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Sonderveröffentlichung

Der Mangel an LKW-Fahrern und seine Folgen

Zugegeben, ein wirklicher Traumberuf war LKW-Fahrer noch nie. Zumeist sind es Tätigkeiten wie Polizist, Feuerwehrmann oder Arzt, welche das Interesse von Kindern und Jugendlichen auf sich ziehen. Doch noch nie war das Image eines Truckers so schlecht wie heute.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox.de

Die Zeiten, in denen dieser Beruf mit einem Freiheitsgefühl verbunden wurde, sind längst vorbei. Heute sprechen LKW-Fahrer teilweise sogar von einer Art Sklaverei. Unmenschliche Arbeitsbedingungen, permanenter Zeitdruck und schlechte Bezahlung prägen das Berufsbild. Daher verwundert es nicht, dass immer mehr Fahrer ihrem Job den Rücken kehren und sich ein anderes Betätigungsfeld suchen. Der Mangel an LKW-Fahrern stellt daher inzwischen eine ernsthafte Bedrohung für die Versorgungslage in ganz Europa dar.

Autonomes Fahren als Lösung?

Dass Abertausende autonom fahrender LKWs durch Deutschland rollen und den Beruf des Fernfahrers überflüssig machen, ist derzeit noch Zukunftsmusik. Dennoch ist die Branche in Bewegung. Kürzlich hat MAN ein spannendes Pilotprojekt im Hamburger Hafen erfolgreich abgeschlossen. Auf dem Hafengelände wurden dabei zwei selbständig fahrende LKWs eingesetzt, deren Fahrerkabinen ausschließlich aus Sicherheitsgründen noch mit einem Fahrer besetzt waren. Ein Eingreifen war nur für Notfälle vorgesehen. MAN erweist sich auf diesem Sektor als außergewöhnlich innovativ und setzt sich ehrgeizige Ziele. Die Serienreife für autonom fahrende Trucks ist für das Jahr 2030 anvisiert.

Ursachen für den Fahrermangel

Seit einigen Monaten richtet man besorgte Blicke nach Großbritannien, wo massenhaft LKW-Fahrer fehlen und teilweise bereits Versorgungsengpässe in erheblichem Ausmaß entstanden sind. Supermarktregale blieben leer, Tankstellen hatten keinen Sprit mehr. Doch allzu weit ist Deutschland von dieser Krise nicht entfernt, denn auch hierzulande fehlen Trucker. Von 60.000-80.000 ist die Rede. Und es werden jedes Jahr mehr, denn es werden nur halb so viele neue Lizenzen ausgegeben wie aktive Fahrer aus dem Dienst ausscheiden. Den Grund nur in der mangelhaften Bezahlung zu suchen, wäre falsch. Zwar liegen die Bruttolöhne tatsächlich in einem Bereich deutlich unter 3.000 Euro monatlich, jedoch greift der monetäre Aspekt zu kurz. Viele Fahrer beklagen die miserablen Arbeitsbedingungen. In erster Linie erweist sich der permanente Zeitdruck als besonders lästig. Dazu kommt, dass es zunehmend schwieriger wird, die Ruhezeiten einzuhalten. Denn es fehlen Zehntausende von Parkplätzen. Und die vorhandenen sind oft unkomfortabel und gewährleisten nicht die nötige Sicherheit. Gerade für weibliche Fahrer ist dies oft problematisch. Aber auch die hohen Einstiegshürden wirken sich auf die Attraktivität des Berufsbildes negativ aus. Ein LKW-Führerschein kostet aktuell in etwa 10.000 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es seit dem Wegfall des Grundwehrdienstes keine Möglichkeit mehr gibt, den Schein im Rahmen der Bundeswehrzeit zu erlangen. Dies war noch vor Jahren gängige Praxis.

Wege aus der Krise

Natürlich ist eine Steuerung über Geld immer ein Anreiz. Doch wenn eine nachhaltige Steigerung der Fahrerzahlen erreicht werden soll, darf es nicht beim finanziellen Aspekt bleiben. Die Arbeitsbedingungen müssen sich auf verschiedenen Ebenen verbessern. Mehr Flexibilität bei Ruhezeiten, genügend Parkplätze in vernünftiger Qualität und eine generell deutlich höhere Wertschätzung des Berufes sind Mindestvoraussetzungen, um dem Schwund an Fahrern entgegenzuwirken. Dies kann nicht von heute auf morgen geschehen, doch der Weg muss gegangen werden, wenn man mittelfristig verhindern will, dass auch in Deutschland die Regale leer bleiben.

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