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Marokko

Strand, Orient und Berber

Die Avenue Mohammed VI. in Marrakesch ist die längste Straße Marokkos. Die überdimensional breite Prachtstraße lässt erahnen, wie sich der als weltoffen geltende Monarch sein Land vorstellt. Moderne Glasbauten mit Büros, Einkaufszentren, Kinos, Diskotheken und Hotels, die schon beim Blick von außen kaum Wünsche offen lassen. Hier ist die Moderne angekommen.

Peter Werth

Gut getarnt:Ein Berberdorf im Atlasgebirge. Peter Werth Foto:

Aber das echte Marrakesch – der Orient schlechthin – ist an ganz anderer Stelle zu entdecken. Noch immer schlägt das Herz der alten Stadt auf dem bekannten Platz Djemaa el Fna (Platz der Geköpften). Hier tummeln sich eben nicht nur die Touristen, sondern die Marokkaner selbst sind hier – vor allem am Abend – unterwegs. Menschenmassen drängen auf den Platz, Geschichtenerzähler scharen Menschen jeden Alters um sich, Berberfrauen zerren manchmal ungeduldig an den vorbeigehenden Frauen, um deren Hände mit Henna-Malerei zu verzieren. Sogar Schlangenbeschwörer locken mit ihren sich windenden Vipern.

Und ehe man sich versieht, ist man auch schon im Dschungel der Souks verschwunden. Das Gassengewirr, in dem sich Laden an Laden und Verkaufsstand an Verkaufsstand reiht, verschluckt seine Besucher geradezu. „Wenn ihr handelt, dann muss am Ende mindestens 30 Prozent weniger herauskommen“, rät Mohamed Ait Brahim. Der einheimische Reiseführer kennt die Wege wie im Schlaf, führt seine kleine Reisegruppe unaufgeregt durch die Verzweigungen, während von allen Seiten die Händler ihre Waren anpreisen. Mal sind es Gewürze, die sich an den Ständen zu farbenprächtig duftenden runden Pyramiden auftürmen, mal bunt bemalte Keramiken in jeder Größe. Vor allem Lederwaren suchen ihre Abnehmer.

Nach aufwendigem Feilschen, das mit zunehmender Dauer Spaß machen kann, ähnelt es doch einem Wettbewerb, wechseln schließlich zwei kleine Keramikschälchen den Besitzer. „Jetzt sind wir beide zufrieden“, erklärt lächelnd der Händler in einem sprachlichen Kauderwelsch aus Deutsch und Französisch, nachdem er noch von einem Besuch bei einem Verwandten in Dortmund erzählt hat. Und die Borussia kennt er natürlich auch. Der Abschluss des Bummels durch die Souks führt zurück auf den inzwischen in Dunkelheit getauchten Djemaa el Fna. Dort preisen marktschreierische junge Männer die Leckereien an den zahllosen Imbissständen an: Lammspieße auf dem Grill, Hähnchen im Tajine-Tontopf gegart oder Salate mit Tomaten und Gurken. „Kommst du zu mir, bringe deine Freunde mit. Alles zusammen elf Euro und für dich umsonst“, heißt es da. Oder: „Isst du bei mir, garantiert zwei Jahre kein Durchfall.“

Wer die Atmosphäre der Altstadt von Marrakesch 24 Stunden durchgängig erleben möchte, dem sei ein Quartier in einem der herrschaftlichen Riads empfohlen. Eine ganze Reihe dieser Häuser mit einem grünen Garten (Riad) im Atrium ist in den vergangenen Jahren vor dem Verfall gerettet, saniert und in kleine Hotels umgewandelt worden. So zeigt etwa Managerin Nadia das Riad Catalina mit seinen zwölf Zimmern und drei Suiten, die stimmig landestypisch eingerichteten Gästezimmer und den kleinen Pool auf der Dachterrasse des Hauses.

