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Ein Roadtrip

Oregon: Kunst, wilde Natur und imposante Meerestiere

Badeurlaub an der Küste Oregons ist schwierig. Der Pazifik ist im Norden der USA das ganze Jahr über rau und kühl. Doch an der fast 600 Kilometer langen Küste gibt es viel zu entdecken. Ein Roadtrip.

dpa

Die Sand Circles am Face Rock State Park sind vergängliche Kunst - der Ozean verwischt die Spuren im Sand. Foto: Verena Wolff

Bandon (dpa/tmn) - Urlaubsreisen in die USA sind wegen der Pandemie derzeit nicht möglich. Doch das ändert nichts daran, dass viele Teile des Landes den Wunsch nach einem Besuch wecken. Auch Oregon ist so ein Traumziel.

Denny Dyke steht am Strand im Face Rock State Park und lässt die Augen über sein riesiges Werk streifen. Kreise haben er und sein Team seit Sonnenaufgang in den Sand gerecht, geschaufelt und gezeichnet, dazwischen Traumfänger, ein Ying-Yang-Zeichen, allerlei Meeresgetier.

Ein ganzes Wegenetz ist entstanden, hier am Strand von Bandon, am südlichen Ende der Küste des US-Bundesstaats Oregon. Gegen neun Uhr wird die Sonne langsam wärmer, Nachbarn und Touristen kommen aus ihren Häusern, Hotels und Wohnmobilen und spazieren zum Sand-Labyrinth, das alle Blicke auf sich zieht.

Ein Roadtrip ohne Schönwetter-Garantie

An Besuchern fehlt es nicht in den kleinen Örtchen entlang des Highway 101, der nicht nur durch Kalifornien führt, sondern auch durch den nördlichen Nachbarn Oregon. Der Staat bietet sich an für einen Roadtrip abseits allzu ausgetretener Pfade. Palmen und warmes Wetter sucht man allerdings vergeblich, auch im Hochsommer. Doch die Reise entlang der schroffen Pazifikküste ist spektakulär.

Keine Megacitys, wenig Selbstdarsteller, kaum Lärm: In Oregon geht es eher gemütlich zu. Ein bisschen öko, alternativ und esoterisch ist man an vielen Orten. Auch bei Denny Dyke am Strand. Mit seinem Projekt hat er vor ein paar Jahren begonnen, eigentlich zur Meditation. «Aber es hat vielen Leuten gefallen, ich bin immer wieder darauf angesprochen worden», sagt der Mann mit dem grauen Bart und dem ausgeblichenen T-Shirt. «Also mache ich mit meinem Team jetzt ein paar Mal in der Woche die Kreise in den Sand.»

Vergänglich ist diese Kunst, denn mit der nächsten Flut ist alles wieder weg. «Genau so soll es auch sein», sagt Dyke.

Begehrte Kunst aus Plastikmüll

Anders als die Sandkreise am Strand ist vieles, was im Pazifik vor der Küste Oregons schwimmt, so gar nicht vergänglich. Müll, Plastik, Styropor, Verpackungen, alte Flip-Flops.

Die Künstlerin Angela Haseltine Pozzi beschäftigt das Problem schon seit vielen Jahren. «Wir gehen mit Freiwilligen an die Strände in der Umgebung und sammeln den Müll ein, der angeschwemmt wird», berichtet sie. Die Abfälle werden mit Essig gespült und schließlich im Workshop in Bandon nach Farben sortiert. «Da machen auch unsere Besucher mit, ein paar Stückchen hier, ein paar Fetzen da.»

Und dann geht Pozzi ans Werk. Eine große Meeresschildkröte ist in ihrer Galerie zu sehen, fast komplett aus grünem Müll installiert. Ein Korallenriff aus Styroporabfall. Ein Wal-Skelett aus Plastikflaschen. Und ein riesiges Seepferdchen aus Müll in allen Farben. Wochenlang, manchmal monatelang dauere es, bis so eine Skulptur fertig sei. «Aber wir hoffen, die Menschen mit diesen Werken zum Nachdenken zu bringen», sagt die Künstlerin.

Nicht nur in Bandon, sondern auch in anderen Orten in den USA stehen die Skulpturen von Washed Ashore , so der Name der Organisation.

