1. www.wn.de
  2. >
  3. Freizeit
  4. >
  5. Wohnen
  6. >
  7. Einbruch bemerkt - und jetzt? Die wichtigsten Schritte

  8. >

Einbruch bemerkt - und jetzt? Die wichtigsten Schritte

Zwar ist die Zahl der Wohnungseinbrüche aktuell rückläufig, dennoch ist die Statistik für Deutschland beachtlich. 2021 wurden in der Bundesrepublik 54.236 Wohnungseinbruchdiebstähle verübt. Nordrhein-Westfalen als viertgrößtes Bundesland hatte eine Quote von allein 18.576 Einbruchdiebstählen aufzuweisen. Spitzenführer in der Tabelle ist allerdings Bremen, umgerechnet auf die Zahl von 100.000 Einwohnern.

von Aschendorff Medien

Foto: stock.adobe.com

Die Gefahr ist somit nicht zu unterschätzen, dass Wohnungsinhaber zum Opfer eines Einbruchs werden. In unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen wir auf, wie sich die Betroffenen bei und unmittelbar nach einem Einbruch verhalten sollen und was an späteren Schritten hinterher wichtig ist.

Hilfe Einbruch: Sicherheit geht vor
Der Schreck sitzt tief: Nach einer Veranstaltung, dem Essen mit Freunden oder dem Urlaub kommt man unbeschwert nach Hause. Dort stellt man binnen Sekunden fest, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist. Einbruchsspuren an der Tür, am Fenster oder den Kellerlichtschächten deuten sofort darauf hin, dass hier ungebetene Gäste vor Ort waren oder gar noch sind. Jetzt heißt es besonnenen handeln:

  • Sich bemerkbar machen und dennoch das Haus oder das Grundstück rasch verlassen.
  • Nichts berühren und darauf achten, dass sichtbare Spuren wie Fußabdrücke oder Verschmutzungen nicht zerstört oder abgetragen werden.
  • Von einem sicheren Ort aus - etwa bei Nachbarn - sofort die Polizei rufen: Namen, Adresse und den jetzigen Aufenthaltsort nennen.
  • Wird ärztliche Hilfe benötigt, ist in diesem Fall die Polizei der primäre Ansprechpartner. Sie wird beim Aufruf darauf hingewiesen.
  • Unter keinen Umständen versuchen, die Einbrecher auf dem Grundstück dingfest zu machen.
  • Umgebung nach Auffälligkeiten von einem sicheren Standort aus checken und eventuell Fahrzeugnummern notieren und Fotos machen.

Noch mehr Vorsicht ist geboten, wenn während der eigenen Anwesenheit Einbrecher bemerkt werden. Wer kann, verlässt sofort das Haus oder versucht, über die Notrufnummer 110 die Polizei zu verständigen. Die Polizei rät dringend dazu, nicht den Helden zu spielen. Auf keinen Fall soll Einbrechern der Weg verstellt werden.

Deeskalation statt Gegenwehr ist das richtige Mittel der Wahl. Soweit man bei einer Konfrontation mit dem oder den Einbrechern in der Lage sein mag, ist es sinnvoller, sich Details hinsichtlich der Stimme, des Dialekts oder Akzents, der Größe, Haar- und Augenfarbe und der Kleidung einzuprägen. Ebenso rät die Polizei, von einer Verfolgung abzusehen. Sie hält es für zweckmäßiger, sich eventuell benutzte Autos und deren Kennzeichen zu merken und auf die Fluchtrichtung zu achten.

Die polizeiliche Aufnahme des Einbruchschadens ist eine gute Gelegenheit, sich einen Termin für die Vorstellung von Präventionsmaßnahmen geben zu lassen. Größere Polizeidienststellen haben ein eigenes Team an Fachleuten. Hilfreiche Tipps und Flyer, wie gegen Einbrüche vorgebeugt werden kann, gibt es ebenfalls von der Polizei. Damit sich der Einbruch nicht wiederholt, sollten die von der Polizei oder Sicherheitsfirmen vor Ort genannten Schutzmaßnahmen möglichst bald getroffen werden.

Foto: stock.adobe.com

Fenster können mit einbruchhemmenden Sicherheitsrollläden versehen werden, Kellerschächte mit massiven Gittern. Videoüberwachung, Bewegungsmelder mit Alarmfunktion, akustischer Alarm an Fenster und Türen, automatische Aufzeichnungen von Vorgängen im Haus gibt es in vielfältiger Auswahl. Sie lassen sich zentral steuern. Der nachträgliche Einbau stellt kein Problem dar. Moderne Sicherheitstechnik funktioniert mit Funk, Leitungen müssen nicht verlegt werden. Alles, was für den Betrieb erforderlich ist, sind ein Stromanschluss und ein Telefonnetz, optional auch Internet.

In der Smart-Home-Version ist es den Eigentümern auch in ihrer Abwesenheit möglich, mit einer App die Räume zu kontrollieren. Im Einzelfall kann es zudem sinnvoll sein, Schutzanlagen zu installieren, die einen ausgelösten Alarm direkt an die nächste Polizeidienststelle senden. Auch hierzu bieten Fachfirmen und die Polizei eine ausführliche Beratung an.

