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Ist Kopf tätscheln tabu?

So streichelt man einen Hund richtig

Hamburg (dpa/tmn)

Egal ob im Park, in der Stadt oder im Aufzug: Hunde sind überall. Wer die Vierbeiner gerne mag, möchte sie auch mal streicheln. Um negative Erfahrungen zu verhindern, sollte man aber einiges beachten.

Von Silvia Hartwig, dpa

Ohne den Besitzer zu fragen, sollte man nicht einfach einen Hund streicheln. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Beim Verlassen des Hauses kommt einem der neue Nachbarhund freudig entgegen. Während er am Hosenbein schnüffelt, tätschelt man ihm liebevoll über den Kopf. Die Nachbarin grüßt zwar freundlich, aber nimmt den Hund zur Seite. War das Streicheln keine gute Idee? Vor allem niedliche Hunde mit flauschigem Fell verführen viele Menschen dazu, sie zu berühren, ohne den Besitzer zu fragen.

Dabei sollte man das Streicheln lieber unterlassen: «Eine fremde Person sollte nicht ohne Weiteres auf einen Hund zugehen und ihn anfassen wollen», sagt Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und eine der Autorinnen von «Hunde - alles, was man wissen muss».

Beobachten statt Streicheln

Da man bei einem fremden Hund nicht wisse, an welchen Körperstellen er gern oder ungern gestreichelt wird, könne er sich bedroht fühlen: «Ich weiß nicht, ob der fremde Hund das Anfassen als Bedrohung interpretiert, dann Angst bekommt und eventuell aggressiv reagiert», sagt Schöning.

Daher sollten fremde Hunde nur beobachtet werden. Das fällt vielleicht schwer, aber «Hunde sind nicht auf dem Planeten, damit wir sie anfassen können», sagt Justina Lempe, Gründerin der freien Hundeschule Berlin und Autorin von «Mein Hund - mein Freund: Das Trainingsbuch für Jugendliche».

Auch wenn ein Hund im Park auf einen fremden Menschen zugeht, bedeute das nicht zwangsläufig, dass er gestreichelt werden möchte. Hunde seien einfach neugierig. Daher solle man auch dann vermeiden, ihn anzufassen: «Ich würde einen fremden Hund schnüffeln lassen und dann gegebenenfalls weitergehen», sagt Schöning. Auch wenn man sich gut mit den Vierbeinern auskennt, sollte man das Streicheln lieber lassen oder zumindest den Besitzer vorher um Erlaubnis fragen.

Doch was mache ich als Besitzer, wenn jemand ungefragt meinen Hund tätschelt und ich das nicht möchte? Schöning rät zu folgender Erklärung: «Mein Hund schätzt es nicht, wenn er gestreichelt wird.» Allerdings akzeptieren manche Menschen diese Begründung nicht. «Da würde ich einfach sagen: Mein Hund hat Flöhe oder er beißt», sagt Rene Luczyk, Inhaber der Hundeschule «Pfotentreff» in Olfen. Auch Schöning findet in diesem Fall eine Notlüge in Ordnung.

Signale richtig deuten

Wenn man zu Besuch bei Hundebesitzern ist, ist der Kontakt zu den Tieren länger, der Hund nach einiger Zeit vertrauter. Dann könnte man versuchen, den Hund vorsichtig zu streicheln. Man sollte aber unbedingt auf ein paar Signale achten: Wenn er berührt werden möchte, dann erkenne man es laut Schöning daran, dass der Hund einen entspannten Eindruck mache, besonders im Gesicht, sich vielleicht auch an den Menschen herandrücke. Beim Streicheln solle der Körper des Hundes unter der Hand locker sein.

Sei der Hund dagegen angespannt, sollte man ihn auf keinen Fall streicheln. Dies zeige sich zuerst durch ein angespanntes Gesicht, häufig auch durch einen leicht abgewandten Kopf, bevor dann auch der Körper angespannt wird. «Sobald die Hunde sich wegdrehen, wollen sie aus der Situation raus», erklärt Rene Luczyk. Ein weiteres Signal für die Ablehnung der Streicheleinheiten sei es, wenn der Hund sein Gewicht auf die andere Seite verlagere.

Auch zugekniffene Augen, nach hinten gerichtete Ohren oder völlig regungslose Hunde seien kein gutes Zeichen: «Viele Hunde frieren auch ein, wenn ihnen etwas unangenehm ist», sagt Justina Lempe. Das sei ein eindeutiges Zeichen, welches viele aber nicht sehen würden und sich dann wundern, warum der Hund plötzlich zuschnappe. Lempe empfiehlt Hundeliebhabern zu warten, bis der Hund selbst Kontakt zum Menschen aufnimmt.

