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Klimaschutz wird immer wichtiger

Weihnachtsbaum im Wohnzimmer: Echte Tanne oder Plastik-Baum?

Münsterland

In den Weihnachtsbaum-Plantagen wird wieder kräftig gesägt. Bis Weihnachten sollen mehr als 20 Millionen Bäume in Deutschland verkauft sein. Die Kunden sind wählerisch: Klimaschutz und Ökologie werden ihnen immer wichtiger.

Alena Großkopff/dpa

Symbolbild Weihnachtsbaumverkauf Foto: dpa

Schön gleichmäßig soll er sein, frisch und duftend: Bei der Suche nach dem besten Weihnachtsbaum drehen sich die Gespräche aber immer öfter auch um ökologische Aspekte. Es gehe um Transportwege, Verpackung, Klimabilanz oder den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger, Martin Rometsch. „Das ist ein großes Thema, das uns beschäftigt.“

Vor- und Nachteile des echten Weihnachtsbaums

Ein natürlicher Weihnachtsbaum speichere beim Wachsen Kohlendioxid (CO2). Wenn er in der Region verkauft werde, entstünden nur geringe Belastungen durch den Transport, betont der Geschäftsführer. Neu sind bei ersten Händlern Transportnetze aus nachwachsenden Rohstoffen, die ebenfalls kompostiert werden können.

Natürlich ist ein echter Weihnachtsbaum klassischer und traditioneller als ein Kunstbaum. Er besitzt zudem den Eigengeruch der Tanne, den viele Menschen automatisch mit der Weihnachtszeit verbinden. Ein weiterer klarer Vorteil ist, dass man jedes Jahr aufs Neue beim Kauf entscheiden kann, wie groß der Weihnachtsbaum in diesem Jahr sein soll. So kann er auch mal an einem anderen Standort im Wohnzimmer aufgestellt werden.

Ein echter Weihnachtsbaum hat aber auch einige Nachteile. Denn er muss für wenige Tage extra gefällt werden. Unter Umständen leben sogar noch Tiere in dem Baum, wie beispielsweise Käfer oder Spinnen. Neben den ganzen Weihnachtsstress, wie Geschenke kaufen und verpacken, Wohnung auf Hochglanz bringen, bedeutet der Kauf einer echten Tanne für viele zusätzlichen Stress: Der Baum muss gesucht werden, in Auto verstaut werden, durch die Wohnung getragen werden, abgefallene Nadeln müssen aus dem Kofferraum und dem Haus entfernt werden.

Da in der Weihnachtszeit viele Kerzen angezündet werden, besteht bei einem echten Weihnachtsbaum eine erhöhte Brandgefahr. Der Baum muss zudem regelmäßig gegossen werden, damit er die Festtage halbwegs grün übersteht. Schlussendlich bleibt noch die Arbeit mit der Entsorgung: Der trockene Baum muss an die Straße gestellt werden und die Wohnung erneut von den Nadeln befreit werden.

Wer sein Wohnzimmer mit einem Baum aus heimischer Plantage schmücken möchte, kann mit stabilen Preisen rechnen. Die Spanne für die beliebte Nordmanntanne, liege wie im Vorjahr für die beste Qualität bei 18 bis 23 Euro pro Meter, sagt Rometsch. Er rechnet mit 20 bis 22 Millionen verkauften Bäumen in Deutschland.

Zum Thema

Die Polizei Münster gibt Tipps für einen sicheren Transport im Auto:

1. Der Baum muss durch Spanngurte gesichert werden

2. Ragt der Baum weiter als einen Meter aus dem Kofferraum, muss er durch eine rote Fahne markiert werden

3. Die Beleuchtung und das Kennzeichen dürfen nicht verdeckt werden

4. Bei falscher Ladungssicherung drohen ein Bußgeld und eventuell sogar ein Punkt

Jeder siebte Baum ist künstlich

Mit Sorge sehen die Weihnachtsbaum-Erzeuger die immer häufiger gekauften Plastik-Weihnachtsbäume. Schon wegen des Problems der Entsorgung heißt es bei der Umweltorganisation BUND: „Hände weg vom Plastik-Weihnachtsbaum“. Immerhin dürfte nach einer Marktumfrage bereits fast jeder siebte Weihnachtsbaum in Deutschland künstlich sein, sagt Rometsch. Was spricht für und was spricht sonst noch gegen den künstlichen Weihnachtsbaum?