Schadensaufnahme: Wohnungscheck für Polizei und Versicherung
Fachleute kennen den Begriff der Stehlgutliste, vielen Leuten ist er jedoch nicht geläufig. Die Hausratversicherung benötigt diese, um das ungefähre finanzielle Ausmaß des entstandenen Schadens zu ermitteln. Auf ihr wird alles aufgeführt, was für die Schadensmeldung erforderlich ist. Wer im Vorfeld zumindest seine Wertgegenstände katalogisiert, hat nun weniger Arbeit. Von teuren Uhren und Schmuck, von Bildern und Sammlerstücken werden bestenfalls bereits beim Kauf Fotos angefertigt, Details und Besonderheiten schriftlich festgehalten und zusammen mit den Kaufbelegen aufbewahrt. Um zu verhindern, dass diese Nachweise eventuell mit beliebtem Diebesgut wie Rechnern oder anderer technischer Hardware gestohlen wird, sollten sie einbruchssicher, beispielsweise in eine Cloud, aufbewahrt werden.

Wurde für besondere Wertgegenstände eine eigene Diebstahlversicherung abgeschlossen, müssen auch Einbruchschäden genau definiert werden. Hat die Versicherung bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zur Bedingung für den Abschluss der Police gemacht, wird sie darauf bestehen, deren Funktion zu überprüfen. Die vor Ort tätigen Einbruchsspezialisten der Polizei werden ebenfalls in der Tatbestandsaufnahme darauf eingehen, was an Abschreckungs- und Schutzmaßnahmen vorhanden ist und ob diese ausgelöst wurden.

Sicherheitsmaßnahmen treffen: Schlösser ersetzen oder auswechseln
Wer Opfer eines Einbruchs geworden ist, wird meist nur mit Bedenken sofort wieder in die eigenen Räume zurückkehren wollen. Oft ist das auch nicht einmal gefahrlos möglich, eingeschlagene Fensterscheiben oder beschädigte Türen bleiben ein Risiko und dienen weiterhin eventuell der Ermittlung. Die gestörten und nicht gefassten Täter könnten zurückkehren, um ihr Werk zu vollenden. Ebenso verleiten offene Türen und Fenster Nachahmer zu weiteren Versuchen, sich am Wohnungsinventar zu bereichern.

Ist der Schaden binnen kurzer Zeit reparabel, kann ein ortsansässiger, bewährter Schlüsseldienst weiterhelfen. Fachleute vor Ort übernehmen zudem eine professionelle Beratung darüber, mit welchen Methoden Türen und Fenster künftig besser abgesichert werden können. Können die Räume nicht sofort wieder genutzt werden, muss nach einer anderen Übernachtungsgelegenheit gesucht werden. Sind Freunde und Bekannte nicht in der Lage, ein Nachtquartier anzubieten, kann der Weiße Ring der richtige Ansprechpartner sein. In bestimmten Fällen werden von dort Übernachtungskosten übernommen, etwa dann, wenn man durch den Diebstahl von Bargeld und Bankkarten kein Hotel verauslagen kann. Besteht Bedarf, tritt der Weiße Ring auch für die Kosten einer ersten Wohnungssicherung ein und leistet Beihilfe, um zerstörte Wohnungseinrichtungen zu reparieren oder zu ersetzen.

Ebenso steht der Weiße Ring weitere wertvolle Hilfsmaßnahmen zur Verfügung. Opfern von Überfällen in der Wohnung und von Einbruchdiebstählen bekommen bei Bedarf einen Hilfescheck für eine psychotraumatologische Erstkonsultation. Ebenso gibt es einen Hilfescheck für eine anwaltliche Erstberatung, falls die entstehenden Kosten nicht nur die eigene Rechtsschutzversicherung gedeckt sind oder selbst getragen werden können.

Wer sich vorab, längst vor dem möglichen Eintritt eines Einbruchdiebstahls, die wichtigsten Adressen und Telefonnummern von Hilfsorganisationen und Fachbetrieben notiert, spart sich im Ernstfall zusätzlichen Stress. Alle wichtigen Nummern parat zu haben und nicht erst suchen zu müssen, ist eine wertvolle Hilfe in der belastenden Situation.

Nach dem Einbruch - posttraumatische Belastung

PTBS, die posttraumatische Belastungsstörungen, kennt man überwiegend von Gewalt- und Kriegsopfern, von durch Katastrophen in Mitleidenschaft gezogenen Menschen oder Überlebenden schwerer Unfälle. Auch lebensbedrohliche Krankheiten wie Krebs oder der Herzinfarkt können sich psychisch manifestieren und zum Belastungssyndrom entwickeln. Fachleute gehen davon aus, dass über die Hälfte aller Menschen mindestens einmal in ihrem Leben ein traumatisches Erlebnis erleidet. 10 % dieser Personen erkranken an einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Das Trauma selbst kann sich in Schlafstörungen, in Persönlichkeitsveränderungen, in Depressionen und zahlreichen anderen Krankheitsbildern äußern. Ob und wie schwer sich eine PTBS entwickeln wird, hängt vom erlittenen Trauma und der persönlichen Konstitution ab. Bereits ein Einbruch in Abwesenheit kann zur untragbaren Belastung werden. Das Risiko verstärkt sich, wenn Wohnungsbesitzer mit dem Einbrecher konfrontiert oder gar verletzt wurden. Es ist wichtig, eine posttraumatische Belastungsstörung frühzeitig zu behandeln. Je eher Fachärzte und Psychotherapeuten konsultiert werden, desto höher kann die Chance auf eine völlige Rehabilitation sein.

Startseite