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Zwischen Ruinen und Reben: Wandern im Elsass

Jeden Tag eine Burg

Das Elsass hat schon seit Jahrhunderten eine bewegte Geschichte. Zeugen dafür sind unter anderem die vielen Burgen, die Wanderer an den Vogesenhängen entdecken können.

Von Stefanie Meier

Toller Ausblick: Vom Schloss Haut-Koenigsburg reicht sie Sicht über die Rheinebene bis in den Schwarzwald. Foto: Stefanie Meier

Links raschelt es im dichten Unterholz. Das hört sich nach mehr an. Mehr als die Ricke, die am Tag zuvor mit ihrem Kitz den Weg der Wanderer im dichten Wald kreuzte. Jetzt sucht das Hirn fieberhaft nach den Verhaltensweisen im Umgang mit den nicht ungefährlichen Tieren. Stehenbleiben, hinlegen? Weglaufen ist wahrscheinlich zwecklos. Die Gedanken fahren noch Karussell, als das Geraschel sich langsam entfernt. Puh, Glück gehabt. Ob es wirklich Wildschweine waren? Ja, waren es. Die Bestätigung kommt ein paar Minuten später, als weit voraus eine Bache mit sechs Frischlingen von links nach rechts huscht. Wer hier wohl mehr Angst vor wem hatte?

Große Dichte an Burgen aus dem Mittelalter

Wesentlich häufiger als auf Wildtiere treffen die Wanderer auf ihren sechs Tages-Etappen zwischen Barr und Kaysersberg auf Burgen. Pro Tag liegt mindestens eine Burg am Wegesrand, dafür müssen die Routenplaner keine großen Kunststückchen machen. Staufer, Habsburger und viele andere tummelten sich hier und machten sich die Nähe des Rheins bei ihren Geschäften zunutze. Den Vogel in Sachen Burgendichte schießt das schmucke Städtchen Ribeauvillé ab. Von einem Bistro in der Grand’Rue lassen sich bei einem Café au Lait gleich drei Burgen auf einen Schlag bewundern: Die Burg Girsberg, die Ulrichsburg und die Burg Haut-Ri­beaupierre liegen hoch über der Stadt. Elsässischer geht es kaum, denn das beeindruckende Panorama wird noch von diversen Störchen, die in ihren Nestern auf den steilen Dächern der zahlreichen Fachwerkhäuser hocken, komplettiert. „Nirgendwo sonst in Europa wurden im Mittelalter so viele Burgen gebaut“, weiß Fabienne Fessler. Bei der eigentlichen Anzahl muss aber selbst die Tourismusexpertin passen. „So um die 500 werden es wohl gewesen sein“, meint sie. Rund 80 davon sind bis heute mehr oder weniger erhalten und können besichtigt werden.

Bis auf wenige Ausnahmen geht das nur zu Fuß. Denn die Burgen liegen oft auf den Höhen der Vogesenausläufer. Damals sollte das den Feinden die Einnahme der Burg erschweren. Heute hält die Lage die Autofahrer ab. Zum Glück. Denn so können die steinernen Festungen tief versteckt im Wald ihren ganz eigenen Charme entfalten. Für Wanderer bedeutet das allerdings, dass sich einige Höhenmeter ansammeln.

Viel Handarbeit im Weinberg

Nach einer Übernachtung in einem der vielen schmucken Fachwerkdörfer zeigt sich am nächsten Tag eine andere Seite des Elsass: Weinberge. Hier geht es zwar weniger bergauf und bergab, dafür brennt die Sonne vom Himmel. Zwischen den scheinbar endlosen Weinreben machen ein paar Einheimische Frühstückspause und bieten freundlich „Café, Croissant oder Crémant?“ an. Der Scherz mit dem Schaumwein hilft, die Sprachbarrieren zu überwinden. Während die Winzer die Wanderer bestaunen, die bereits früh am Morgen die ersten fünf Kilometer hinter sich haben, zeigen die Wanderer Respekt für die Arbeit der Winzer, die him Weinberg kurz hinter Dieffenthal die üppig wachsenden Zweige der Reben am Spalier hochbinden. Per Hand.

Mit Händen und Füßen berichten die Elsässer von den Rebsorten, die im Nordosten Frankreichs von der Sonne verwöhnt werden: Gewürztraminer, Muskat, Riesling, Sylvaner, Pinot Blanc, Pinot Gris und – der einzige Rotwein – Pinot Noir. Alle diese Rebsorten finden sich auch abends auf den Weinkarten wieder und sind allesamt einen Versuch wert. Vielleicht zum Sauerkraut, das im Elsass auf keiner Speisekarte fehlt? Zum „Choucroute“, wie es hier heißt, passt besonders gut ein Riesling. Vorerst begnügen sich die Wanderer mit dem „Grand Cru“, der als klares Quellwasser aus einem Brunnen am Wegesrand plätschert.

Schloss Haut-Koenigsburg ist ein Symbol für das Elsass

Nach einer Übernachtung in einem der vielen schmucken Fachwerkdörfer zeigt sich am nächsten Tag eine andere Seite des Elsass: Weinberge. Hier geht es zwar weniger bergauf und bergab, dafür brennt die Sonne vom Himmel. Zwischen den scheinbar endlosen Weinreben machen ein paar Einheimische Frühstückspause und bieten freundlich „Café, Croissant oder Crémant?“ an. Der Scherz mit dem Schaumwein hilft, die Sprachbarrieren zu überwinden. Während die Winzer die Wanderer bestaunen, die bereits früh am Morgen die ersten fünf Kilometer hinter sich haben, zeigen die Wanderer Respekt für die Arbeit der Winzer, die him Weinberg kurz hinter Dieffenthal die üppig wachsenden Zweige der Reben am Spalier hochbinden. Per Hand. Mit Händen und Füßen berichten die Elsässer von den Rebsorten, die im Nordosten Frankreichs von der Sonne verwöhnt werden: Gewürztraminer, Muskat, Riesling, Sylvaner, Pinot Blanc, Pinot Gris und – der einzige Rotwein – Pinot Noir. Alle diese Rebsorten finden sich auch abends auf den Weinkarten wieder und sind allesamt einen Versuch wert. Vielleicht zum Sauerkraut, das im Elsass auf keiner Speisekarte fehlt? Zum „Choucroute“, wie es hier heißt, passt besonders gut ein Riesling. Vorerst begnügen sich die Wanderer mit dem „Grand Cru“, der als klares Quellwasser aus einem Brunnen am Wegesrand plätschert.

Dennoch ist dieser Burg, die als eine der wenigen auch mit dem Auto erreichbar ist, das gleiche Schicksal widerfahren wie ihren Artgenossinnen. Gegen Ende des 30-jährigen Kriegs wurde sie von schwedischen Truppen zerstört.

Ihren Wiederaufbau verdankt sie einem weiteren Kapitel der bewegten elsässischen Geschichte. Kaiser Wilhelm II. bekam sie 1899 von der Stadt Sélestat geschenkt. Zu der Zeit gehörte das Elsass zum Deutschen Reich und der Kaiser wollte die Burg zu einem Museum des Mittelalters machen. Und so gehen die Besucher heute über Zugbrücken, steigen 354 Treppenstufen hoch, durchqueren 47 Türen und Tore und bewegen sich durch verwinkelte Gänge. Als Belohnung wartet im Südturm der Blick über die Rheinebene, die Vogesen und den Schwarzwald. Und weitere Burgen, die sicherlich bald am Wanderweg liegen . . .

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