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Der Star der 90er Jahre

Windsurfen Reloaded:
Wie jetzt der Wiedereinstieg in den Trendsport der 90er gelingt

Geradezu unaufhaltsam rollte Ende der 80er Jahre ein neuer Trendsport über Deutschland: Das Windsurfen erlebte einen beispiellosen Aufwind. Sportliche blond gelockte braun gebrannte Typen prägten über Jahre das lässige Image der Branche, im Vorabendprogramm flimmerte die Fernsehserie „Gegen den Wind“ mit Hardy Krüger Junior und Ralf Bauer über die Bildschirme, und so manch ein Windsurfer denkt gern zurück an das eine oder andere Meet & Greet mit Größen wie Robbie Naish oder Björn Dunkerbeck auf der boot Messe in Düsseldorf. Mit teils über 40.000 verkauften Surfbrettern pro Jahr verzeichnete das Windsurfen auch wirtschaftlich große Erfolge. Doch Ende der 90er Jahre ebbte der Trend etwas ab. Von da an sah man weniger Surfsegel und etwas mehr Kites an den Stränden.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Was sich zu heute verändert hat

Wer damals mit dabei war und nun nach einer Kinder- und Familienpause wieder in seinen einstigen Lieblingssport hineinschnuppern möchte, der wird in mehr als einer Hinsicht überrascht. Zum einen wird er feststellen, dass die Marktpreise mittlerweile explodiert sind. So haben sich beispielsweise die Board-Preis innerhalb von 30 Jahren etwa verdrei- bis -vierfacht. Die Inflation trug sicherlich auch ihren Teil dazu bei, jedoch ist vor allem auch der technische Fortschritt und das stetige Streben nach Materialoptimierung sind Preistreiber. Hierin liegt die zweite Überraschung für den wiedereinsteigenden Windsurfer. Beispielsweise haben neue Materialien und Produktionstechniken im selben Zeitraum fast zu einer Halbierung der Surfboard-Gewichte geführt. Ebenso haben zahlreiche technischen Neuerungen das Leben eines Windsurfers sehr vereinfacht und die Vor- und Nachbereitungszeit zugunsten der Zeit auf dem Wasser reduziert. Zu nennen sind hier diverse Quick-Release-Systeme bei Trapezen, Mastfüßen u.a., Flaschenzugsysteme und Trimmhilfen zum Vereinfachen des Segel-Trimms oder auch der Gabelbaum-Schnellverschluss, der heute als Standard etabliert ist. Während man früher vor allem an Land beim Aufbauen des Materials Technik und Geschick brauchte, kann man sich in dieser Hinsicht nun auf dem Wasser ausleben. Und trotzdem lohnt sich wie immer vor größeren Ausgaben ein genauer Blick darauf, was am Equipment heute von Bedeutung ist.

Wiedereinstieg ins Windsurfen: Worauf man achten soll

Manch ein Ex-Windsurfer stellt sich angesichts der Neuerungen und der Vielzahl der Marken, Modelle und Qualitäten die Frage, was nun für einen möglichen Wiedereinstieg unverzichtbar und was sinnvoll ist. Hierzu soll dieser Ratgeber eine Orientierung geben.

