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Kostendruck für Gemeinden: Sparpotenziale nutzen – und die Umwelt schützen

Wer auf sein Geld achten muss, muss immer auch versuchen, einzusparen, ohne dabei Elementares zu vernachlässigen – in dieser Hinsicht ähneln sich Kommunen und Privathaushalte bemerkenswert. Dabei haben erstere jedoch auch eine große Bandbreite an Sparoptionen, die gleichzeitig auch die lokale Natur und/oder die Gesamtheit der Umwelt schützen können. Hierdurch wird es nicht nur möglich, den Gemeindehaushalt zu verbessern, sondern tatsächlich etwas Gutes zu tun – eine wirklich charmante Win-Win-Situation.

Aschendorff Medien

Foto: stock.adobe.com © mm_201

1. Optimierte Leuchtmittel im öffentlichen Raum einsetzen

Die nächtliche Beleuchtung von Straßen, Wegen und Plätzen obliegt typischerweise der Gemeinde, zu der diese Areale gehören. Und was den Stromverbrauch anbelangt, können sich hierbei selbst Strompreise für kommunale Abnehmer mit der Zeit zu großen Summen läppern. Tatsächlich kommen verschiedene Analysen zu dem Schluss, dass (weltweit) etwa 40 Prozent der gesamten Energiekosten von Gemeinden nur auf die Straßenbeleuchtung zurückzuführen sind.

Doch es ist nicht nur das Geld, was zur Problematik beiträgt. Es sind auch die umwelttechnischen Folgen: Eine auf herkömmliche Art und Weise beleuchtete Straßenlaterne verbraucht pro Jahr laut schwedischen Untersuchungen zwischen 650 und 1200 Kilowattstunden – der obere Wert ist etwa so viel wie der typische Verbrauch eines Single-Haushalts. Dies entspricht zwischen knapp 400 und gut 700 Kilogramm CO2; ebenfalls pro Laterne und Jahr. Hinzu kommen außerdem noch die Unterhaltskosten: Klassische Leuchtmittel haben im Vergleich die geringste Lebensdauer.

Hier können Gemeinden schon viel einsparen, wenn sie einfach beginnen, jedes ausgefallene klassische Leuchtmittel gegen eine LED-Alternative zu ersetzen. Ähnlich wie in jedem Haushalt hat diese nur einen Bruchteil des Stromverbrauchs – hält aber ungleich länger. Zudem ist die Umrüstung meistens förderfähig über die nationale Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums.

Aber: Kommunen, die gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe erlegen möchten, sollten dabei auf LED-Leuchtmittel mit hohem Rot-Anteil ihres Farbspektrums setzen – diese machen dadurch das Licht nicht nur für Anwohner angenehmer, sondern strahlen nicht so weit, was sich wiederum positiv auf die kontinentale Lichtverschmutzung und die Beeinflussung nachtaktiver Tiere auswirkt.

Wildwiesen benötigen praktisch keine Pflege und sehen dennoch immer attraktiv aus. Dass sie ein wertvoller Lebensraum sind, ist nur das i-Tüpfelchen. Foto: stock.adobe.com © fotografiecor

2. Wildwiesen einrichten

Grünflächen gibt es nicht nur in ausgesprochen ländlichen Gemeinden in unserer Region in Hülle und Fülle. Allerdings machen viele Kommunen hier auch den Fehler, sich unnötige Arbeit und Kosten aufzuhalsen. Denn typische Wiesen, so der Glaube, müssen in regelmäßigen Abständen gemäht werden, um nicht unschön auszusehen und mitunter die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden.

Beides stimmt so aber nicht ganz. Zunächst sei dabei festgestellt, dass gerade die oft großen kommunalen Grünflächen in einem naturbelassenen Zustand einen extremen Mehrwert für die gesamte örtliche Tierwelt darstellen – nicht nur, aber auch für Insekten. Außerdem kann durch das gezielte Einbringen von Wildblumenarten sowohl dieser Vorteil noch weiter befeuert werden wie auch ein sehr charmanter Look generiert werden.