Wenn man beispielsweise bei Hundebesitzern zu Besuch sei, könne man sich an den Tisch setzen und schauen, wie der Hund reagiert. Dieser könne dann unter den Tisch kriechen und sich langsam an den Menschen herantasten. Da die Signale des Hundes für Menschen ohne Hundeerfahrung und Kinder nicht gut zu erkennen sind, sollten sie besonders vorsichtig sein. Das gilt auch bei Welpen, die laut Luczyk und Lempe gerne mal in die Hand beißen. «Junge Hunde wollen lieber spielen», erklärt Justina Lempe.

Fremde Hunde nur am Rücken streicheln

Wenn klar ist, dass der Hund gerne gestreichelt werden möchte, sollte man laut Rene Luczyk dafür am besten in die Hocke gehen, anstatt sich über ihn zu beugen, denn das könnte er als Bedrohung wahrnehmen. Dann solle man ihn erst an der Hand schnüffeln lassen. Lempe findet das dagegen unnötig, da die Vierbeiner auch mit zwei Metern Abstand gut riechen würden: «Aus der Hundesicht ist das sehr unhöflich, weil das eine Vorwärtsbewegung in die Individualdistanz ist.»

Sie würden Beschwichtigungssignale zeigen, wie Gähnen oder Lecken über den Nasenspiegel, weil sie sich mehr Distanz wünschten. Lempe und Luczyk sind sich aber darüber einig, dass man einem fremden Hund nicht in die Augen starren sollte. Außerdem solle man ihn lieber nicht am Gesicht, am Kopf oder am Bauch streicheln. Auch Umarmungen seien tabu.

Der Hund fühle sich dadurch eingeengt und das könne ihn aggressiv machen. «Ich falle einem fremden Menschen auch nicht einfach so um den Hals», sagt Luczyk. Auch während der Nahrungsaufnahme sollte ein fremder Hund generell nicht gestreichelt werden. Das führe dazu, dass der Hund anfange zu schlingen oder sogar beißt, da er sein Futter verteidigen möchte.

Vorlieben des eigenen Hundes berücksichtigen

Während man bei einem fremden Hund bestimmte Partien nicht berühren sollte, ist beim eigenen Hund alles erlaubt, was diesem gefällt. «Der Besitzer weiß ja in der Regel am besten, wo und wie sein Hund gerne angefasst wird. Da gibt es kein richtig oder falsch», sagt Schöning. Wenn es dem Hund gefällt, dann dürfen Besitzer ihren Hund auch am Bauch und am Kopf streicheln, so Rene Luczyk.

Viele Hunde legen sich laut Justina Lempe auf den Rücken und präsentieren ihren Bauch, das sei ein eindeutiges Zeichen, dass sie sich dort Streicheleinheiten wünschen. Auch wenn sie ihren Kopf an ihren Besitzer legen oder anders Körperkontakt suchen, sei Schmusen erwünscht. Ein No-Go ist für Luczyk, den Hund an die Seite zu klopfen. «Das ist eine schreckliche Angewohnheit». Das gefalle keinem Hund und könne im schlimmsten Fall zu inneren Verletzungen führen.

Laut Schöning und Lempe dürfe man den eigenen Hund sogar umarmen und küssen, wenn der Hund es toleriert. Man sollte nur schauen, dass es ihm nicht zu viel wird. Außerdem sollte der Vierbeiner entspannt sein. Drinnen auf dem Sofa treffe das eher zu als draußen, wo herumgetobt wird. Seinen Hund sollte man dagegen nicht streicheln, wenn er gerade Fehlverhalten zeige. Das signalisiere dem Vierbeiner, dass sein Verhalten richtig war. «Der Hund kann das als Verstärkung verstehen», sagt Luczyk.

Laut Schöning sei es gar nicht gut, den Hund aus dem Schlaf aufzuschrecken, weil man ihn gerade streicheln möchte. Wer seinem Hund eine besonders angenehme Streicheleinheit gönnen möchte, für den hat Lempe einen «absoluten Geheimtipp, der aber eklig ist»: Man könne den Hund im Ohr kraulen und ihn dann das Ohrenschmalz abschlecken lassen. «Da stehen alle Hunde drauf», sagt die Hundetrainerin.

Service:

Barbara Schöning: «Hunde - alles, was man wissen muss», Kranckh-Kosmos Verlags-GmbH, 224 Seiten, 9,99 Euro, ISBN-13: 978-3440148846.

Justina Lempe: «Mein Hund - mein Freund: Das Trainingsbuch für Jugendliche», Verlag Eugen Ulmer, 96 Seiten, 15.90 Euro, ISBN 978-3-8001-3347-5.

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