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Stand-up-Paddling in der Eckernförder Bucht

Die Sorgen bleiben an Land

Für viele Menschen ist die Ostsee ja kein „richtiges“ Meer. Für Menschen, die das erste Mal auf einem Stand-up-Paddling-Board stehen, ist das aber genau richtig.

Von Stefanie Meier

Wenn Tanja Miranda in der Eckernförder Bucht auf ihrem Board steht, denkt sie nur an Wind und Wellen.gibt es am Hafen in Eckernförde Foto: Thorsten SchoentaubeStefanie Meier

Zu früh gefreut an diesem zwar trockenen, aber doch irgendwie feuchten Tag in Eckernförde. Die blutige Anfängerin im Stand-up-Paddling – kurz und knackig meist nur kurz SUP genannt – ist glücklich, dass sie ihre ersten Versuche auf dem schwankenden Brett ohne nennenswerten Kontakt mit dem Ostseewasser überstanden und wieder den Strand unter den Füßen hat. Doch Tanja Miranda kennt keine Gnade. Wer bei der lizensierten SUP-Trainerin eine Lizenz zum SUPpen erlangen möchte, muss ins Wasser. Um zu üben, wie man bei einem ungewollten Sturz ins Wasser wieder aufs Brett gelangen kann. Mit Neoprenanzug und Neoprenschuhen ist der ungewollte Kontakt mit der Ostsee gar nicht so kalt wie befürchtet. Doch das Entern des Boards ist schwieriger als gedacht. Selbstkritische Gedanken an Wale liegen da nicht fern.

Das Wasser ist immer da

Die Eckernförder Bucht bietet Anfängern ideale Bedingungen, das Stand-up-Paddling zu lernen. Der Meeresarm reicht 17 Kilometer in das Land hinein und ist an seiner tiefsten Stelle keine 30 Meter tief. Ein Umstand gefällt Tanja Miranda dabei besonders gut: „Wir sind hier an der Ostsee, wir haben immer Wasser.“ Ebbe fällt also als Entschuldigung aus, nicht aufs Wasser zu gehen – und gegen niedrige Temperaturen gibt es die passende Kleidung.

Tanja Miranda hat ihre kleine SUP-Station inklusive Board-Verleih am Borbyer Ufer platziert. Von dort bietet sich nicht nur der schönste Blick auf den Eckernförder Hafen mit dem runden Getreidespeicher, den kleinen Fischbuden und den bunten Fischerbooten, sondern es ist auch besonders windgeschützt.

Das gefällt den Anfängern. Die haben erst mal wenig Sinn für die Aussicht, sondern genug damit zu tun, einfach geradeaus zu fahren. Wenn dazu noch Wellen und Wind kämen, auf die zu achten wären, kämen sie schnell ins Wanken. Die schmalen, steinernen Molen allerdings, die den ruhigen Strandabschnitt eingrenzen, verlangen schnell, dass auch das Kurvenfahren geübt wird. Was Kinder ganz intuitiv draufhaben, dauert bei den verkopften Erwachsenen doch etwas länger. Wie war das für eine Linkskurve? Rechts das Paddeln einstechen und nach links vor dem Brett herziehen? Oder links einstechen und nach rechts ziehen? Tanja Miranda gibt klare Kommandos, aber wer genug damit zu tun hat, die Balance zu halten, weiß schnell nicht mehr, wo links und rechts, vorne und hinten ist.

Neue Perspektiven vom Wasser

Doch irgendwann platzt der Knoten und der SUP-Neuling schafft es, den schützenden Molen-Bereich zu verlassen und dabei etwas von der Umgebung aufzunehmen. Die Paddelschläge führen schnell am Ufer entlang Richtung Eckernförder Hafen. Tanja Miranda hat in ihrer Einführung natürlich auch darüber informiert, wer gegebenenfalls auf dem Wasser Vorfahrt hat. Doch an diesem ruhigen Herbsttag ist wenig Verkehr auf dem Wasser – ideal, das baumbestandene Borbyer Ufer rechter Hand an sich vorbeiziehen zu lassen und Kurs zu nehmen auf Eckernfördes Wahrzeichen, eine schmale, rote Holzklappbrücke. Sie verbindet den Stadtteil Borby mit dem Zentrum – allerdings nur für Fußgänger. Die Brücke ist bis heute ein Unikum in Schleswig-Holstein. Eine Hinweistafel informiert darüber, dass die Brücke nach der großen Sturmflut von 1872 entstand, um die zerstörte Verbindung der beiden Stadtteile wiederherzustellen. Diese Verbindung hält bis heute und öffnet sich zuweilen in der Mitte, um Boote und Schiffe, die im Binnenhafen ihren Liegeplatz haben, hindurchzulassen. „Selbst für uns Eckernförder ist es toll, vom Board eine ganz andere Sicht auf den Hafen zu haben als vom Festland aus“, freut sich Tanja Miranda, die Anfänger auf den Geschmack gebracht zu haben.

Schnelles Erfolgserlebnis

Und das hat gar nicht mal lange gedauert. Ein bis zwei Stunden Einführung reichen, um sich schon relativ sicher auf dem Board zu fühlen. Wer dann anschließend die SUP-Lizenz der German Stand up Paddle Association in den Händen hält, kann sich an vielen Stellen ein Board ausleihen und auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen. Allein Eckernförde bietet dafür viele Möglichkeiten. Eine Tour zum Hauptstrand wird zeigen, dass hier die Windverhältnisse schon ganz anders sein können, und eine Fahrt in nordöstlicher Richtung vom Borbyer Ufer aus führt erst zum Yachthafen und dann zum Marinestützpunkt, dem man sich nicht mehr als 50 Meter nähern darf. Und wer dann so richtig vom Stand-up-Virus infiziert ist, unternimmt eine Tour zum gegenüberliegenden Steilufer einmal quer über die Bucht – dafür ist aber wirklich eine gute Kondition erforderlich. Dann, so Tanja Miranda, muss man sich wirklich auf sich und das Paddeln kon­zen­trieren. Was durchaus Vorteile hat: „Die Sorgen bleiben dabei einfach an Land.“

Für viele Menschen ist die Ostsee ja kein „richtiges“ Meer. Für Menschen, die das erste Mal auf einem Stand-up-Paddling-Board stehen, ist das aber genau richtig.

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