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Hoch im Norden: Mit den Hurtigruten nach Spitzbergen

Klimatour der MS Fram führt bis nach Spitzbergen / Vorträge vertreiben die langen Tage auf See

»Wenn Sie Ihren Freunden zeigen möchten, wo Sie waren, müssen Sie am Globus ganz oben den Messing-Knopf abschrauben«, flachst einer der Referenten. Da hat er recht: Wer mit dem Expeditionsschiff MS Fram in Richtung Spitzbergen aufbricht, erlebt eine ganz besondere Tour. Er sieht eine weitgehend unberührte Natur - und mit etwas Glück sogar einen Eisbären . . .

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Am nördlichsten Punkt der Reise sind sie auch am Ziel ihrer Träume. Langsam lichtet sich der Nebel über der Insel Moffen am Nordende von Spitzbergen und macht den Blick frei auf eine Herde Walrösser. Da taucht plötzlich der Star der Arktis auf: Ein ausgewachsener Eisbär betritt die Szene. Auf Außendeck fünf der MS Fram bricht gespannte Begeisterung los. Es ist kurz nach 1.30 Uhr in der Nacht, die Reisenden auf dem Expeditionsschiff der Hurtigruten haben ausgeharrt, weil ihnen Großes versprochen war. In diesem Moment wurde es wahr. Über eine Stunde haben sie Zeit, dem Tier dabei zuzuschauen, wie es an einem toten Walross seinen Hunger stillt. Fast andächtig stehen sie in sicherer Entfernung an Deck. Für die meisten ist es der Höhepunkt dieser „Klimareise“.

Doch die Anreise bis auf den 80. Breitengrad Nord ist mühsam. In Reykjavik auf Island stechen die maximal gut 300 Passagiere in See, und es dauert ziemlich genau zwei Tage, bis das erste Ziel erreicht ist: Jan Mayen, eine kleine Vulkaninsel auf dem atlantischen Rücken. Von dort sind es noch einmal zwei Tage, bis Spitzbergen in Sicht kommt.

Immerhin: Die Seetage sind beim „Klimareise“-Angebot der Hurtigruten keine vergeudete Zeit: Es gibt ein umfangreiches Angebot für die wissbegierigen Teilnehmer. Denn zum Team an Bord gehören Wissenschaftler, die ihre jeweiligen Themen in wirklich kurzweiligen Vorträgen erklären. Wie ist Jan Mayen entstanden? Welche Tiere gibt es in dieser Region? Wie verändert sich das Klima – und wie ist es den abenteuerlustigen Arktis-Pionieren vor 120 Jahren ergangen? Input für die Neugierigen.

Nur manchmal bricht an Bord Hektik aus. Wenn jemand einen Wal gesichtet hat, springen alle auf – meistens nur um festzustellen, dass der Meeressäuger schneller wieder abgetaucht ist als die Kameras gezückt sind.

Nach zwei Tagen schimmert endlich die Silhouette von Jan Mayen durch den Dunst. Das Team macht die Boote klar, die Reisenden stülpen Leih-Stiefel über: klar machen zum Anlanden. In Sichtweite der Insel steigen alle in kleinen Grüppchen auf kleine Boote um. Am Strand steigen sie aus: Schon das ist ein Abenteuer. Jan Mayen ist nahezu unberührt, es gibt nur einen kleinen Außenposten mit Wetterstation und Navigationseinrichtungen.

Dagegen mutet Long­year­byen fast schon urban an. Die Hauptstadt von Spitzbergen ist zwei Tage später die nächste Station. Etwa 2000 Menschen leben in dieser ehemaligen Bergarbeiterstadt. Es gibt einige Geschäfte – und Bewegung für die Schiffspassagiere.

Ähnlich am nächsten Morgen in Ny Ålesund. Das 100-Seelen-Dorf birgt eine traurige Geschichte, die bis heute wirkt: 1962 tötete eine schwere Grubenexplosion 21 Arbeiter. Elf blieben für immer in der inzwischen geschlossenen Mine. Ihr Andenken wahrt der Kings Bay Veteranklubb: rund 100 Ehemalige, die heute verteilt in Norwegen leben. „Ny Ålesund war immer in unseren Herzen“, erklärt Anne Ødegaard Thevik. Deshalb ist sie für ein paar Wochen wieder hier oben, verkauft Kaffee und Waffeln für den guten Zweck: Der Erlös soll es Angehörigen der Toten ermöglichen, herzukommen. Nebenan im Museum berichtet ihr Bruder Jon Aage Ødegaard den Besuchern von der Geschichte des Ortes. Er hat selbst einst in der Mine gearbeitet. Jetzt ist er für zwei Wochen wieder hier und empfängt die Gäste von der MS Fram.

Wo auch immer die an den nächsten Tagen von Bord gehen und mit ihren kleinen Booten anlanden, geben sie ein ulkiges Bild ab. In den hellblauen Jacken, die im Preis eingeschlossen sind, wirken sie wie uniformiert. Bunte Punkte in der kargen Gegend. Eis und Schnee gibt es im Sommer selbst dort im hohen Norden kaum. Stattdessen viele Vögel, die bei den Landausflügen erklärt werden.

Und an Land stehen Mitglieder des MS-Fram-Teams mit der Flinte parat. Falls plötzlich ein Eisbär kommt.

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