Die Vorteile eines Weihnachtsbaums aus Plastik: Er hält mehrere Jahre, er nadelt nicht und gerät nicht so schnell in Brand wie das natürliche Original. Auch der oftmals mühsame jährliche Transport samt Auswahl zuvor entfällt. Ziemlich praktisch, sagen die Befürworter.

Wann sich ein Kunstbaum rechnet

Ein anderthalb Meter hohes Standardmodell ohne Beleuchtung gibt es für unter 100 Euro. Zum Vergleich: Ein echter Weihnachtsbaum mit anderthalb Metern Höhe ist im Baumarkt ab 15 Euro zu haben. Benutzt man die Plastik-Tanne also sieben Mal oder häufiger, rechnet sich die Investition. Die Luxusmodelle unter den künstlichen Weihnachtsbäumen kosten dagegen rund 300 Euro – sie sind aus Polyethylen, über zwei Meter hoch und mit integrierter Beleuchtung ausgestattet.

Stark weiterentwickelt hat sich die Produktionstechnik. Während man billigen Bäumen aus PVC deutlich ansieht, dass sie künstlich sind, halten viele Menschen neuere Bäume aus Polyethylen für echt. Weihnachtsbäume, die aus Spritzgussmaterial gefertigt werden, sehen ihren natürlichen Vorbildern zum Verwechseln ähnlich, so die Liebhaber. Zudem gebe es noch einen weiteren Vorteil: Jeder künstliche Weihnachtsbaum rettet einen echten Baum vor der Abholzung.

Negative Ökobilanz für den Kunstbaum

Während Geruch und Tradition Geschmackssache sind, spricht die Ökobilanz deutlich gegen den künstlichen Weihnachtsbaum. Vier von fünf Plastik-Tannen werden aus Fernost importiert – anders als die echten Weihnachtsbäume. Diese kommen in der Regel nicht aus China, sondern aus der Region. Nicht nur, dass die Transportstrecken für natürliche Bäume kürzer sind. Sie sind zudem auch klimafreundlich. Der Grund: Bevor eine Weihnachtsbaumkultur geerntet wird, steht sie zehn Jahre lang. Während des Wachstums bindet sie pro Hektar etwa 145 Tonnen Kohlendioxid.

Tatsächlich empfiehlt auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), das Original dem künstlichen Ersatz vorzuziehen. Bäume aus Kunststoff nadelten zwar nicht, belasteten aber die Umwelt und endeten irgendwann als Plastikmüll in der Tonne. Echte Weihnachtsbäume seien zu Humus kompostierbar – ob im heimischen Garten oder im Kompostwerk. Die Naturschutzorganisation BUND empfiehlt außerdem, Bäume mit Bio-Siegeln aus ökologischer Waldwirtschaft zu kaufen. Denn ohne Pestizide und Düngemittel sei die Ökobilanz des echten Weihnachtsbaumes noch besser.

Zu erkennen sind sie zum Beispiel an den Qualitätszeichen der Bio-Verbände "Naturland" oder "Bioland" sowie am EU-Biosiegel oder dem FSC-Zertifikat für naturnahe Fortwirtschaft. Diese Öko-Vertreter werden allerdings bislang nur vereinzelt auf Biohöfen, bei Waldbauern oder auf Märkten angeboten. Das ebenfalls für Weihnachtsbäume genutzte PEFC Siegel ist kein wirkliches Ökosiegel. Die Waldbauern dürfen Dünger und auch Pflanzenschutzmittel einsetzen ‒ wenn auch in geringeren Mengen als im herkömmlichen Anbau, wie die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite mitteilt.

Umweltfreundliche Deko auf dem Vormarsch

Auch bei der Dekoration spielt die Ökologie eine zunehmende Rolle. „Naturmaterialien aus Bast, Stroh, Schleifen, Holz oder stilvoller Glas-Schmuck spiegeln die Vorfreude aufs Fest - nachhaltig und in eher sanften Tönen“, teilte der Fachverband Deutscher Floristen mit. Aktuell in diesem Jahr sei selbst gemachter Christbaum-Schmuck: aus Papier, Stroh oder Holz. „Auf allzu viel Bling-Bling, Plastik und Kitsch verzichten viele Verbraucher mit Blick auf die 'Fridays for Future'-Bewegung“, sagte Pressesprecherin Nicola Fink.

 

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