Dem orientalischen Einfluss Marokkos und vor allem der Millionenmetropole am Fuße des Atlas-Gebirges haben sich auch viele Promis des Jetsets nicht verschließen können – Popstar Madonna, Schauspieler Gérard Depardieu und viele andere haben sich dort eingenistet. Ein ganz besonderes Projekt hat der österreichische Multi-Künstler André Heller realisiert. Vor den Toren der Stadt – knapp 30 Kilometer entfernt – hat er 2010 eine 7,5 Hektar umfassende Fläche erworben und dort mit Hilfe marokkanischer Helfer aus umliegenden Dörfern seinen Garten „Anima“ schaffen lassen. „Hier gab es nichts außer ein paar Dornenbüschen“, beschreibt Gregor Weiss. Der Österreicher, eigentlich Filmemacher, hatte sich von der Begeisterung Hellers anstecken lassen und wurde zum Manager des 2016 eröffneten grünen Paradieses. „Ich habe den Traum eines anderen mitträumen dürfen“, erklärt der 41-Jährige, der mit seiner Familie in einem Riad in Marrakesch lebt. Etwa drei Hektar des Geländes sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Neben üppig wachsenden Pflanzen entdeckt der Besucher immer wieder neue Skulpturen, die sich in das Bild einfügen und überraschende Einsichten bieten.

Von Marrakesch ist es nicht allzu weit in das Atlas-Gebirge, dessen höchster Gipfel sich bis auf 4167 Meter erhebt. In den Berberdörfern ist die Moderne ebenfalls angekommen, erzählt Reiseführer Ait Brahim. Was er nicht zwingend positiv sieht. Viele junge Leute verlassen die Gegend, um im Tourismus zu arbeiten – etwa in den Hotels in Agadir an der Atlantikküste, dem Strand schlechthin von Marokko. Zurück bleiben die Alten und die Kinder. Auch der Stil der ehedem aus Lehm gebauten Häuser, die sich an die Hänge lehnen, hat sich verändert. „Heute werden sie aus Beton gebaut, sind im Sommer warm, im Winter kalt“, erklärt der 44-Jährige, der selbst aus einem Berberdorf im Atlas stammt und seit über zwei Jahrzehnten Touristen durch sein Land begleitet. Die Lehmhäuser schafften ein natürliches Raumklima, den Temperaturen angepasst.

Wer den Atlas im puren Luxus erleben will, gönnt sich einen Aufenthalt in der Kasbah Tamadot. Das Anwesen im Dörfchen Asni hat der Brite Sir Richard Branson – Milliardär, Gründer der Virgin-Gruppe und Ballonflieger – von dem italienischen Kunstsammler Luciano Tempo erworben und in ein Hotel mit 28 Zimmern in einem traumhaft begrünten Areal umgewandelt. Der Blick von der Terrasse des Restaurants bietet einen eindrucksvollen Blick auf die Gipfel des Atlas, die auch im Sommer noch mit Schnee bedeckt glitzern.

Wer nach all diesen Eindrücken des Orients seine Sehnsucht nach Strand und Meer stillen will, der fährt nach Agadir. Dort – an der Atlantikküste – gibt es alles, was das Herz des Sonnenhungrigen begehrt.

Einreise: Deutsche Staatsangehörige benötigen einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass.

Währung: Die Landeswährung ist der Marokkanische Dirham (11 MAD entsprechen 1 Euro).

Buchen: Diverse Reiseveranstalter bieten Urlaubsreisen nach Marokko an. Gelungene Kombinationen zwischen Badeurlaub und Kulturtrip sind ein Urlaub in Agadir an der Atlantikküste und ein Aufenthalt in der Millionenmetropole Marrakesch. Bei FTI ist eine einwöchige Kombi-Reise mit drei Nächten in Marrakesch mit Halbpension (Hotel Labranda Rose) sowie vier Nächten in Agadir mit All-Inclusive-Verpflegung (Labranda Amadil Beach) inklusive Flug ab Düsseldorf z.B. am 13. Januar 2018 sowie allen Transfers ab 469 Euro pro Person im Doppelzimmer buchbar.  www.fti.de

www.visitmarokko.com

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