Seltene Grauwale und Orcas auf Durchreise

Auch am Face Rock State Park steht ein Müllmahner, ein Tufted Puffin. Diese Papageientaucher mit zwei markanten blonden Haarsträhnen an ihrem schwarzweißen Kopf kommen an die Küste Oregons, um hier ihr Ei auszubrüten und den Nachwuchs aufzupäppeln. Um sie zu sehen, muss man allerdings die Felsen kennen, die die Puffins frequentieren. Wem das zu mühsam ist, der findet die Tiere im Oregon Coast Aquarium in Newport. Zu sehen sind neben zahlreichen Vogelarten, Seelöwen und Seesternen auch Oktopusse, Quallen und Tiefseebewohner.

Einfacher haben Besucher es mit den größeren Tieren entlang der Küste. Ebenfalls in Newport läuft die «Marine Discovery» zweimal am Tag aus, ein kleines Boot, das zum Whale Watching fährt. Grauwale leben an diesem Stückchen Küste, sie finden ihre Nahrung in einem Riff, das nicht weit vom Strand entfernt liegt. Immer mal wieder tauchen sie aus dem Meer auf, meist angekündigt durch eine meterhohe Wasser-Luft-Fontäne. Dann sieht man ihren dunkelgrauen Rücken.

Einige Grauwale gibt es, die das ganze Jahr an der Küste vor Oregon schwimmen, fressen und sich fortpflanzen. Auch Orcas und Buckelwale werden auf ihren Wanderungen von Alaska nach Hawaii und wieder zurück im Frühjahr und im Herbst gesichtet. Die Küste hinauf und hinunter sind vielerorts Seelöwen und Robben zu sehen. Auch kurz vor dem Point Heceta Lighthouse findet man sie in Scharen.

Die Sea Lion Caves ist das größte Höhlensystem entlang der Küste, in dem sich in den rauen Wintermonaten teils Hunderte Seelöwen vor den Elementen schützen. Im Sommer hingegen findet man sie eher auf den steil abfallenden Felsen, wo sie die Sonne genießen.

Selbstgefangen schmeckt das Seafood am besten

In Kelly's Brighton Marina weiter nördlich am Highway 101, nahe Rockaway Beach, sieht man zwar keine Seelöwen, dafür mit etwas Glück aber Robben. Hier bekommt man außerdem den wohl frischesten Lunch im gesamten Staat - Besucher fangen ihre Krabben selber. Aus kleinen Booten werfen sie markierte Netze aus, die mit Fischkarkassen gefüllt sind. «Crabbing» nennt sich das.

Wer lieber Sand als Wasser unter den Füßen hat, findet an Oregons Küste ausreichend Möglichkeiten, sich auszutoben. Mit dem Fatbike etwa. Die Fahrräder mit den dicken Reifen werden in vielen Orten verliehen. Wilder geht es in der riesigen Dünenlandschaft bei Florence zu - und deutlich lauter. Sandbuggy heißen die Gefährte, die eigentlich nur aus einem Rahmen und Sitzen bestehen. Und einem starken, lauten Motor. Selbstfahren ist verboten.

Wenn der Roadtrip durch Oregon in Astoria sein Ende findet, ist es fast befremdlich, wieder in einer richtigen Stadt zu sein. Mit Hotels, Restaurants und vielen Menschen auf den Straßen. Denn die vier, fünf oder sechs Tage auf dem Highway 101 sind extrem entschleunigend. Zu schön sind die Ausblicke aufs Meer und zu kurvig die Straße, als dass man fest aufs Gas treten müsste.

© dpa-infocom, dpa:210309-99-752059/6

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Oregon

Klima und Reisezeit: Der pazifische Nordwesten ist bekannt für das regnerische Wetter und die eher kühlen Temperaturen, auch in den warmen Jahreszeiten. Im Sommer allerdings kann auch beständig die Sonne scheinen, die Temperaturen sind sehr angenehm.

Anreise: Von Deutschland aus gibt es Direktflüge nach Portland. Alternativ kommt man über eine Umsteigeverbindung an der Ostküste, Chicago, Seattle oder San Francisco nach Oregon. Wer einen Roadtrip von Norden nach Süden plant, kann auch in Seattle starten und fährt vom Flughafen knapp drei Stunden nach Astoria.

Einreise und Corona-Lage: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum für die USA, müssen aber eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen. Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre. Derzeit sind touristische Einreisen in die USA aufgrund der Pandemie nicht möglich.

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