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Low Carb verdrängt Low Fat – der Hintergrund

Bis in die 1980er-Jahre hinein dominierte die Ernährungswelle Low Fat. Weltweit gaben Medien sowie Experten zu Protokoll, dass eine fettreiche Ernährung die Hauptursache für die verbreiteten Zivilisationskrankheiten sei. Der Trend zum Übergewicht setzte nach der Konsolidierungsphase nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Der Wohlstand in der Friedensperiode hat zusammen mit der Entwicklung der Unterhaltungsindustrie dazu beigetragen, dass mehr geschlemmt und sich weniger bewegt wurde.

Aschendorff Medien

Foto: Sydney Troxell von Pexels

Margarine zugunsten von Butter, fettarme Milch, fettarmer Käse und eine drastische Reduzierung von Fleischgerichten, das waren die augenfälligsten Produkte dieser weitverbreiteten Einstellung. In den Diätbüchern der damaligen Zeit wurde der Fokus auf gesunde Gerichte mit wenig Fett und wenigen Kalorien gelegt. Der moderne Kalorienzähler war geboren.

Low Fat und der Jo-Jo-Effekt sind Zwillinge

Low Fat bedeutet Kalorienzählen, denn Fett mache deswegen fett, weil es mit 9 Kalorien pro Gramm mehr als doppelt so viele Kalorien hat wie Kohlenhydrate und Proteine mit einem Kalorienanteil von nur 4,1 pro Gramm. Die Folge war, dass die Teilnehmer einer Diät dauerhaft danach strebten, weit unter ihrem natürlichen Kalorienumsatz zu bleiben. Da sich dadurch zwangsläufig der eigene Körper mit einem beständigen Hungergefühl bemerkbar machte, strebte man nach dessen Disziplinierung, was einen ständigen Kampf gegen sich selbst bedeutete.

Dieser Aufgabe waren aber viele Teilnehmer nicht auf Dauer gewachsen. Immer wieder kam es zu Rückfällen und das alte Körpergewicht kam wieder zurück. Wer lange durchhielt, fand sich mit der Tatsache konfrontiert, dass er an Körpergewicht zugenommen hatte, denn der Grundumsatz seines Körpers hatte sich durch die Diät reduziert. Als Folge benötigte der Organismus weniger Kalorien zum Erhalt seines Grundumsatzes. Die gleiche Menge Nahrung wie vor der Diät führte zu einem weiteren Anstieg des Körpergewichts.

Was ist bei Low Carb anders?

Heute werden Menschen bei ihrem Bestreben, Gewicht zu verlieren, eher Rezepte für eine Low Carb Diät entdecken. Abnehmen, ohne auf etwas verzichten zu müssen, das war lange Zeit undenkbar. Ab der Jahrtausendwende gab es diese Option mit Low Carb aber auf einmal. Vordenker wie Robert Atkins hatte es zwar schon lange zuvor gegeben; sie fanden in einer Öffentlichkeit jenseits von Self-Publicity und Social Media jedoch kein Gehör.

Bei Low Carb geht es anders als bei Low Fat nicht um eine Vermeidung von Lipiden, sondern um die Reduktion von Kohlenhydraten. Besonders kurzkettige Kohlenhydrate mit ihrem süßlichen Geschmack und ihrer besonders kurzen Brennzeit sind aus Sicht von Low Carb bedenklich, zumal Nahrungsmittel wie Weißbrot, Gummibärchen, Chips und Teilchen stets in eine ungesunde Matrix eingebettet sind, die außer Zucker wenig hergibt, sondern fast ausschließlich aus „leeren Kalorien“ besteht.

Die Vorteile von Low Carb

Grundsätzlich kam erst das Fett und dann der Zucker, denn auf dem Speiseplan des steinzeitlichen Menschen fand sich neben den direkten Naturprodukten kein industriell hergestellter Zucker, der systematisch in alle möglichen handelsüblichen Speisen eingebaut war, um ein schmackhaftes Aroma herzustellen, das die Kunden zum Einkaufen animiert. So ist der menschliche Körper ausgezeichnet auf die Verwertung von Lipiden eingestellt, die in der Natur ohnehin reichhaltig enthalten sind und nicht extra hergestellt werden müssen, nicht aber auf die Verwertung von Zucker. Das ständige Bedürfnis nach Essen geht auf das heutige Überangebot an (zuckerhaltigen) Nahrungsmittel zurück.

Künstliche Aromen wirken auf den Konsumenten appetitanregend. Kurzkettige Kohlenhydrate sind schnell verstoffwechselt und der Insulinspiegel springt von einem Extrem ins andere, was den Boom an heutigen Heißhungerattacken erklärt. Gerichte mit vielen Kohlenhydraten sättigen erst wirklich, wenn man Unmengen von ihnen verzehrt hat, und dann auch nicht wirklich lange. Wer Zucker isst, der heizt im übertragenen Sinne mit Papier statt mit Briketts. Eine Umstellung seiner Ernährung zugunsten anderer Makronährstoffe verspricht die Befreiung von diesem Teufelskreis hin zu einer Ernährungsweise, bei der sich der eigene Kalorienverbrauch wieder langfristig normalisieren könne.

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