Bleiben die beiden zunächst angesprochenen Kritikpunkte. Diese lassen sich folgendermaßen auflösen:

·         Generell sieht eine solche Wiese nur für wenige Wochen nach dem letzten Mähen ungepflegt aus. Haben alle Pflanzen ihre volle Wuchshöhe erreicht, wird daraus eine natürliche, gewollte Optik.

·         Für die Verkehrssicherheit genügt es, wenn in regelmäßigen Abständen ein gut meterbreiter Streifen entlang der Fahrbahn kurzgemäht wird.

Was bleibt sind wertvolle Biotope sowie zahlreiche eingesparte Personenstunden im Bereich des Bauhofs.

3. Effektivere Bewässerungssysteme applizieren

Kommunale (Straßen-)Baumbestände sehen nicht nur attraktiv aus, sondern erfüllen auch eine wertvolle lokale klimaregulierende Aufgabe. Doch in den jüngsten Hitzesommern wurden sie auch zum vielerorts extremen Kostenfaktor. Pro Hitzetag benötigt ein ausgewachsener Baum je nach Lage (Stichwort Sonneneinstrahlung) zwischen 50 und 60 Liter Wasser.

Sie müssen zudem noch behutsam appliziert werden, um die oft sehr hartgetretenen Baumscheiben um den Stamm herum durchdringen zu können und nicht einfach wegzufließen. Wie lange es angesichts dessen dauern kann, auf herkömmliche (manuelle) Weise durch die Kommunalarbeiter zu bewässern, lässt sich ausmalen – und dabei ist die bei längeren Trockenphasen meist nötige Verwendung von Leitungswasser noch gar nicht eingepreist; so viel Regenwasser bevorratet kaum eine Kommune*.

Eine Möglichkeit, um zumindest das Bewässern zu beschleunigen (weil mit ungleich höherem Durchsatz und Druck gearbeitet werden kann) sind Bewässerungssäcke um den Stamm. Jedoch sehen diese nicht sonderlich attraktiv aus und sind außerdem empfindlich. Zumindest jedoch dort, wo Straßenbäume generell neu gepflanzt werden, kann es sich lohnen, auf zielgerichtete technische Systeme zu vertrauen. Sie bestehen aus Rahmensystemen im Untergrund um den Wurzelballen, die mit Tanks und Tropfsystemen versehen sind. So bekommen auch Bäume in stark verdichteter Umgebung immer genügend Wasser, können schnell bewässert werden und werden trotzdem nicht optisch eingeschränkt.

*Allerdings ist es durchaus eine weitere wertvolle Umweltschutz- und Sparmaßnahme große kommunale Regenwasserspeicher für genau diese Zwecke einzurichten.

Kaum eine Straßenlaterne wird wirklich die ganze Nacht benötigt. Der einzige Vorteil dieser Dauerbeleuchtung ist gefühlte Sicherheit – der jedoch deutlich stärkere Argumente gegenüberstehen. Foto: stock.adobe.com © Patrick

4. Straßenbeleuchtung deutlich reduzieren

Vielerorts stellt nächtliche Straßenbeleuchtung (ferner auch Leuchtwerbung) ein Schauspiel ohne Zuschauer dar – dies gilt nicht nur in nachts leeren Fußgängerpassagen. Angesichts dessen sollten sich Kommunen durchaus fragen, ob es überhaupt nötig ist, das gesamte Stadtgebiet nachts vollflächig zu beleuchten – abermals mit der bereits angesprochenen Lichtverschmutzung und dem Energieverbrauch im Hinterkopf.

Viele Stadtväter argumentieren angesichts solcher Fragestellungen mit möglichen Auswirkungen auf die Kriminalität. Ja, diese gibt es, allerdings nicht im negativen Sinn. Hier können britische Studien als Vorbild gelten. In mehreren Städten auf der Insel wurden schon vor Jahren wegen Sparmaßnahmen die Straßenbeleuchtungen deutlich reduziert. Für mehr Kriminalität sorgte dies nirgends. Entweder blieben die Zahlen gleich oder gingen je nach Viertel sogar deutlich zurück.

