Virusvarianten, die für die kommende Saison erwartet werden. Da die Weltgesundheitsorganisation WHO die Zusammensetzung für den Impfstoff jedes Jahr bereits im Frühjahr festlegt, um den Impfstoffherstellern genügend Zeit zu geben, gibt es Unsicherheiten. Denn die Viren verändern sich schnell.

Es ist möglich, «dass die in der folgenden Saison hauptsächlich auftretenden Influenzaviren nicht so gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen übereinstimmen», schreibt das RKI. Bei einer sehr guten Übereinstimmung könne die Schutzwirkung bei jungen Erwachsenen bei bis zu 80 Prozent liegen.

Aufgrund ihrer reduzierten Immunantwort können ältere Menschen ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, nur etwa halbieren. Aber wie bei Corona gilt: Eine Erkrankung verläuft bei geimpften Personen in der Regel milder als bei Ungeimpften. Das zeigten viele Studien, informiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Gibt es Alternativen zur Impfung, um sich zu schützen?

Ja, was auch die zuletzt nur sehr wenigen Grippefälle in Zeiten der Maskenpflicht belegen. «Eine Maske bei Infizierten verringert das Risiko einer Weitergabe, eine FFP2-Maske bei Nicht-Infizierten das einer Infektion», sagt Bernd Salzberger.

Weil keine Impfung zu 100 Prozent schützt, legt das RKI weitere Maßnahmen nahe: So sollten vor allem Risikopatienten genügend Abstand zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung halten. Großeltern etwa können den Besuch bei erkrankten Enkelkindern verschieben. Regelmäßiges gründliches Händewaschen kann das Risiko einer Atemwegsinfektion ebenfalls vermindern.

Hat die Grippeschutzimpfung Nebenwirkungen?

«Der saisonale Influenza-Impfstoff ist in der Regel gut verträglich», schreibt das RKI. Doch Lokalreaktionen wie leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle sind nicht ausgeschlossen. Gelegentlich treten auch typische Erkältungssymptome wie Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen auf.

Meistens klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab, so das RKI. Bei Hochdosis-Impfstoffen seien ausgeprägtere lokale Nebenwirkungen möglich. Wird ein Lebendimpfstoff als Nasenspray verabreicht, kann die Nase vorübergehend verstopft sein oder laufen.

Ist es problematisch, sich gleichzeitig gegen Influenza und Covid-19 impfen zu lassen?

Laut Stiko-Empfehlung ist die simultane Impfung möglich. Jedoch könnten Impfreaktionen häufiger als bei der getrennten Gabe auftreten. Die Injektion sollte jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen.

Müssen Patienten die Impfung selbst zahlen?

Die Kosten einer Grippeimpfung zahlt bei Personen, für die die Stiko sie empfiehlt, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Teilweise übernehmen die Kassen die Impfkosten auch für weitere Patientengruppen oder sie steuern einen Anteil bei. Im Zweifel ruft man bei der eigenen Kasse an und fragt nach.

«Auch wenn eine medizinische Indikation seitens einer Ärztin oder eines Arztes festgestellt wird, werden die Kosten übernommen», heißt es beim GKV-Spitzenverband. Muss man für den Piks letztlich selbst aufkommen, berechnen Arztpraxen je nach genutztem Impfstoff und Umfang der Beratung etwa 30 bis 60 Euro.

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