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Kanada

Im wilden Norden: die Northwest Territories

Yellowknife - Hoch im Norden ist es ruhig. Die Provinz Northwest Territories in Kanada ist dreieinhalb mal so groß wie Deutschland - doch es leben dort nur 40.000 Menschen. Das klingt doch ganz nach einem außergewöhnlichen Reiseziel . . .

Gunnar A. Pier

„Willkommen im Paradies“: Teds „Beaver“ steht auf dem Little Doctors Lake in den Northwest Territories. Wer hier Urlaub macht, muss sich selbst beschäftigen können. Foto: Gunnar A. Pier

Irgendwann hatte Carloz Gonzalez einfach genug von allem. Von der Stadt, dem Lärm, dem Tempo. Er kündigte seinen Import-/Export-Job, verkaufte das Haus und die beiden Autos und haute ab. Auf der Karte sah er, dass es bei Yellowknife einen riesigen See gibt. Deshalb zog Carloz Gonzalez in die Northwest Territories. Heute ist er dort ein kleiner Unternehmer, bietet Bootsausflüge aufdemGreat Slave Lake an. Der ewige Aussteiger hilft Aussteigern auf Zeit.

Endlose Weiten auf Erden sind garantiert

Wer das normale Leben –  sei es für immer oder nur auf Zeit –hinter sich lassen möchte, ist in den Northwest Territories grundsätzlich gut aufgehoben. Die Provinz in Kanadas Nordwesten ist mehr als dreieinhalb mal so groß wie Deutschland. Trotzdem wohnen dort nur gut 40.000 Menschen, rund die Hälfte alleine in der Hauptstadt Yellowknife. Endlose Weiten auf Erden sind also garantiert. Wer hier abschalten möchte, sollte sich selbst beschäftigen können. Für Wandertouren zu Fuß oder mit dem Kajak ist die Gegend ideal. Wer shoppen möchte, Nachtleben, Kulturhighlights (oder einfach nur Handyempfang) zum Glück braucht, ist hier falsch.

„Ist doch ein perfekter Tag“, sagt Carloz Gonzales und rückt seine Sonnenbrille zurecht, damit ihm der 17  Grad kalte Regen nicht in die Augen gerät. Fast klingt es wie Koketterie. Immerhin versichert er: Auch bei -35 Grad fährt er noch raus. Sein Leben auf dem See: selbstgewählt, stets geliebt. Neun Boote hat er und kann  Ausflüge für bis zu 100 Teilnehmer organisieren. Inklusive erster Angel-Versuche, Vogel-Fotografie und rustikal überm Lagerfeuer gebratenen Fischs irgendwo am Ufer.

Yellowknife: „Diamanten-Hauptstadt von Nord-Amerika“

„Ist doch ein perfekter Tag“: Carloz Gonzales strahlt auf dem Great Slave Lake auch bei 17 Grad und Regen. Foto: Gunnar A. Pier

Reiseland Kanada

Kanada ist als Reiseziel besonders bei Deutschen sehr beliebt. Die Redaktion hat Tipps für einen Urlaub auf der anderen Seite des Atlantiks zusammen gestellt. Eine Übersicht gibt's hier.

Carloz und seine Törns auf dem Great Slave Lake gehören zu den Attraktionen, mit denen  Yellowknife um Touristen wirbt. Außerdem: Diamanten. Drei Minen gibt es in der Umgebung. Und wenn Peter Neugebauer über die Diamanten spricht, strahlt deren Funkeln gewissermaßen auch aus seinen Augen. „Diamanten-Hauptstadt von Nord-Amerika“ nennt sich Yellowknife, und der Wirtschaftsförderer der Stadtverwaltung ist beseelt von dem Gedanken, diesen Slogan zum Leben zu erwecken. Im Januar soll ein Besucherzentrum in der Stadtmitte eröffnet werden. Dann können Interessierte die Diamanten endlich nicht mehr nur kaufen, sondern auch alles über die Entstehung und den Abbau erfahren. 70 000 Besucher kommen jährlich in die 21 000-Einwohner-Metropole. Die Hälfte sind Geschäftsreisende.

Von solchen Zahlen können sie in Fort Simpson nur träumen. Kein Wunder: Wer es beispielsweise über Calgary nach Yellowknife geschafft hat, muss noch einmal eine Stunde fliegen, um in dem 1250-Seelen-Nest zu landen, das malerisch am großen Mackenzie-River liegt. Hier erinnern sie gerne an die große Pelzhandels-Tradition – und an den Besuch von Papst Johannes Paul II., der 1987 von einem Holz-Tipi aus eine Messe für 5000 Gläubige las. Der Stolz von Fort Simpson: Das Tipi steht noch.

Nahanni National Park

Pilot Ted Grant Foto: Gunnar A. Pier

Kaum zu glauben, dass ausgerechnet dieses Nest Ausgangspunkt ist für ein Abenteuer der ganz besonderen Art: einen Ausflug in den Nahanni National Park. Seine riesigen Canyons können es mit dem Grand Canyon aufnehmen, und am zentralen Wasserfall Virginia Falls stürzen die Fluten fast doppelt so weit in die Tiefe wie an den berühmten Niagara-Fällen.

Wenn Ted Grant die Hebel im Cockpit zieht und landet, setzt seine 60 Jahre alte DHC-2 „Beaver“ nicht auf, sondern taucht leicht ein. Weil es im Nahanni National Park auch keine Landebahn gibt, fliegt TedGrant seine Passagiere mit einem Wasserflugzeug in die wilde Gegend. Nach einer Ehrenrunde über die spektakulären Virginia Falls landet er oberhalb auf dem Nahanni River: Zeit für eine Wanderung.

Gemsengleich turnt der 63-Jährige über Stock und Stein. Topfit. Er war bei der traditionsreichen Bundespolizei („RCMP“), bevor er die Fluggesellschaft Simpson Airkaufte. Rund 3000 Mal ist er schon in den Nationalpark geflogen. Drei Bruchlandungen überlebte er – und ist stolz drauf!

Im Wasserflugzeug zum Little Doctor Lake

Nach dem Wasserfall-Ausflug geht’s noch einmal im Tiefflug über die Höhen der Nahanni-Berge. Nach einer Stunde taucht die „Beaver“ in den Little Doctor Lake ein. „Willkommen im Paradies“, sagt Pilot Ted. Hier, mitten in der Gegend, hat er ein Blockhaus gebaut. Diese „Nahanni Mountain Lodge“ vermietet er beispielsweise an Hochzeitspaare. Hier setzt er sie ab und überlässt ihnen Hütte, Strand – das Paradies auf Erden. Zum vereinbarten Zeitpunkt sammelt er sie mit dem Flugzeug wieder ein.

Bis dahin sind auch sie: Aussteiger auf Zeit.

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