Zumal es auch technische Möglichkeiten gäbe: Sensorsteuerungen, welche jede Laterne nur dann ein- oder auf volle Helligkeit schalten, wenn sich Passanten oder Fahrzeuge nähern. Dies würde sämtliche (auch gefühlten) Vorteile beider Vorgehensweisen miteinander kombinieren und ließe sich in vielen Laternenmodellen nachträglich einrüsten.

Viele Kommunen haben nicht annähernd die ausreichende Personalstärke, um ihr Stadtgrün ordnungsgemäß zu wässern. Hier können Baumpatenschaften meist viel Hilfe aus der Anwohnerschaft generieren. Foto: stock.adobe.com © Xato Lux

5. Baumpatenschaften vergeben

Selbst mit Bewässerungssystemen müssen viele Stadtbäume dennoch in regelmäßigen Abständen händisch mit dem kühlen Nass versorgt werden. In einer Zeit, in der kommunale Mitarbeiter sowieso rar sind und zahlreiche wichtigere Aufgaben zu erledigen haben, kann daraus durchaus eine Grundsatzfrage entstehen: Ist es in einem Hitzesommer wichtiger, die Straßenbäume zu tränken oder beispielsweise Fahrbahnen auf hitzebedingte Aufsprengung zu kontrollieren und diese rasch zu beheben? Viele Gemeinden haben definitiv nicht genügend Personal, um beides gleichzeitig zu händeln.

Doch stellt sich auch hier die Frage: Muss es überhaupt so sein? Nicht zuletzt Münster selbst macht es mit einer aktuellen Kampagne vor. 2021 wurde das im vergangenen Jahr gestartete Modellprojekt „Münster schenkt aus“ erweitert. Gesucht werden dafür Baumkeeper, die aus bereitgestellten Wassercontainern das Nass entnehmen und es an mit Bewässerungssäcken versehene Bäume in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld applizieren.

Tatsache ist, dass dies kein Modellprojekt bleiben sollte und in Kommunen jeder Größenordnung funktioniert. Hier wirkt die Tatsache, dass sich viele Anwohner durchaus mit „ihrem“ Baum in der Nähe des Hauses identifizieren können und bereit sind, diesem etwas Pflege angedeihen zu lassen.

Die einzige echte Bedingung ist, dass solche Freiwilligen eine kurze Einweisung erhalten, wann und wie solche großen Gewächse richtig gegossen werden müssen, damit der Effekt nicht buchstäblich verdampft.

6. Baumschnitt sinnvoll verwenden

Bäume und Sträucher zu stutzen, mag zwar nicht natürlich sein, ist jedoch vielfach schon aus Sicherheitsgründen eine Aufgabe, um die sich Gemeinden nicht drücken können – von den Auswirkungen zu starker Abschattung auf die Wohn- und somit Lebensqualität der Anwohner einmal völlig abgesehen.

Viele Kommunen belassen es jedoch beim Abschneiden. Anschließend werden die Überreste geschreddert und bestenfalls kompostiert. Dabei gäbe es auch sinnvollere Optionen:

·         Das Sammeln des zerhäckselten Holzes zum anschließenden Trocknen, Zermahlen und Verpressen – für die Herstellung von Holzbriketts oder -pellets.

·         Das Nutzen größerer Stammabschnitte, um sie gezielt auf kommunalen Grünflächen auszulegen und dort verrotten zu lassen – derartiges Totholz erfüllt dort wie in einem naturbelassenen Wald eine Funktion als wichtiger Lebensraum.

·         Das Versteigern größerer Stammabschnitte an Einwohner der Gemeinde. Ebenfalls zur Nutzung als Brennholz.

Zuletzt sollte jedoch auch über eine Eigennutzung nachgedacht werden: Auch die Räumlichkeiten von Gemeinden benötigen Zentralheizungen, die wiederum den offiziellen Austauschpflichten aus dem neuen Gebäudeenergiegesetz unterliegen. Eine moderne Pellet- oder Hackschnitzelheizung könnte in vielen Gemeindegebäuden zumindest anteilig mit diesem Material betrieben werden, was natürlich die Kommunalkasse entlastet. Werden dabei moderne Rußfiltersysteme integriert, muss so auch keine Kritik bezüglich des emittierten Feinstaubs befürchtet werden.

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