  • Das Surfbrett
    Moderne Allround-Freeride-Boards sind heute deutlich breiter und kürzer, verfügen über eine breitere rundere Nose und sind deutlich leichter als früher. Der größere Volumenanteil im Bug erleichtert das Angleiten, stört aber dann in der Gleitfahrt, wenn der Bug weiter aus dem Wasser kommt, nicht mehr. Das kürzere Board ist kippstabiler und gutmütiger durch seine Breite und drehfreudiger. Um in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, sollte man als Wiedereinsteiger, der ein universelles Board für Freerace bis Bump & Jump Bedingungen sucht, auf folgende Spezifikationen achten: Das Board sollte maximal 260 cm lang sein, mindestens 75 cm breit sein und je nach Gewicht des Surfers 150-220 Liter Volumen bieten. Wenn auch komplette Neueinsteiger das Board nutzen wollen, ist ein Klappschwert hilfreich: Es erleichtert das Höhelaufen und Kurshalten in der Verdrängerfahrt und stabilisiert das Board. Da auch beim Wiedereinstieg der eine oder andere Schleudersturz zu erwarten sein wird, sollte nicht unbedingt die empfindliche Epoxy-Sandwich-Bauweise gewählt werden, sondern vielleicht eher ein Brett mit robusterer ASA-Außenhülle. Erwähnung finden sollte an dieser Stelle auch die Möglichkeit, mit einem aufblasbaren Windsurfboard wiedereinzusteigen: Viele Hersteller von Inflatable Dropstitch Boards bieten mittlerweile Modelle mit einer Windsurf-Mastaufnahme an. Diese sind bei leichtem bis mittlerem Wind einsetzbar, stoßen dann bei mehr Wind aber an die Grenzen ihres Einsatzbereichs. Sie sind eine kompakte Alternative zu Hardboards, die in Sachen Performance jedoch noch immer nur eine Kompromisslösung darstellen. Wenn es ein Inflatable Board werden soll, dann bitte auf jeden Fall kein SUP Board mit Windsurf-Option, sondern eins mit einem Windsurf Shape, harten PVC-Profilen zum schnelleren Angleiten und natürlich mit Fußschlaufen.
  • Das Segel
    Dies ist das schwierigste Thema unter den Material-Tipps, da es von so vielen konkurrierenden Faktoren beeinflusst wird. Auf der einen Seite möchte man ein leichtes Segel haben, das kompakt und leicht im Handling ist. Daher empfiehlt sich ein recht kleines flaches Segel, beispielsweise für einen normalgewichtigen Erwachsenen ein Wave oder Freemove Segel um die 4 m2. Mit so einer Segelgröße stößt man jedoch nach den ersten Fortschritten schnell an seine Grenzen und müsste erneut in größeres Material investieren, um nicht nur bei Sturm auf seine Kosten zu kommen. Direkt ein größeres und gegebenenfalls profiltieferes Segel anzuschaffen könnten aber unnötig Frust und Muskelkater verursachen, wenn man zum X-ten Mal das schwere hohe Segel aus dem Wasser ziehen muss, dessen Masttasche sich wieder mit Wasser vollgesogen hat. Die Segelgröße und der -typ hängen daher auch eng zusammen mit dem Ehrgeiz, der Sportlichkeit und der Frustrationstoleranz des Wiedereinsteigers. Im Idealfall schaut man nach einem etwas kleineren Segel und wählt die Rigg-Komponenten (Mast, Gabelbaum, Mastverlängerung) so aus, dass sie auch zu einem größeren Segel kompatibel sind.
  • Foto: Colourbox
  • Der Mast
    Wer sich bei dieser Rigg-Komponente nicht in eine hoffnungslose Equipment-Schlacht stürzen möchte, schaut hier ganz genau hin. Denn zwar sind die Masthärten je Länge nach wie vor genormt und identisch mit denen aus den 90er Jahren, allerdings haben sich nahezu alle Biegekurven verändert. Es ist logisch, dass ein Segel, dessen Masttasche für eine bestimmte Mastbiegekurve geschneidert wurde, mit dem falschen Masten nicht sein volles Potential entfalten kann. An dieser Stelle beschränken wir uns auf die Empfehlung, genau zu prüfen, dass die jeweilige Mast-Biegekurve zum Segel passt. Für ausführliche Erklärungen und technische Details kann man hier weiterlesen: Windsurf-Mastbiegekurven bei Surfshop W7
  • Der Gabelbaum
    Denkbar einfach wird es bei der Auswahl eines Gabelbaums. Es gibt fast nur noch Booms mit axial verstellbaren Kopfstücken aus hochfestem T8-Aluminium, selbstverständlich längenverstellbar und mit Schnellverschluss. Zwei Punkte zur näheren Betrachtung bleiben: Erstens müssen Gabelbäume für Masten, die einen reduzierten Durchmesser haben (abgekürzt RDM) natürlich eine geeignete Mastaufnahme am Gabelbaum haben. Außerdem sollte für ein profiltiefes Freerace-Segel nicht unbedingt ein schlanker Wave-Gabelbaum verwendet werden, um zu verhindern, dass das Segel unter Druck am Holm des Gabelbaums anliegt. Ansonsten hat man ziemlich die freie Wahl.
  • Die Finne
    In der Regel werden Surfbretter mit einer Finne ausgeliefert, die für den Einsatzbereich des Boards passend ist. Manche Hersteller lassen diese jedoch weg, weil sie finden, dass der optimalen Finne so viel Bedeutung zukommt, dass dies immer eine individuelle Auswahl werden muss. Statt weitschweifiger Darstellungen zur idealen Länge, Fläche und Form der Finne empfehle ich diesen Windsurf-Finnen-Rechner.

  • Nicht zu vergessen…
    … die Startschot: Sie ist das Gummiseil, das den Mastfuß mit dem Gabelbaum verbindet und im Zweifelsfall zum Lebensretter werden kann, wenn beispielsweise der Wind für einen Wasserstart plötzlich fehlt,
    … der Neoprenanzug, der den Surfer auf dem Wasser vor Unterkühlung und Sonnenbrand schützt,
    …der Mastfuß, der natürlich zu Mast-Durchmesser und Board passen muss.

Bei Beachtung dieser Tipps kann man nicht mehr ganz viel falsch machen, so dass die Wiederentdeckung des Windsurfsports ein Erfolg werden kann.

Neuste Entwicklungen im Windsport: Das Foil

Leichtfüßig über das Wasser schweben, ohne dass das Board noch Kontakt zum Wasser hat und dadurch gebremst wird – das ist das neue Freiheitsgefühl, das einem das Windsurfen mit einem Hydrofoil statt einer Finne ermöglicht. Die Tragflächen des Foils heben dich auf deinem Board sanft aus dem Wasser. Manch ein Surfmagazin spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem Gefühl des Fliegens. Was einfach aussieht, erfordert etwas Übung, ein gutes Koordinationsvermögen und ein ausgeprägtes Gleichgewichtsgefühl, da man sich im Vergleich zum normalen Windsurfen gleich in drei Dimensionen ausbalancieren muss. Die noch relativ junge Disziplin ist jedoch so beliebt, dass sie bereits olympisch ist. Wer als Wiedereinsteiger ins Windsurfen auch für diesen neuen Trend des Foilsurfens gerüstet sein will, sollte bei der Anschaffung des Boards ein paar Euros mehr in die Hand nehmen und darauf achten, dass im Brett ein verstärkter Finnenkasten verbaut ist, der als „Foil-ready“ bezeichnet ist. So steht auch dem späteren Foil-Spaß ohne Sorge vor Schäden oder einer Gewährleistungseinschränkung nichts mehr im Weg.

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